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Fefe und die Kultur der politischen Debatte

 „Diese deutsche Blockwarttum, immer andere Leute verpfeifen zu müssen, eine Meldefunktion zu fordern, und dann indigniert Facebook anzuprangern, wenn sie nicht sofort springen, das finde ich absolut widerlich. Orwell würde sich im Grabe umdrehen. Mit Aufklärung und westlichen Werten hat das jedenfalls nichts zu tun.“ Fefe

Vollkommen richtig. Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant. Das ist ja schließlich auch eine große deutsche Volksweisheit. Und sich als Blockwart aufzuspielen, das hat nun wirklich nichts mit der Aufklärung zu tun oder gar den westlichen Werten. Felix von Leitner oder Fefe hat in seinem „Watchblog“ einen Rant veröffentlicht, den er als Antwort auf eine Presseanfrage geschrieben hat. Die Anfrage kennt man nicht, die hat Fefe lieber weggelassen. Man erfährt nur, dass die Presseanfrage „ hier über Bande“ einging und es um „die Löschpraxis von Facebook“ ging.

Nun hatte Fefe also das dringende Bedürfnis, der Presse und all seinen Leserinnen und Lesern etwas mitzuteilen, nämlich das irgendetwas, dass ihn an Blockwarttum erinnert, nicht mit der Aufklärung und den hehren westlichen Werten vereinbar sei. Welche Werte jetzt genau?

„In einer pluralistischen Gesellschaft muss man anderslautende Positionen aushalten können. Anderslautende Positionen sind wichtig für den Diskurs, ohne sie kann es nie Fortschritt geben.“ Fefe

Aha, es geht also um anderslautende Positionen, die den gesellschaftlichen Diskurs voranbringen sollen. Wem würde da nicht sofort die demokratische Meinungsbildungsplattform Facebook einfallen? Bei Fefe klingt das fast so als wäre das ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung. Aber um was geht es denn eigentlich genau?

„Wenn jemand online tatsächlich gegen Gesetze verstößt, dann haben wir dafür Behörden. Dann gehen Sie zur Polizei, die veranlasst dann bei Facebook eine Löschung. Beziehungsweise will man natürlich eigentlich, dass da auch noch ein Richter urteilt. Damit zu löschende Inhalte ein faires Verfahren kriegen. Und wenn etwas gelöscht wird, weil es gegen die Gesetze verstoßen hat, dann will man es nicht bloß löschen, sondern der Poster soll dafür zur Rechenschaft gezogen werden.“ Fefe

Wer Fefe schon etwas länger liest, fragt sich jetzt natürlich, redet er von denselben Behörden, die er in seinem Watchblog Tag für Tag wegen Inkompetenz vorführt? Ist das die gleiche Polizei, die doch irgendwie auch auf dem rechten Auge blind ist? Die, die sich mit dem Internet nicht so richtig auskennt? Sind das dann die gleichen Richter, die auch schon bei Hausdurchsuchungen immer alle Anträge durchwinken? Aber mal ganz abgesehen davon, fordert Fefe hier also wirklich, man solle sich bei Straftaten zurücklehnen, abwarten und mal schauen, wann und ob die Polizei eingreift. Ist das nicht das Gegenteil von Zivilcourage? Wie hat man sich das zum Beispiel in einem Zugabteil vorzustellen? Da bepöbelt und bedroht irgendein Rassist z.B. einen Flüchtling und der Untertan des Obrigkeitsstaates ruft dann erst einmal die Polizei – denn dafür haben wir ja die Behörden – und wendet sich dann wieder seiner Zeitungslektüre zu. Eingreifen? Dem Zugbegleiter melden? Andere Fahrgäste darauf aufmerksam machen? Nein, denn das wäre ja Blockwart- und Denunziantentum.

„So funktioniert ein Rechtsstaat.“ Fefe

Aha. Und Facebook hält sich demnach auch an deutsches Recht?

Eine Demokratie funktioniert zum Beispiel auch über das wehrhafte Eingreifen der Bürger. Man muss nämlich nicht alles hinnehmen. Und im Jedermann-Festnahmerecht dürfte man zum Beispiel einen Straftäter an der Flucht hindern und festhalten bis die Polizei eintrifft. Warum sollte man also online alle Straftaten dulden, bis irgendwann einmal irgendwer reagiert?

„Was Sie da fordern, dass Facebook einfach auf Zuruf irgendwelche Inhalte löschen soll, das ist Lynchjustiz. Schlimmer noch: Lynchjustiz ohne tatsächliche Nachteile für den Poster. Der postet das dann einfach gleich nochmal. Das macht Ihnen Arbeit, das macht Facebook Arbeit, das macht allen Ärger, das kostet Plattenplatz und Bandbreite, und zur Rechenschaft gezogen wird am Ende niemand.“ Fefe

Hört hört. Lynchjustiz. Jetzt muss man mal etwas in die Tiefe gehen. Worum geht es denn eigentlich gerade genau in der Debatte um Kommentare bei Facebook. Geht es da um Zensurvorwürfe im Debattierclub Bottrop? Oder sollen kritische Kommentare zu Atomenergie, zu Militäreinsätzen oder neoliberaler Wirtschaftspolitik gelöscht werden? Nicht so ganz. Eigentlich geht es um hate speech und um Hass-Kommentare. Es geht um Rassismus, brutale Menschenfeindlichkeit und Menschenverachtung. Niemand fordert, Meinungsäußerungen zu zensieren. Entweder hat Fefe diesen Teil des öffentlichen Diskurses nicht mitbekommen, was wohl eher unwahrscheinlich ist, oder er betreibt derailing. Er entgleist das Thema absichtlich und führt seinen Rant gegen etwas, was überhaupt nicht zur Debatte steht.

Wer wird denn da gelyncht, wenn hate speech und Rassismus gelöscht werden? Wird dann das Posting gelyncht? Und das Schlimmste am Rassismus ist dann auch noch, dass das Arbeit macht und Ressourcen verschlingt.

„Und wofür? Damit Sie sich besser fühlen! Das ist wie Mülltrennung!“ Fefe

Vermutlich ist das gar kein Rant, sondern Fefe übt sich in Satire. Sich den Rassisten virtuell in den Weg zu stellen, ist wie Mülltrennung. Die macht man nämlich auch nur, um sich besser zu fühlen. Also einfach weiter die Batterien auf den Komposthaufen schmeißen. Und Hass-Kommentare kann man ja auch einfach ignorieren. Wer sich darüber aufregt, macht das schließlich auch nur, um sich besser zu fühlen. Küchenpsychologie? Iwo.

Dennoch dürfte es vielen, darunter nicht nur persönlich von Hass-Kommentaren betroffenen, sondern auch der Einfühlung in andere fähigen Menschen, mehr als schwer fallen, hate speech einfach als „anderslautende Positionen“ zu verharmlosen.

„Und hier kommen wir auch schon zum größten Problem: Sie wollen ja nicht bloß illegale Inhalte gelöscht haben. Sie wollen ja auch Inhalte weg haben, weil sie anstößig sind! Die Schranken für Volksverhetzung sind nämlich gar nicht so niedrig, wie man denken würde“ Fefe

Man (Wer? Der mit dem „gesunden Menschenverstand“?) würde also denken, dass viel mehr Äußerungen als Volksverhetzung zu bewerten wären, als die Gesetzeslage tatsächlich her gibt? Mag sein. Leider kennen wir ja die Presseanfrage nicht, aber wieso sollen denn nun generell anstößige Inhalte gelöscht werden? Wieder die Frage: Um was geht es in dieser Debatte nochmal genau?

„Und wie rückständig das ist, wenn jemand sich anmaßt, für andere zu entscheiden, welches Material anstößig ist und welches nicht, das sieht man ja auch sehr gut bei Facebook, wenn Bilder von stillenden Müttern gelöscht werden.“ Fefe

Der Anblick einer stillenden Mutter ist also in etwa das Gleiche wie der Kommentar eines „Diskutanten“ unter dem Bild einer Flüchtlingsunterkunft: „Einmal mit dem Flammenwerfer durchgehen und gut ist.“ Offensichtlich ist Fefe entgangen, dass die Bigotterie eines amerikanischen Unternehmens hier schlecht als Argumentationshilfe dient. Nur weil ein US-Unternehmen den puritanischen Traditionalisten Rechnung trägt, muss man also hate speech akzeptieren? Erschließt sich mir jetzt nicht ganz.

„Und jetzt kommen wir mal zur moralischen Dimension. Nur weil es Gesetze gibt, heißt das ja noch nicht, dass die Gesetze auch gut sind! In China beispielsweise werden Bilder von Uiguren-Protesten unterdrückt. Und natürlich haben die Gesetze, die das decken. Aber wenn Facebook sich in China an die Gesetze hält und solche Bilder löscht, wie beurteilen Sie das dann? Ist das dann legitim? In Ordnung?“ Fefe

Jetzt wird’s wirr. Begann der Rant nicht damit, dass es ja Gesetze gibt und dass sich die Behörden um deren Einhaltung kümmern würden. Ja, was denn nun? Soll ich jetzt die Polizei rufen oder soll ich eine Revolution anzetteln, um die Gesetze zu ändern? Oder soll ich einfach alles lassen wie es ist, weil es ist so schrecklich kompliziert, vor allem das mit den Uiguren, den stillenden Müttern und den Asylkritikern. Im Affekt sind alle Argumente gleichwertig, das ist die Logik der Emotionen, aber ein wenig Differenzierung hätte nicht geschadet.

Wikimedia Commons | Author heartbeaz

Und nur weil einige Hass-Kommentare möglicherweise nicht unter dem Straftatbestand der Volksverhetzung zu subsumieren sind, sind sie trotzdem auch nicht lediglich „anstößig“, sondern auf brutale Weise menschenverachtend und beleidigen möglicherweise nicht nur, sondern bedrohen andere Menschen mit Gewalt oder dem Tod. Mal abgesehen davon, dass hier ggf. andere Paragraphen des Strafrechts greifen könnten: Wo bleibt denn da die Moral, wenn man solche Äußerungen einfach durch den facebook´schen Äther wabern lässt?

„Bevor Sie also mal wieder […] den Lynchmob anstacheln, verwerfliche Inhalte zu melden, damit sie gelöscht werden, sollten Sie sich vielleicht mal fragen, ob wir heute Homosexualität oder Frauenwahlrecht als etwas Normales sehen würden, wenn wir in der Vergangenheit strikt nach Ihren heutigen Forderungen anstößige Inhalte immer sofort entfernt hätten. Hätte es die sexuelle Revolution gegeben? Wäre Abtreibung legal? Würden wir nicht eher immer noch Menschen wegen Blasphemie in den Knast werfen?“ Fefe

Man hätte bisher natürlich sagen können, gut ein Glas Rotwein zu viel beim ranten. Aber jetzt wird es richtiger Bullshit. Das hat schon was von links ist rechts und rechts ist links. Ich habe jedenfalls meine Schwierigkeiten damit, Forderungen nach Gleichberechtigung gleichzusetzen mit Forderungen nach Ausgrenzung, Abwertung und sogar Vernichtung.

„Handgranaten in die Menge werfen und dann ist Schluss mit Lustig. Verdammtes Drecks Pack.“

So klingen also „anstößige Inhalte“, die man aber zulassen muss, weil in einer nahen Zukunft das ja eine Mehrheitsbewegung geworden sein könnte und dann würden wir alle nostalgisch zurückblicken und sagen: Na stellt euch mal vor, man hätte das damals alles gelöscht, hach, dann wären wir heute noch eine Demokratie… und dann lacht der rassistische Mob.

Vielleicht ist meine Hyperbel zu überzogen, aber vielleicht sind mit Fefe auch einfach alle Gäule durchgegangen. Das Problem scheint mir zu sein, dass Fefe gerade den Noam Chomsky-Rant hinlegt und für absoluten Liberalismus bei jeglichen Äußerungen eintritt, dabei aber überhaupt nicht auf dem Schirm hat, um welche Äußerungen es tatsächlich geht.

„Und Sie können mir ja auch mal erklären, wie es zu einer politischen Debatte kommen soll, wenn man die Extrema des Spektrums direkt ausnimmt. Ist Ihr Menschenbild so negativ, dass Sie den Leuten nicht zutrauen, einen Kompromiss in der Mitte zu finden?“ Fefe

Ja, das wäre schön. Einen Kompromiss in der Mitte. Vielleicht irgendetwas zwischen diesen:

„Im Moment könnten wir einen kleinen Hitler gebrauchen“

„Ab in die Gaskammer“

„Buchenwald… der Ofen ist noch warm“

„Wir brauchen einen neuen Führer“

„Da sieht man mal wieder das viel zu wenig durch die Öfen gegangen sind.“

„Macht das Gesindel platt ich kann die schwarzen Fressen nicht mehr sehen“

„Asylanten games 100m freistiel im säurebecken“

„Scheiss Rattenplage“

„Einfach wieder in den Zug und ab nach Auschwitz“

„Abschlachten das Viehzeug, es sind keine Menschen“

„Hoffentlich war die Hütte voll mit Asylschmarotzer, bevor es gebrannt hat!“

Hm, und wie kriegen wir jetzt mit diesen „Diskussionsbeiträgen“ (alle von Perlen aus Freital) einen Kompromiss in der Mitte hin? Mit diesen „anderslautenen Positionen“, ohne die es keinen Fortschritt geben kann? Fefe hat auf seinem Blog keine Kommentarfunktion, da ihm an der politischen Debatte mit Trollen nichts liegt. Mehr als verständlich. Aber diese lächerliche Doppelmoral dann einzufordern, man möge doch mit Rassisten und Menschenfeinden eine politische Debatte führen. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren und schaue mir die Diskussion von Fefe mit Asylkritikern, besorgten Bürgern und sonstigen Nationalisten und Rassisten gerne an. Man kann gespannt sein, wie solche Menschen, die oben genannte und ähnliche Äußerungen – oft genug (noch) unter Pseudonym – posten, sich in einer öffentlichen politischen Debatte davon überzeugen lassen, dass das mit den Öfen vielleicht doch keine so gute Idee wäre.

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Extremer „Diskussionsbeitrag“ in einer „politischen Debatte“

„Kurz gesagt: Sie sollten sich was schämen. Sie machen da statt Journalismus Katastrophen-Tourismus, konstruieren Empörung und Blutspritzen und nehmen sich bei keinem Thema die Zeit, um zu mehr als Empörung zu kommen in ihren Beiträgen. Und dann wundern Sie sich, wenn die Leute die Medien nicht mehr ernst nehmen.“ Fefe

Da wir ja nicht wissen, um welches Medium es sich handelt, kann das natürlich stimmen. Aber schämen sollte sich vor allem auch Fefe für die völlige Verkennung der Situation und einen Rant, der überhaupt nicht zum Thema passt. So ist das halt mit Rants, sie konstruieren Empörung und der Autor nimmt sich bei keinem Thema die Zeit, um zu mehr als Empörung zu kommen.

„Noch können Sie einlenken und was aus Ihrem Leben machen!“ Fefe

Das hingegen ist kein Rant mehr, sondern pejorative Unverschämtheit eines ignoranten Größenselbsts in bester Broder- und Pirinçci-Art.

„Da hat mich der gerechte Zorn ein bisschen übermannt, aber vielleicht nimmt sich das ja der eine oder andere Journalist zu Herzen, der auch gerade überlegt hat, ob er nicht Facebooks laxe Löschpolitik anpranger soll. Den Namen des anfragenden Presseorgans habe ich mal rauszensiert, das spielt ja keine Rolle an der Stelle.“ Fefe

Gerecht ist da gar nichts, auch wenn der selfserving bias es so erscheinen lässt. Der Kampf für Meinungsfreiheit wurde selten so borniert geführt.

Im Übrigen sollte sich Fefe einfach ein Beispiel an Fefe nehmen.

 

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8 Kommentare

  1. Sascha Pommrenke sagt

    Man hätte es sich denken können. Peter Mühlbauer bedient mit den gleichen fadenscheinigen Argumenten das Publikum der besorgten Bürger.
    http://www.heise.de/tp/artikel/45/45960/1.html

    Mein Kommentar bei TP:
    Eigentlich ist es doch gar nicht so schwer zu verstehen. Es geht
    nicht um freie Meinungsäußerung, das ist lediglich das
    Strohmann-Argument von Fefe und Mühlbauer. Wo ist denn die Forderung
    Meinungen zu unterdrücken? Ist das der gesellschaftliche Diskurs?
    Oder geht es nicht viel mehr darum sich gegen Rassismus,
    Menschenverachtung und Menschenfeindlichkeit zu positionieren?

    Wer nicht zwischen der Zensur und Unterdrückung von Informationen und
    Hetze unterscheiden kann, hält auch die Sportpalastrede für eine
    Infoveranstaltung.

    Mit besorgten Bürgern, Asykritikern und sonstigen rechten Hetzern den
    Kampf um Meinungsfreiheit zu führen, wird ein wunderbares Ergebnis
    geben.

  2. Sascha Pommrenke sagt

    Offensichtlich ist man bei Facebook auch etwas weiter als Fefe und Mühlbauer verstehen würden:
    „Wir begrüßen das Schreiben von Bundesminister Heiko Maas und nehmen die Bedenken sehr ernst“, sagte eine Sprecherin. Facebook sei kein Ort für Rassismus. Entsprechende Inhalte verstießen eindeutig gegen die Gemeinschaftsstandards und „wir appellieren an die Menschen, unsere Plattform nicht für die Verbreitung von Hassrede zu benutzen. Wir verstehen, dass wir als Facebook eine besondere Verantwortung tragen und arbeiten jeden Tag sehr hart daran, die Menschen auf Facebook vor Missbrauch, Hassrede und Mobbing zu schützen.“
    http://www.tagesspiegel.de/medien/antwort-auf-brief-von-heiko-maas-facebook-kein-ort-fuer-rassismus/12238614.html

  3. Martin sagt

    Ich nehme an, das soll eine objektive Medienkritik werden.
    Mein Eindruck am Ende des Beitrages war eher, dass irgendwer – irgendwem – irgendetwas zeigen / heimzahlen will. Dazu wurden stellenweise das eine oder andere Argument so benutzt, dass es passt, auch wenn es in Widerspruch zu dem an anderer Stelle Angeführtem stand.

    Auf Ihrem Blog, bin ich gekommen, nachdem ich auf den Nachdenkseiten das Interview zu Ihrem Buch gelesen habe und Fefe’s Blog kenne ich kaum, bin also unbefangen.
    Allerdings kenne ich mich ein wenig mit dem Internet aus, wodurch mir einige Ihrer Ausführungen zu Themen wie Zivilcourage, Zensur, (Anstößige) Inhalte als zu wenig fundiert aufgefallen sind.

    Es widerspricht sich beispielsweise, die Lobhudelei auf Zivilcourage, mit dem gewollten oder ungewollten Absprechen der Fähigkeit von Facebook-Lesern, Inhalte zu lesen, zu verstehen und für sich zu kategorisieren.
    Ob sie nun eine Instanz herbeisehnen, die Anstößige Inhalte von den anderen unterscheiden und entsprechend agieren soll, konnte ich nicht erkennen. Dass Sie aber antagonistisch zu Fefe’s Position über die Aussagefreiheit eingestellt sind, das kann ich unschwer erahnen.
    Leider wurden Sie nicht konkreter hinsichtlich Ihrer Vorstellung über den Umgang mit Beiträgen wie die von Ihnen zitierten.

    Im Grunde sprechen Sie ein wichtiges Thema an, behandeln es aber schließlich eher marginal, weil Sie auf Fefe fixiert, dessen Bemerkungen aufs Korn nehmen und Aspekte außer Acht lassen, die letztlich entscheiden werden über den Fortbestand der Meinungsfreiheit im Internet und außerhalb. Solche Aspekte und Zusammenhänge würden Ihnen klarer, wenn Sie sich tiefergehend mit Maßnahmen und Gegenmaßnahmen im Internet beschäftigten, die gefordert werden und zum Teil schon von der Exekutive umgesetzt werden. Das mag nicht Ihr Gebiet sein und das ist sicher kein Mangel. Viel mehr ist es die Erklärung für die, an einigen Stellen nicht ganz in der Realität verankerten Kritikpunkte auf ein Rant (was ist das?) an dessen Ende der Autor selbst die Möglichkeit, sich verrannt zu haben, einsieht.

    Ich hoffe, Ihr eingangs erwähnte Buch ist handwerklich besser geworden als dieser eine Beitrag auf Ihrem Blog.

  4. Sascha Pommrenke sagt

    „Ich nehme an, das soll eine objektive Medienkritik werden.“

    Nein.

    „Mein Eindruck am Ende des Beitrages war eher, dass irgendwer – irgendwem – irgendetwas zeigen / heimzahlen will. Dazu wurden stellenweise das eine oder andere Argument so benutzt, dass es passt, auch wenn es in Widerspruch zu dem an anderer Stelle Angeführtem stand.“

    Beispiel?

    „Auf Ihrem Blog, bin ich gekommen, nachdem ich auf den Nachdenkseiten das Interview zu Ihrem Buch gelesen habe und Fefe’s Blog kenne ich kaum, bin also unbefangen.“

    Und deswegen haben Sie sich auch ausgerechnet den Beitrag zu Fefe durchgelesen, wo er Ihnen doch gar nichts sagt? Wie wäre es mit dem Artikel zur Medienkritik?

    „Allerdings kenne ich mich ein wenig mit dem Internet aus, wodurch mir einige Ihrer Ausführungen zu Themen wie Zivilcourage, Zensur, (Anstößige) Inhalte als zu wenig fundiert aufgefallen sind.“

    Es ist ja auch keine Analyse eines Problems, sondern eine Kommentierung eines pejorativen Rants.

    „Es widerspricht sich beispielsweise, die Lobhudelei auf Zivilcourage, mit dem gewollten oder ungewollten Absprechen der Fähigkeit von Facebook-Lesern, Inhalte zu lesen, zu verstehen und für sich zu kategorisieren.“

    Aha. Und was haben jetzt die linksgrünversifften AntifaSA Nazis davon, dass sie die Hasskommentare einordnen können? Oder was haben Flüchtlinge davon, dass sie wissen, dass es hunderttausende rechtsradikale Hetzer im Internet gibt? Möglicherweise gibt es ja so etwas wie einen verstärkenden Effekt, wenn sich Rassisten udn besorgte Bürger permanent gegenseitig bestätigen, dass sie viele sind. Das ist in der Debatte bereits alles ausführlich dargelegt worden. Ich empfehle da mal Anatol Stefanowitschs Beiträge.

    „Ob sie nun eine Instanz herbeisehnen, die Anstößige Inhalte von den anderen unterscheiden und entsprechend agieren soll, konnte ich nicht erkennen. Dass Sie aber antagonistisch zu Fefe’s Position über die Aussagefreiheit eingestellt sind, das kann ich unschwer erahnen.“

    Das ist falsch. Fefe und andere libertäre Verfechter der Meinungsfreiheit sind der Meinung, dass man alles sagen dürfen müsse. Ich bin anderer Meinung aber nicht antagonistischer. Der größte Fehler der libertären Perspektive ist, dass sie keine Ahnung von der Wirkung des Sprechens hat. Zum Einstieg: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/hatespeech/die-direkte-bedrohung-durch-hate-speech-darf-nicht-unterschaetzt-werden/

    „Im Grunde sprechen Sie ein wichtiges Thema an, behandeln es aber schließlich eher marginal, weil Sie auf Fefe fixiert, dessen Bemerkungen aufs Korn nehmen und Aspekte außer Acht lassen, die letztlich entscheiden werden über den Fortbestand der Meinungsfreiheit im Internet und außerhalb.“

    Sie irren sich grundlegend. Mein Artikel ist eine Kommentierung und keine Analyse. Der Kommentar arbeitet sich ausschließlich an Fefes selbstgerechten und ignoranten Rant ab. Das kann man jetzt doof finden, ist aber eben meine Meinung.

    „Solche Aspekte und Zusammenhänge würden Ihnen klarer, wenn Sie sich tiefergehend mit Maßnahmen und Gegenmaßnahmen im Internet beschäftigten, die gefordert werden und zum Teil schon von der Exekutive umgesetzt werden.“

    Sie verwechseln Zensur und einen gesellschaftlichen Diskurs darüber, was eine Gemeinschaft bereit ist, zu akzeptieren. Ich bin nicht bereit Hasskommentare einfach zu akzeptieren unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit. Fefe sieht das anders, Sie wohl auch. Das muss eben ausdiskutiert werden, um eine gesellschaftlich tragfähige Lösung zu finden.

    Ich habe jedoch den Verdacht, dass zahlreiche Vertreter einer libertären Perspektive nur deshalb so libertär sind, weil sie eben gar nicht betroffen sind vom Hass im Netz.

  5. Martin sagt

    „Ich nehme an, das soll eine objektive Medienkritik werden.“
    Nein.

    Dann wäre ja alles geklärt.

    Beispiel?

    Ist weiter unten. Der Satz beginnt mit „Es widerspricht sich beispielsweise…“

    Und deswegen haben Sie sich auch ausgerechnet den Beitrag zu Fefe durchgelesen…

    Nein, ausgerechnet zu diesem habe ich etwas geschrieben.
    Vielen Dank übrigens, für die Leseempfehlung an dieser Stelle.

    Und was haben jetzt die linksgrünversifften AntifaSA Nazis davon, dass sie die Hasskommentare einordnen können?

    Die waren nicht gemeint. Ihre pejorative Rhetorik ist übrigens auch nicht von schlechten Ältern…

    Fefe und andere libertäre Verfechter der Meinungsfreiheit sind der Meinung, dass man alles sagen dürfen müsse.

    Wer für Wort- oder Meinungsfreiheit eintritt, sollte auf dieselben Freiheiten vertrauen, wenn es um die Meinungsvielfalt geht. Verbieten ist nicht gleich überzeugen und Etiketten wie „linksgrünversifften AntifaSA Nazis“ oder „libertär“ sind weit weniger hilfreich als eine gesellschaftliche Debatte. Dafür, dass letzteres nicht stattfindet können Sie natürlich nichts. Gegen die Verwendung von Etiketten, schon, wenn wir uns einig sind, dass das beste Beispiel immer das eigene ist.

    Ich bin nicht bereit Hasskommentare einfach zu akzeptieren unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit.

    Schön. Und haben Sie auf all die angeführten Beispiele reagiert, oder ist Ihre einzige Reaktion der ursprünglich selbstkommentierte Beitrag? (Nicht, dass das wenig wäre.)

    Fefe sieht das anders, Sie wohl auch.

    Jedenfalls sehe ich keine Lösung die mit Beurteilungen Dritter gefolgt von Maßnahmen die an Zensur erinnern, als erstrebenswert an.

    Das muss eben ausdiskutiert werden, um eine gesellschaftlich tragfähige Lösung zu finden.

    Da bin ich bei Ihnen. Jetzt müßen wir nur noch diejenigen davon überzeugen, die einen solchen gesellschaftlichen Diskurs ins Leben rufen können. Das bin ich nicht, Sie vielleicht auch nicht. Und die, die es könnten, haben bisher alle Chancen vergeben im Laufe vieler Jahre.

    Das kann man jetzt doof finden, ist aber eben meine Meinung.

    Finden Sie es doof?

    Ich habe jedoch den Verdacht, dass zahlreiche Vertreter einer libertären Perspektive nur deshalb so libertär sind, weil sie eben gar nicht betroffen sind vom Hass im Netz.

    Da es nur ein Verdacht ist, sehe ich das nicht als Diskussionsbasis, obwohl sich mir die Logik dahinter nicht erschließt.

    • Sascha Pommrenke sagt

      Nur noch kurz zu den Etiketten.
      Das „linksgrünversifft“ ist eine Übernahme von der heute show. „AntifaSA Nazis“ oder auch „Linksfaschisten“ ist eine Bezeichung, die in rechtsradikalen Kreisen benutzt wird. Und „libertär“ ist kein Etikett, sondern eine Ideologie bzw. Weltanschauung.

      Da es nur ein Verdacht ist, sehe ich das nicht als Diskussionsbasis, obwohl sich mir die Logik dahinter nicht erschließt.

      Wären sie von Hasskommentaren oder gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit betroffen, würden sie vermutlich anders über Freiheitsrechte nachdenken. Denn die Freiheit allen möglichen Unsinn sagen zu dürfen, bedeutet auch Verabtwortung für das Gesagte zu übernehmen. Vor allem dann, wenn es die Grundrechte anderer Menschen verletzt.

  6. Martin sagt

    Das „linksgrünversifft“ ist eine Übernahme von der heute show. „AntifaSA Nazis“ oder auch „Linksfaschisten“ ist eine Bezeichung, die in rechtsradikalen Kreisen benutzt wird. Und „libertär“ ist kein Etikett, sondern eine Ideologie bzw. Weltanschauung.

    Na ja… Vielen Dank für die Aufklärung über die Herkunft, die für mich eigentlich nicht von Belang war.
    Im Gegenzug werde ich nicht darauf eingehen, dass eine Weltanschauung sehr wohl als Etikett eingesetzt werden kann.

    Wären sie von Hasskommentaren oder gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit betroffen, würden sie vermutlich anders über Freiheitsrechte nachdenken. Denn die Freiheit allen möglichen Unsinn sagen zu dürfen, bedeutet auch Verabtwortung für das Gesagte zu übernehmen. Vor allem dann, wenn es die Grundrechte anderer Menschen verletzt.

    Sie beschreiben wunderbar, die zahlreichen gemobbten, marginalisierten, bis in die Krankheit getriebenen Menschen, die auf Schulhöfen, in Unternehmen oder in der Nachbarschaft ein viel realeres Opferdasein führen müssen. Ist das andere nur schlimmer weil es im Internet passiert?
    Im Übrigen glaube ich, das man über Freiheitsrechte nicht so oder so nachdenken kann. Eingeschränkt ist es keine Freiheit mehr. Gesellschaftliche Akzeptanz ist letztlich eine kulturelle Frage. Da fehlt, wie Sie schon zurecht angemerkt haben, der gesellschaftliche Diskurs. Allerdings sind Etiketten keine Argumente sowie Repression keine Lösung ist.

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