Warum der Justizskandal doch keiner ist (oder sein soll)

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»Hier konnte niemand sonst Einlaß erhalten,
denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt.
Ich gehe jetzt und schließe ihn.«
Kafka. Vor dem Gesetz.

Beate Lakotta hat auf spon.de einen „Artikel“ zum so genannten Fall Mollath veröffentlicht.

Im Folgenden soll es weniger um diesen Skandal oder auch Nicht-Skandal gehen, sondern es soll an diesem Artikel aufgezeigt werden, wie wichtig es ist kritisch mit Nachrichten und Massenmedien umzugehen. Wie wichtig es also ist Medienkompetenz zu entwickeln. Denn auch wenn man wenig Informationen zum bisherigen „Justizskandal“ mitbekommen hat, so kann man doch anhand der Sprache „Nachrichten“ dekodieren.

„Sitzt Gustl Mollath seit Jahren zu Unrecht in der Psychiatrie? Sein Fall wurde zum Justizskandal erklärt, Mahnwachen werden für den “deutschen Mandela” abgehalten – doch am Ende könnte von all dem nicht viel mehr bleiben als heiße Luft. Denn viele Ungereimtheiten sind gar keine.“1

Bereits die Einführung in den Artikel gibt die Richtung vor, in die es gehen wird. Dabei geht es keineswegs um spannende oder gar wichtige Informationen, die das Interesse auf den Artikel wecken sollen, hier wird schlicht selbstwertrelevant Text produziert. Die einleitende Frage ist ein reines und damit überflüssiges Stilmittel, da die Überschrift ja bereits klar macht, dass es hier gar keinen Justizskandal gibt. Vielmehr wurde der Fall „zum Justizskandal erklärt“. Von wem? Man weiß es noch nicht.

Entscheidender ist, dass die völlig absurde und lächerliche Behauptung aufgestellt wird, es würden Mahnwachen für den „deutschen Mandela“ abgehalten. Dies ist rein selbstwertdienlich für die Schreiberin und die von ihr adressierte Wertegemeinschaft. Indem suggeriert wird, diejenigen die den Fall zu einem Justizskandal erklärt hätten, würden Mollath mit Mandela gleichsetzen, setzt eben diese dem Spott und der Herabwürdigung aus. Wer Mollath für Mandela hält, kann ja selbst nicht ganz dicht sein. So schließt die Autorin bereits im zweiten Satz die Reihen der Redlichen (also selbstverständlich auch sie selbst) gegen die Unredlichen, Wahnsinnigen und Dummen.  Der herbeigeführte soziale Vergleich (Leon Festinger) wertet die „Anderen“ ab und erhöht gleichzeitig den eigenen Wert. Die Wertegemeinschaft versichert sich so bereits in der Einleitung ihrer Position.

Und da die Anderen, mit ihrer lächerlichen Mandelavorstellung, natürlich im Unrecht sein müssen, wird am Ende nicht viel über bleiben als heiße Luft.

„Es klingt nach einer tollen Geschichte: Ein Mann, verheiratet mit einer Bankerin, erfährt angeblich von Schwarzgeldschiebereien, in die seine Frau verwickelt ist. Er wendet sich an die Justiz, will den Skandal aufdecken, stattdessen erklärt man ihn für verrückt.“

Da ist gar keine Geschichte. Nichts was man ernsthaft verfolgen müsste. Nichts wo Journalisten recherchieren müssten. Es ist keine Geschichte: es klingt nur wie eine. Und zwar wie eine tolle Geschichte. Toll: verrückt, nicht bei Sinnen. Das Adjektiv ist wohl kaum aus Versehen an dieser Stelle gelandet. Und der Konjunktiv, die Möglichkeitsform, gilt offensichtlich nur für „Schwarzgeldschiebereien“, aber nicht für Mollaths Realitätsbezug.

„Ein Gericht kommt zur Überzeugung, er habe unter anderem seine Frau übel misshandelt, zum Beweis legt sie ein Attest vor.“2

Das muss ein famoses Attest sein, dass belegt, dass Mollath „unter anderem seine Frau übel misshandelt“ hat. Natürlich kann man einwenden, dass es sich hierbei einfach um eine sprachliche Nachlässigkeit gehandelt hat, und es dem Leser ja klar ist, dass sich das Attest nur auf die Misshandlungen an der Frau bezieht. Klar. Aber Beate Lakotta war ja offensichtlich daran gelegen noch einzuschieben, dass er ja mehrere Menschen übel misshandelt hat. Warum? Gibt es dafür auch „Beweise“? Wo sind die? Warum führt sie die nicht auch auf, sondern nur das eine Attest? Offensichtlich geht es hier um etwas anderes. Hier wird nicht die Information an den Leser weitergegeben, um was es in diesem Fall geht, sondern hier wird Meinung gebildet, um nicht zu sagen: manipuliert. Der Täter hat nicht nur seine Frau übel misshandelt, sondern auch noch andere Menschen. Zweifelsohne ein gefährlicher Gewalttäter (so der Subtext).

„Doch wegen Schuldunfähigkeit wird er vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung und Sachbeschädigung freigesprochen und in die forensische Psychiatrie gesteckt. Dort bleibt er, weil man ihn für eine Gefahr für die Allgemeinheit hält. Doch nach sechs Jahren stellt sich heraus: Was der Mann behauptet habe, sei wahr. Die Bank habe die Sache totgeschwiegen, die Justiz seine Anzeigen zu Unrecht nicht ernst genommen, das Ganze entpuppt sich anscheinend als ein ungeheurer Justiz- und Psychiatrieskandal. Der Name des Mannes: Gustl Mollath. Mittlerweile kennt man den Mann im ganzen Land, in der Klinik für forensische Psychiatrie des Bayreuther Bezirkskrankenhauses, wo er untergebracht ist, geben sich Reporter seit Wochen die Klinke in die Hand. Das Ergebnis: Ein Generalverdacht, von Medienvertretern erhoben gegen Institutionen des Rechtsstaats.“3 4

Seit Wochen geben sich Reporter die Klinke in die Hand? Wie viele Interviews mit Gustl Mollath hat es denn gegeben? Aber bei diesem Satz ging es wohl auch (mal wieder) weniger um den Informationsgehalt, als um Stimmungsmache. Reporter. Nicht Journalisten. Und das Ergebnis: ein Generalverdacht. Und auch noch ein Generalverdacht gegen Institutionen des Rechtsstaats. Man kann die Empörung fast hören, die die Autorin getrieben hat, solche Sätze zu schreiben. Welche Medien äußern denn einen Generalverdacht? Sind es nicht vielmehr sehr konkrete Vorwürfe mit sehr konkreten Adressaten? Der Trick von Lakotta ist, so zu tun als hätten andere einen Generalverdacht geäußert. Dabei ist sie es selbst, die die Behauptung aufstellt, und gegen ihre eigene Konstruktion verwehrt sie sich dann in bester moralischer Empörung. Doch, ist es nicht sogar die eigentliche Aufgabe von „Medien“ die Institutionen des Rechtsstaats zu überwachen und zu kontrollieren? Ist eine grundlegende Skepsis nicht Teil des Berufes?

„Angeprangert werden pauschal angebliche Gefälligkeitsgutachten und Husch-Husch-Urteile, die Psychiatrie wird als “dunkle Zone des Rechts” dämonisiert – und das Publikum applaudiert.“ 5 6 7 8

Hätte man eben noch denken könne, es handele sich um stilistische Ausrutscher, wird schnell deutlich, dass es sich schlicht um schlechten Stil handelt. Es werden pauschal Gefälligkeitsgutachten angeprangert? Davon kann gar keine Rede sein. Die Gutachten wurden sogar sehr präzise analysiert und geradezu seziert. Ebenso die „Husch-Husch-Urteile“. Auch diese wurden eingehend analysiert und diskutiert. Lakotta stellt wieder eine Behauptung auf, die so zwar niemand macht, gegen die sich aber wunderbar anschreiben lässt: – und das Publikum applaudiert. Denn das Publikum ist ja zu dumm, zu erkennen was hier wirklich gespielt wird.

„Menschen solidarisieren sich in Leserbriefen und Internet-Blogs blindlings mit dem mutmaßlichen Justizopfer.“ 9

Als „ernstzunehmende Journalistin“ fällt ihr selbstwertdienlicher Vergleich mit (abfällige Intonation:) Inernet-Blogs eindeutig aus. In Blogs kann ja jeder schreiben, das weiß man doch. Deswegen wird sich auch blindlings mit dem mutmaßlichen Opfer solidarisiert. Und wieder sind alle doof – außer Lakotta. Ich bin mir nicht sicher. Meint Frau Lakotta das Beck-Blog? Oder meinte sie das Blog von delegibus?

„Jede Behauptung, die irgendwer im Netz aufstellt, wird geglaubt, sofern sie ins Bild passt, nach dem jeder schneller als gedacht unschuldig in die Fänge der Psychiatrie geraten könne.“ 10

Bei Lakotta könnte man Behauptungs-Bingo spielen. Allerdings wäre das wohl ein kurzes Vergnügen. Der Satz ist so dermaßen inhaltsleer, eine unfassbare Plattitüde. Man kann es ja einfach mal behaupten. Das Gegenteil wird jedenfalls niemand beweisen können. Irgendwer glaubt immer irgendwas. Wäre es nicht redlicher gewesen darauf hinzuweisen, dass keine seriösen Personen oder Medien so etwas behauptet haben? Hier wird skandalisiert, weil es sich um einen Einzelfall handelt. Wäre es so häufig wie von Lakotta kolportiert, würde sich ja niemand aufregen, da es dann als normal wahrgenommen würde.1

„Täglich fördert die Schwarmintelligenz neue angebliche “Ungereimtheiten” im Fall Mollath zutage.“

Die Wertegemeinschaft muss sich immer wieder einander versichern. Besonders geeignet sind dafür „Reizwörter“. Die Reaktionen darauf sind erwartbar und deswegen auch gut gezielt einsetzbar. „Schwarmintelligenz“. So ein neumodisches Wort. Das steht doch für diese Internetpiraten die den Verteidigungsminister zu Fall gebracht haben. Seitdem dürfte das Wort „Schwarmintelligenz“ bei konservativeren Kreisen reflexartige Abwehr hervorrufen. Zumal Kollektive ja grundsätzlich fragwürdig sind. Die Masse ist eher doof als intelligent – so versichert sich das Bildungsbürgertum seiner vermeintlichen Überlegenheit qua eigener Leistung. Denn da ist der einzelne intelligent, weil er es sich erarbeitet hat.

„Doch was wird vom Justiz- und Psychiatrieskandal übrigbleiben, wenn jetzt die Staatsanwaltschaft unter dem Druck der Öffentlichkeit und auf Anweisung der bayerischen Justizministerin Beate Merk den Fall neu aufrollt? Womöglich nicht viel mehr als heiße Luft.“

Jetzt wird endlich die Obrigkeit den Fall neu bewerten. Und nicht diese Internetuser. Und dann wird nichts von den Vorwürfen übrig bleiben. Denn nur die Staatsanwaltschaft ist per se und a priori gut und fähig.

„Natürlich ist Mollaths zwangsweise Unterbringung jedes Jahr überprüft worden, wie es das Gesetz verlangt, und zwar ziemlich sorgfältig. Und für viele Ungereimtheiten finden sich Erklärungen.“ 11 12

Natürlich. Aber was heißt das schon? Was bedeutet ziemlich sorgfältig? Müssen wir Frau Lakotta jetzt glauben, dass es so ist? Wo ist der Beleg für die Behauptungen? Oder hat Frau Lakotta Offenbarungswissen, dass nur ihr zuteil wurde? So bleibt es eine Behauptung. Und es stehen auch andere entgegengesetzte Behauptungen im Raum. Ohne Beweise sind alles Behauptungen und die eine ist nicht richtiger als die andere. Aber es folgen ja bestimmt gleich die angekündigten Erklärungen.

„Da argumentieren Mollaths Unterstützer beispielsweise, anders als drei gut beleumundete forensische Psychiater übereinstimmend feststellten, sei Mollath gar nicht gefährlich. Denn das Attest, das seine Frau vorgelegt habe, sei nicht nur ein Jahr nach dem angeblichen Übergriff Mollaths gegen Petra Mollath ausgestellt worden; es sei möglicherweise eine Fälschung.“ 13

Das hat mit Journalismus nichts zu tun. Das ist tendenziös und es klingt nach einer Verteidigungsschrift. Die Mollath Unterstützer sind eine diffuse Masse im Internet. Eben noch lediglich in Blogs organisiert. Auf der anderen Seite sind drei gut beleumundete Psychiater. Abgesehen davon, dass Lakotta offensichtlich jegliche Recherche für diese „Auftragsarbeit“ verweigert hat, wird hier auch eine seltsame Autoritätshörigkeit eingefordert. Der Leumund der Psychiater ist wohl kaum ausschlaggebendes Kriterium in diesem Fall. Hier wurden schriftliche Gutachten verfasst. Leumund hin oder her – hier gibt es überprüfbare Fakten. Ein redlicher Journalist hätte hier zumindest erwähnt, dass die nachfolgenden Gutachten aufgrund des jeweils vorhergehenden Gutachtens erstellt wurden. Ist das erste Gutachten fehlerhaft, werden es auch die nachfolgenden sein. Könnte man hier als kritischer Journalist eventuell strukturelle Probleme aufdecken und somit den Rechtsstaat verbessern helfen? Ach, iwo.

„Wie kommen sie darauf? Das Attest stammt laut Stempel aus der Praxis der Nürnberger Allgemeinärztin Madeleine R. Die Illustrierte “Stern” hatte vor drei Wochen berichtet, die Ärztin habe sich auf Anfrage nicht an eine Patientin namens Petra Mollath erinnern können. Andere Quellen berichteten, eine Freundin von Mollaths Frau arbeite in der Praxis als Sprechstundenhilfe. Alles klar. Als Verschwörungstheoretiker zählt man eins und eins zusammen und landet beim Komplott, in das die Ärztin verstrickt sein muss.“ 14

Lakotta versucht offensichtlich einen neuen Rekord in selbstfabrizierten Behauptungen aufzustellen, die sie dann widerlegen kann. War eben noch von der tatsächlichen Ungereimtheit die Rede, dass eine in enger Beziehung zur Anklägerin stehende Person in der Arztpraxis arbeitet, macht Lakotta den Kurzschluss daraus: die Ärztin müsse darin verstrickt sein. Aber das behauptet niemand. Warum dann diesen Unsinn als Behauptung aufstellen? Ach so. Um mal wieder alle, die nicht der Meinung der Autorin sind, als Verschwörungstheoretiker zu stigmatisieren und zu diffamieren. Der Verschwörungsvorwurf ist dabei sich mächtig abzunutzen. Wenn jeder, der kritisch nachfragt zum irren Verschwörungstheoretiker pathologisiert wird, dann verstummt irgendwann die Kritik an den Verhältnissen. Oder die Verhältnisse verstummen. Beides kann nicht Ziel von Journalismus sein.

„Hätten die Verschwörungstheoretiker recht, wäre das fatal. Dann wäre das Nürnberger Landgericht im Jahr 2006 einer gewissenlosen Rosenkriegerin aufgesessen, und das Urteil, das zu Mollaths Einweisung führte, wäre ein Fehlurteil.“

Und? Ist das undenkbar? Es ist sogar noch weit mehr denkbar. Warum nur Rosenkriegerin? Es geht nicht darum, was in diesem Falle die Wahrheit ist. Das ist ja momentan noch gar nicht erwiesen, was stimmt und was nicht stimmt. Aber es darf für Journalisten doch keine Denkverbote geben.2

„Doch es gibt eine einfache Erklärung für die fehlende Erinnerung der Ärztin: Laut Attest findet sich Gustl Mollaths Frau Petra am 14. August 2001 zur Untersuchung ein. Aber nicht Madeleine R. führt diese durch, sondern ihr Sohn Markus, ebenfalls Arzt, der zu der Zeit als Assistent in der Praxis arbeitet. Das Attest trägt deshalb den Stempel der Praxis mit seiner Unterschrift. Er erinnert sich an die Patientin, ihre Angaben und die Verletzungen hat er dokumentiert. Noch heute sind sie in der Praxis-EDV nachzuvollziehen: Demnach gab Petra Mollath an, ihr Mann habe sie zwei Tage zuvor mehrfach mit der flachen Hand geschlagen, bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und sie gebissen. Sie sei in diesem Jahr schon zweimal von ihm misshandelt worden. Als Petra Mollath sich ein Jahr später im Zuge der Trennung entschließt, ihren Mann wegen Körperverletzung anzuzeigen und den Arzt um ein entsprechendes Attest bittet, stützt er sich auf seine Aufzeichnungen: “Die bei uns durchgeführte Untersuchung am 14.08.01 um 11:30 zeigte folgende Befunde: Prellmarke und Hämatom der rechten Schläfe von 3×5 cm Durchmesser, handbreite Hämatome an beiden Oberarmen, Hämatome an beiden Unterschenkeln, am linken Oberschenkel, Würgemale am Hals unterhalb des Kehlkopfes, Bisswunde am rechten Ellenbogen mit Abdruck von Unter- und Oberkiefer (…). Die erhobenen Befunde und Verletzungsmuster decken sich mit der Anamnese, die Schilderungen der Patientin sind durchaus glaubhaft.”

Das erste Anzeichen von Journalismus: die Recherche zum Attest und in diesem Falle sogar die neue Information, dass der Sohn behandelt hat und nicht die Mutter. Der Arzt hat die Glaubwürdigkeit seiner Patientin notiert? Machen das Ärzte immer? Fragt man da als Journalist nicht nach?

„Es sei nicht ungewöhnlich, sagt der Arzt dem SPIEGEL, dass Frauen, die von ihren Männern geschlagen werden, erst nach längerer Zeit Anzeige erstatten und dann um ein Attest bitten. Auch in diesem Fall sei es so gewesen, er könne dies vor Gericht bezeugen.“

Aber was würde das beweisen? Was soll hier suggeriert werden? Das einzige was hier herausgefunden wurde, ist, dass der Sohn das Attest ausgestellt hat. Das sagt nichts darüber aus, wer die Verletzungen verursacht hat. Die Einschätzung eines Arztes, warum Petra Mollath ihren Mann so spät angezeigt hat, erscheint auch ziemlich irrelevant. Oder spricht er hier eigene empirische Erfahrungen aus? Wie oft kommen solche Fälle bei ihm vor, dass er behaupten kann, das sei nicht ungewöhnlich? Und was bedeutet es, dass er das vor Gericht bezeugen könne? Was denn? Dass er das Attest ausgestellt hat? Hier wird eine Beweiskraft suggeriert, die überhaupt nicht da ist. Warum nicht bei den Fakten bleiben? Das wäre doch eine interessante Information gewesen.

„Und das Schwarzgeld? Bislang gibt es keinen Beweis dafür, dass Petra Mollath als Angestellte der HypoVereinsbank in Schwarzgeldgeschäfte und Beihilfe zur Steuerhinterziehung verstrickt war, wie ihr Mann behauptet. Ein interner Revisionsbericht der Bank zirkuliert seit Wochen in vielen Redaktionen und im Internet. “Report Mainz” hielt ihn der bayerischen Justizministerin in einem Interview vor, mit inquisitorischem Gestus. Darin heißt es über Mollaths Beschuldigungen: “Alle nachprüfbaren Behauptungen haben sich als zutreffend herausgestellt.” 15

Bislang gibt es auch keinen Beweis dafür, dass es sich bei diesem Artikel um Journalismus handeln soll. Natürlich wurde dort nichts bewiesen, denn die einzigen die Beweise hätten sammeln können, haben nicht ermittelt. Insofern hat das überhaupt keine Aussagekraft, sondern ist ein Zirkelschluss. Es sind lediglich wieder die abwertenden und manipulierenden Kodewörter: zirkuliert im Internet. Und was wir davon zu halten haben, dass weiß man ja. Und nun wird noch der Spannungsbogen bemüht: inquisitorischer Gestus und: die Behauptungen sind wahr.

„Aber was gab es überhaupt nachzuprüfen? Im Kern wirft Mollath seiner Frau in den Briefen an die Bank vor, sie transferiere Kundengelder in die Schweiz und leite diese dort gegen Provision an die Konkurrenz weiter. Das trifft zu, dürfte aber strafrechtlich nicht relevant sein. Mollath liefert der Bank keinen konkreten Anhaltspunkt dafür, dass es sich dabei um Schwarzgeld handelt.“ 16

Das muss er ja auch gar nicht. Denn Mollath ist ja nicht die Staatsanwaltschaft. Mollath klagt an und erwartet, wie man das in einem Rechtsstaat dann auch eben erwartet, dass die Staatsanwaltschaft ermittelt. Denn das ist ihre Aufgabe. Und im Gegensatz zu dieser ermittelt die Bank sehr wohl. Obwohl Lakotta doch gerade behauptet hat, es gäbe keinen konkreten Anhaltspunkt.

„Er nennt der Bank keine Kundennamen, er behauptet nur: “Für die letzten zwei Jahre habe ich Berge von Belegen gefunden, obwohl meine Frau schon mit einem Lkw Belege abtransportiert hatte.” 17

Und dennoch: der Bank reichen diese Hinweise, denn sie ermittelt ja intern. Was soll also der Hinweis bewirken? Soll es wieder suggerieren an den Vorwürfen sei ja gar nichts dran?

„Die Bank bittet ihn, diese Beweise vorzulegen, lädt ihn ein zum persönlichen Gespräch. Aber da mag Mollath plötzlich nicht mehr reden. “Ich mache doch nicht Ihre Revisionsarbeit”, antwortet er, “ich bin kein Denunziant.” Die Bank geht von legalen Transfers legaler Gelder aus. Doch die Sache mit den Provisionen ist unschön, deswegen kündigt die Bank ihrer Mitarbeiterin fristlos.“ 18

Das ist schlicht gelogen. Die Bank geht keineswegs von legalen Transfers aus. Und hätte Lakotta auch nur ein wenig recherchiert, dann hätte sie den Revisionsbericht auch mal gelesen. Dort wird von Verstößen gegen das Geldwäschegesetz gesprochen und von Schwarzgeldverschiebungen.

„Hat die Bank also den “größten und wahnsinnigsten Steuerhinterziehungsskandal” vertuscht, wie Gustl Mollath seine Unterstützer glauben macht?“ 19

Macht er das? Sind alle seine „Unterstützer“ dumm oder verwirrt? Es ist doch stark anzuzweifeln, das „alle“ an diese Übertreibungen Mollaths glauben. Das dürfte auch die Autorin wissen. Aber wenn man eine Stimmung erzeugen will, dann darf man sich nicht von der Realität beeinflussen lassen. Da versucht man dann eben jemanden Lächerlich zu machen. Das ist Journalismus im Stile eines Dieter Bohlen. Wenn man de Fall weiter verfolgt, dann zeigt sich ganz im Gegenteil sogar, dass die meisten davon ausgehen, dass Mollath durchaus verwirrt ist. Nur heißt verwirrt nicht gleich auch gefährlich. Und nur weil er möglicherweise wahnhaft ist, heißt das ja auch nicht, dass ihm rechtsstaatliche Verfahren verweigert werden dürfen. Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun.

„Man darf das bezweifeln. Wie die “Zeit” in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, wehrte sich Petra Mollath vor dem Arbeitsgericht gegen die Kündigung, mit Erfolg. Das Berliner Arbeitsgericht befand, Geld im Ausland zu haben sei keine Straftat. Am 16. September 2003 wird die außerordentliche Kündigung aufgehoben, Petra Mollath erhält knapp 20.000 Euro Abfindung.“ 20

Worum ging es denn genau in dem Urteil? Als kritischer Journalist hätte man da ja mal nachschauen können. Möglicherweise ist es für eine Bank ja angenehmer 20.000 Euro Abfindung zu zahlen (was ja auch überraschend gering ist) als den Imageschaden einzufordern, wenn das Alles doch zu publik wird.

„Mollath schickt unterdessen seine Anzeige wegen “Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Schwarzarbeit in Hunderten, ja sogar Tausenden Fällen. Kriminelle Vereinigung, Körperverletzung, Verschleppung, Falschanzeige…” an Horst Köhler, Kofi Annan, den Papst und an den Generalbundesanwalt in Karlsruhe. Darin führt er auf einer “Zeugen- und Täterliste” fünf Dutzend Namen auf, ohne dass klar wird, wer Täter sein soll und wer Zeuge. Die halbe Verwandtschaft seiner Frau steht auf der Liste, Kollegen, Kunden, Chefs.“

Ist das die Beschreibung eines Sachzusammenhangs? Wann hat Mollath solche Briefe geschrieben? War er da schon aus seiner Perspektive zu Unrecht eingewiesen? An wen wendet man sich, wenn einem der Rechtsstaat nicht mehr zu helfen scheint? Und wieder einmal: dieser Abschnitt will nicht informieren, er will Deutungsmuster vorgeben. Mollath muss doch irre gewesen sein, wenn er an Annan und den Papst schreibt. Das macht doch kein normaler Mensch.

„Auf Druck der Öffentlichkeit haben sich nun die Steuerfahnder auf den Weg gemacht. In diesen Tagen klappern sie alle ab, die auf der Liste stehen. Mal sehen, ob sie was finden. Doch selbst wenn, ist es fraglich, ob dies für Mollath den Weg in die Freiheit ebnet. Denn anders als vielfach behauptet, begründen alle drei psychiatrischen Gutachter, die Mollath für krank und weiterhin gefährlich halten, die Diagnose seiner Wahnkrankheit nicht mit seinen Schwarzgeldbehauptungen.“ 21 22

„Anders als behauptet“, ist eine etwas seltsame Äußerung in diesem Artikel. Denn im Behauptungsjournalismus ist Frau Lakotta ganz weit vorne anzusiedeln. Die Begründung im Urteil bezieht sich aber sehr wohl auf diesen Schwarzgeldkomplex um den Mollaths Gedanken kreisen. Aber ist das nicht auch der Kern der Geschichte, so wie sie seitens Mollath als auch seitens der Öffentlichkeit behandelt wird? Sind jetzt alle wegzusperren, deren Gedanken um diesen möglichen Schwarzgeldkomplex kreisen?

“Wahnhaftes Erleben geht nicht selten von einem konkreten Kern beobachteten oder selbst erfahrenen Unrechts aus, das keine angemessene Würdigung bzw. Genugtuung erfährt”, erläutert der Ulmer Psychiatrieprofessor Friedemann Pfäfflin in seinem Gutachten.

Nicht selten? Ist das ein Gutachten oder ein Essay? Die lebensbestimmenden Themen unzähliger Menschen kreisen um selbst erfahrenes Unrecht. Mit solchen Positionen kann man alle Menschen wegsperren. Genau das, was Lakotta doch als absurde Verschwörungstheorie bezeichnet hat. Aber es sind eben solche Allgemeinplätze in den Gutachten, die diesen Interpretationen Tür und Tor öffnen. Das Gutachten wird selbstverständlich noch sinnigere Abschnitte enthalten. Aber warum zitiert Lakotta diese Stelle? Sie sichert sich ab, so wie sich alle abzusichern versuchen, die Mollath am liebsten weiterhin für wahnsinnig und gefährlich halten wollen: falls doch etwas an den Vorwürfen Mollaths dran sein sollte, dann ist es auch egal, denn er ist ja wahnhaft fixiert darauf.

„Ausgewählt von Mollaths damaliger Verteidigerin verbrachte er im Jahr 2010 einen ganzen Tag mit Mollath. In klassischer Form sei die Dynamik schon in Kleists Novelle “Michael Kohlhaas” beschrieben: “In der wahnhaften Entwicklung wird der Kreis derer, die in das Unrechtssystem einbezogen werden, ausgeweitet, so dass immer mehr Personen als Verfolger bzw. als an dem Unrechtssystem aktiv Beteiligte identifiziert werden. Diese Ausweitung findet sich auch bei Herrn M.”

Versichern sich jetzt die Bildungsbürger ihres erhobenen Standes? Was soll der Bezug auf Heinreich von Kleists Novelle? Und ist das Bonmot Kohlhaas nicht sogar ein (auf die Spitze getriebenes) Ideal des demokratischen Rechtsstaats „Es soll Gerechtigkeit geschehen, und gehe auch die Welt daran zugrunde!“ In diesem Zusammenhang fällt auch immer wieder die Vokabel: Gerechtigkeitsfanatiker. Eine interessante abwertende Bezeichnung für einen grundlegenden Wert unserer Gesellschaftsform.

„Mollath, der im Jahr 2000 sein Geschäft mit Autoreifen und Oldtimer-Restauration dichtmachen musste, als seine Frau kein Geld mehr zuschoss, begann schon Jahre zuvor damit, bekannte Persönlichkeiten mit Schreiben zu bombardieren. Es sind eng beschriebene Blätter voller wirrer Inhalte in wechselnden Schriftgrößen und mit vielen Ausrufezeichen. Den Chef des Instituts für forensische Psychiatrie der Charité in Berlin, Hans-Ludwig Kröber, erinnern sie “in Aufbau und Argumentation an entsprechende Schriftstücke psychosekranker Menschen”.

Ja, das tun sie wohl. Aber was erklärt es? Sicher, dieser Punkt ist in der bisherigen Berichterstattung nicht gerade hervorgehoben worden, aber das liegt wohl auch daran, dass es irrelevant ist, ob die Briefe auf wahnhafte Episoden hinweisen. Viel interessanter wäre ja auch an dieser Stelle zu erfahren, wie Kröber anhand der Briefe feststellt, dass jemand gemeingefährlich ist.

„Mollath, so schreibt er in seinem Gutachten, kämpfe in diesen Schriftstücken gegen eine vermeintliche “gemeinschaftliche Verschwörung, die einen Eckpunkt in der Schwarzgeldverschiebung in der Schweiz hatte, die von allen Beteiligten vertuscht werden soll, und die aus seiner Sicht wiederum dazu führte, dass zahllose unschuldige arme Kinder verhungern”. Kröber attestiert dem Schreiber “größenwahnhafte Züge”: Mollath erklärt, er habe am 31.01.2003 die größte Friedensdemonstration Süddeutschlands in Nürnberg initiiert, er könne auch dafür sorgen, dass zwei Wochen später die größte Friedensdemonstration Europas stattfinde.

Und wenn sich Herr Kröber schon per Ferndiagnose zu solchen Aussagen hinreißen lässt, wäre es nicht auch angebracht darauf hinzuweisen, dass Menschen in großer persönlicher Not und schwerer Depression ebenfalls zu solch grandiosen Selbstphantasien neigen? Sie versichern sich dadurch ihres Wertes. Es ist eine Überlebensstrategie. Das kann gefährlich werden – muss es aber in keiner Weise.

[…]

Es folgt weder eine neue Erkenntnis, noch eine Veränderung des Stils. Die Aussage bleibt die gleiche. Mollath ist irre und alle die ihm glauben sind selber nicht ganz dicht oder zumindest nicht sehr intelligent. Das Stilmittel bleibt auch immer gleich: Mollath soll lächerlich gemacht werden. Doch geht dieses Geschreibe völlig an den Kritikpunkten vorbei. Es ist ein Gesinnungsartikel. Die Redlichen versichern sich selbst ihrer Position: Zweifel am Rechtsstaat darf es nicht geben. Nicht in Deutschland.

Der Spin verändert sich erst, wenn es um die Gefährlichkeit Mollaths geht.

„Am Silvestertag 2004 nimmt er das Recht selbst in die Hand, so stellt es später das Landgericht Nürnberg fest: Er beginnt, Reifen zu zerstechen. Opfer werden Personen, die er verdächtigt, mit seiner Frau im Bunde zu sein: der Gerichtsvollzieher, Psychiater, Scheidungsanwälte seiner Frau, ein Transportunternehmer. Am Ende kommt eine Serie von 129 Reifen zusammen. Die Polizei braucht nach dem Täter nicht lange suchen: In einem Brief an eines seiner Opfer nennt Mollath die Namen aller anderen Geschädigten und beschreibt ihre Verbindung zu den Schwarzgeldgeschäften.“ 23

Ist das ein Beweis? Wohl kaum. Aber Lakotta geht es ja auch nicht darum journalistisch Beweise oder zumindest Indizien aufzubereiten. Es geht ausschließlich um Meinungsmanipulation, weshalb hier diese Kausalkette aufgebaut werden kann. Und da die Begründung doch noch recht mau ist, wird gefolgert:

„Mollath kennt sich aus mit Reifen. Er zersticht sie auf eine Weise, dass die Luft nicht sofort entweicht, sondern erst beim Fahren. Einigen Fahrern passiert dies auf der Autobahn, bei hohem Tempo, reine Glückssache, dass niemand zu Schaden kam.“ 24

Reine Glückssache? Mollath kennt sich aus mit Reifen. Ja was denn nun? Kennt er sich aus mit Reifen und weiß, wie man die zerstechen muss, damit es niemand merkt? Oder hat da jemand auf gut Glück Reifen zerstochen? Entscheidend ist die perfide Tat. Wer jetzt noch an der Gefährlichkeit zweifelt, ist schon fast selbst gefährlich.

Was noch an dieser Form der „Berichterstattung“ stört, ist die Weigerung nachzurecherchieren. Im Urteil steht: „Bei den beschädigten Reifen wurde mittels eines feinen Werkzugs die Flanken der Reifen zerstochen, sodass die Beschädigungen mit dem bloßen Auge teilweise nicht sichtbar waren und die Luft nur langsam nach Inbetriebnahme der Fahrzeuge entwich, weshalb gefährliche Situationen beim betreiben des Pkw im Straßenverkehr entstanden. Diese Art und Weise der Beschädigung deutet nach Auffassung der Polizei darauf hin, dass der Täter etwas von der Bauweise von Reifen verstand.“

Was für ein Unsinn. Der Reifen besteht aus der Lauffläche und aus der Flanke. Wo anders als in die Flanke soll man denn wohl hinstechen? Das Profil wird man dazu kaum wählen. Dazu bedarf es nicht der geringsten Kenntnisse von der „Bauweise von Reifen“, dazu bedarf es nicht einmal gesunden Menschenverstands, dazu reicht die praktische Erfahrung des Versuchs. Und womit soll wohl ein Reifen zerstochen werden, wenn nicht mit einem feinen Werkzeug? Die Begründung scheint auf das Profil Mollaths konstruiert zu sein, dem ehemaligen Reifenhändler.

Dabei geht es nicht darum, ob es Mollath war oder nicht. Es geht um kritischen Journalismus und nicht um das bejubeln dessen, was man eh schon woanders lesen kann. Wenn die Leistung Lakottas darin besteht die offiziellen Verlautbarungen auf BILD Niveau umzuformulieren, mag das natürlich reichen.

 „Ein Opfer von damals sagt, seine Familie sei in Angst und Schrecken vor Mollath gewesen. Just in der Zeit der Reifenstechereien habe jemand aus dem Dunklen einen riesigen Pflasterstein ins Wohnzimmerfenster geworfen, die schwere Scheibe zersplitterte neben dem Tisch, an dem die Familie beim Abendessen saß. Den Steinewerfer erwischte man damals nicht.“ 25

Und um das Bild des „Angst und Schrecken“ verbreitenden Mollaths weiter aufzubauen wird noch ein wenig Hören-Sagen bemüht.

„Mollath lebt noch immer im Wahn, es finde ein “Vernichtungsfeldzug” gegen ihn statt, gegen den er sich wehren müsse. Auch der Oberarzt in der Klinik sei daran beteiligt, hat er dem Gutachter Pfäfflin gesagt: Der weigere sich nämlich, das Schwarzgeldkomplott der HypoVereinsbank aufzuklären. Es gibt Menschen, die auch heute noch Angst vor Gustl Mollath haben.“ 26

Es müsste erheblich mehr Menschen geben, die Angst vor solch tendenziöser Art der Berichterstattung haben. Wir gefährlich Mollath ist, lässt sich nicht so ohne weiteres sagen, das muss unabhängig geprüft werden. Wie Menschenfeindlich manche Journalisten hingegen sind, lässt sich anhand ihrer schriftlich fixierten Artikel herauslesen.

„Doch das Vertrauen vieler in den Rechtsstaat und in die Psychiatrie ist erst mal im Eimer. Stattdessen organisieren die Piraten Mahnwachen und Spendensammlungen für den “Bankenkritiker”, die Netzgemeinde verklärt Gustl Mollath als “deutschen Mandela”, brave Bürger fordern schon das Bundesverdienstkreuz für Mollath, und eine große Tageszeitung trommelt beinahe täglich für seine Freilassung aus der Psychiatrie, am besten noch vor Weihnachten.“

Vielleicht sollte man den Realitätsbezug von Frau Lakotta mal überprüfen lassen. Das Vertrauen in den Rechtsstaat ist sicherlich nicht seit Gustl Mollath „im Eimer“. Gäbe es die grundlegende Skepsis gegenüber der Judikative nicht, würde solch ein Fall ja gar nicht skandalisierbar sein. Wenn alle Menschen ein Urvertrauen in die Justiz haben, dann gibt es auch keine Skandale. Dann gibt es blindes Vertrauen und mit einem einzigen Satz, das alles mit Rechten Dingen zugehe, wäre der „Fall“ erledigt.

Aber dann holt die Autorin noch zum Rundumschlag aus. Alles was nicht zum eigenen Wertekanon passt wird noch mal diffamiert, denn sie alle haben es ja nur nicht verstanden oder sind gar genauso wirr wie „ihr Held“. Und spätestens bei der Netzgemeinde muss man sich ja fragen, wie die Wahrnehmung von Lakotta funktioniert: der deutsche Mandela. Reicht ein (!) Eintrag in irgendeinem Blog dazu von der (!) Netzgemeinde zu sprechen? Oder hat Frau Lakotta etwa verzerrte Wahrnehmungen von einer verschwörerischen Netzgemeinde? Ähnlich interessant sind die braven Bürger die das Bundesverdienstkreuz fordern. Kann Frau Lakotta zwischen sinnfreien Forderungen in irgendwelchen Kommentaren nicht mehr von seriösen Forderungen braver Bürger unterscheiden? Oder geht es gar nicht um Realität? Ist ihr als Journalistin die Wirklichkeit völlig egal? Wer so manipulative, dermaßen tendenziöse Artikel schreibt, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, Public Relation bzw. Propaganda zu betreiben. In Anbetracht der Reaktionen muss man allerdings dankbar sein. Exemplarisch sei hier auf Thomas Stadler, Oliver Garcia und Henning Müller verwiesen. Möglicherweise ist das ja auch die tumbe Netzgemeinde von der Frau Lakotta ausgeht. Das wiederum wäre wohl ein Anzeichen eines pathologischen Größenselbst.

 

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  1. Davon bleibt völlig unberührt, dass der Skandal nur auf die Spitze des Eisberges verweisen kann. Entscheidend ist, dass es skandalisierbar ist – und somit nicht als alltägliches Phänomen wahrgenommen wird. []
  2. Das erinnert doch arg an die Selbstzensur die Noam Chomsky in Media Control aufgezeigt hat: http://www.amazon.de/Media-Control-Wie-Medien-manipulieren/dp/3492246532 []

32 Kommentare

    • Drei Anmerkungen habe ich noch:

      1) Haben Sie die Verteidigungsschrift des Herrn Mollath denn jemals zu Gesicht bekommen und gelesen, oder kennen auch Sie nur den Verriss, der durch die Öffentlichkeit wabert? Mir kam zu Ohren, die Sammlung sei nicht halb so wirr wie immer gesagt wird. Falls Sie die Schrift kennen: Können Sie mir sagen, wo ich Einsicht nehmen kann?

      2) Herr Mollath hat seine Anzeige nicht, wie von Fr. Lakotta behauptet, an den Papst und an Kofi Annan geschickt. Diesen beiden Persönlichkeiten hat Herr Mollath Briefe im Rahmen seiner Aktivitäten in der Friedensbewegung zukommen lassen. Kofi Annan und dem Papst die Anzeige zu schicken wäre tatsächlich ein Anzeichen einer psychischen Störung.
      Die Anzeige wurde zunächst an die zuständigen örtlichen Behörden geschickt. Erst als die sich nicht regten, wurden übergeordnete Instanzen angeschrieben. Das Verhalten scheint mir sehr schlüssig zu sein.

      3) Wenn man Herrn Mollath also vorwirft, wahnsinnig zu sein, dann deshalb, weil er daran geglaubt hat, dass diese übergeordneten Instanzen sein Anliegen ernst nehmen würden und ihm helfen würden. Das finde ich irgendwie bedenklich.

      • zu 1) Ich bin mir nicht sicher, was Sie mit Verteidigungschrift meinen. Aber ich kenne die Dokumente, die auf der Seite http://www.gustl-for-help.de/ auf der rechten Seite zu finden sind. Und hier kann man schon einen verwirrten oder zumindest hochgradig engagierten Stil erkennen. Aber ich halte das auch für kein Problem. Nur weil der Stil nicht den Erwartungen und den Gepflogenheiten der Mehrheitsgesellschaft entspricht, ist das ja kein Verbrechen.

        zu 2) Vielen Dank für die Info.
        zu 3) Da stimme ich Ihnen absolut zu.

  1. Wenn man das so liest, könnte insgesamt aber auch von einer mittlerweile wieder gesellschaftsfähigen Methode sprechen, die über eine “weibliche Bewertungshoheit” den “guten Jungs” jegliche Handhabe ggü den “durchgeknallten” zuspricht. Und die guten Jungs spielen da auch sofort mit. Man gehört ja dazu.

    Ich finde es doch auffällig, dass mittlerweile so viele “Kann man es uns verübeln?”-Argumente auftreten, wenn es um Kritik an undifferenzierten und zum Teil eklatanten Fehlbewertungen geht und sich kaum jemand an diesen “logischen” Argumenten stört. Selbst dieser Artikel, so klar analytisch er ist, geht nicht auf diese “lasst uns doch in unserem schönen Leben in Ruhe”-Grundstimmung ein, mit der sich der Restmittelstand “Übel und Wehe” vom Leibe hält. Vermutlich hat man einfach schon ein schlechtes Gewissen, wenn man nur denkt, der andere sei noch konformer zum Erfolgs-Wertekanon (das ist wohlgemerkt nicht der klassisch bürgerliche, sondern eher einer von Souveränität und differenzierungsfreier und bestätigter Lebensbildklarheit innerhalb einer wie auch immer gewählten und medial anerkannten sozialen Gruppe.).

    • “Selbst dieser Artikel, so klar analytisch er ist, geht nicht auf diese “lasst uns doch in unserem schönen Leben in Ruhe”-Grundstimmung ein, mit der sich der Restmittelstand “Übel und Wehe” vom Leibe hält.”

      Vielen Dank für die Ergänzung und Anregung.

      Das ist ein sehr guter Ansatz für einen weiteren Artikel. Passt ja auch ganz gut zur Weihnachtszeit. Wir konumieren nicht nur Waren, wir konsumieren auch Informationen und wir konsumieren sogar Menschenleben. Solange sie unserer Unterhaltung dienen ist auch alles in Ordnung. Sobald aber etwas an unserem Welt- und Selbstbild rüttelt (z.B. dem unfehlbaren Rechtsstaat) ziehen wir uns in unsere Warenzimmer (gefiel mir gerade besser als Wohnzimmer) zurück und wehren die unangenehme Realität ab. Auch dafür steht der Artikel von Lakotta. Das stimmt. Der Artikel rückt das Weltbild wieder zu recht: Es gibt keinen Skandal. Es gibt nur viele Bekloppte da draußen und zumindest einen gefährlichen Wahnsinnigen.

  2. Diese analytische Kritik – fast schon Metajournalismus – sollte als Exempel in Schulen zum Umgang mit Medien präsentiert werden (sofern Kinder nicht vom Wort “Schule” per se abgescheckt sind…)! Danke.

  3. Super, das wollte ich auch ausdrucken, leider sin meine Deutsckentnisse nicht so gut. aber ein paar Gedanken habe ich auch
    1.Wenn ein Arzt über irgenwelche Befunde gefragt wird, wird erstmal die Unterlagen raussuchen müssen…keiner hat die ganzen Sachen im Kopf..nichtmal nach 3 Tagen , dann noch nach 7 Jahren. Das heißt die Ärztin hätte es sehen müssen dass ein Asisstenzarzt damals die Untersuchung dokumentiert hat und sie hätte sich ganz anders ausdrucken müssen z,B. ja , die Pat. war hier, wurde untersucht , aber nicht von mir. glauben Sie wirklich dass jemand in so einen brisanten Fall sagt er kann sich nicht erinern ohne die Unterlagen aus dieser Zeit zu suchen ?
    2. Es sind z. Zt in den Medien Zitate aus MEDIZINISCHE BEFUNDE die keinen Arzt ( der etwas Hirn hat ) ohne eine Entbindung von Schweigepflicht frei gibt. Und wenn so eine entbindung gibt…was sagt uns das ? Die Ex-Frau Molath bettrit wieder die Bühne…und was sie kann ,wissen wir alle inzwischen.
    3. Es war klar dass die Gegenpropaganda losstartet..hier geht es nicht um ein paar Reifen und eine geprügelte Frau…auch wenn er das gemacht hätte…er hätte eine Strafe auf Bewährung bekommen und tschüss. Und auch wenn er Wahnideen gehabt hätte, wer spert so einen Mensch für auf nimmer wiedersehen auf die Psychiatrie ohne jegliche Kontakte zum Aussenwelt ein? Nicht mal eine Zeitung hat er bekommen. Wäre bei uns jede Irre der seine Frau prügelt und Reifen zersticht als gemeingefährlich eingestuft und für immer eingespert , würden bestimmte Berlin-Wohngebiete wie Mutter-Kind Einrichtungen aussehen . Aber bei uns machen Kindermörder im Gefängniss “in entspannter Atmosphäre ” noch ihr Juraexamen, zehren aus Gefängnis verschiedene Behörden vor Gericht und bekommen noch Schmerzen Geld wg. Folterandrohung. Und er kommt in ein paar Jährchen raus, wetten ? Gefährliche Sexualstraftäter kommen nach Brüssel-Einweisungen mit 230.000 Euro Schmerzengeld aus der Sicherheitsbewahrung raus( um sich nach 1 Woche das nächste Opfer zu schnappen)…Kinderbumser die eine ganze Schule terorisieren oder uns die Beichte abnehmen bekommen gar nichts ..weil es verjährt ist?!
    Und Herr Mollath schreibt dem Papst und prügelt seine Frau und ist für immer begraben?
    4. Herr Mollath war und ist depressiv, eine schwere Depression kann sich durch eine Psychose sogar mit Wahnideen manifestieren , weisst JEDER Psychiater. Und man stellt kein Gutachten ohne persönl. Kontakt und genaue Untersuchung. Nicht nur aus ethischen Gründe, sogar abrechnungstechnisch gesehen. Der Gutachter wird dafür bezahlt und ist verplichtet die US durchzuführen !!Egal ob vor den Namen Prof. Sowieso steht.
    5.
    Und ehrlich..auch ohne vorbestehender Depression , nach so eine Geschichte , dass der armer Mann eine ” Macke ” bekommt , ist doch kein wunder. Oder glaubt sich wirchlich jemand so stabil dass er so eine Geschichte schlucken kann ohne Folgen ?
    6. Ein Richter ruft die Finazbehörden an und sagt die anzeige ist wertloss, der Mann ist verrückt…AUCH WENN es stimmen würde, darf ein Richter so etwas nicht TUN, nicht in einem Rechtstaat.
    7. Es gibt Medien die berichten dass es gar nicht um Schwarzgeld ginge, es handelt es sich nur um einen Geldtransfer in die Schweiz gegen Provision. Häää? gehts noch ? Legales Geld im Koffer versteckt?
    Egal wie man das anschaut , es stinkt zum Himmel…
    Mögliche Weiterszenarien ? Der Fall wird neu verhandelt, es stellt sich heraus dass er jetzt raus kann und sonst passiert nichts. Keine Konsequenzen für die Verursacher der Situation, keine Strafe für die Geldgeschichten..es ist doch alles verjährt..Herr Mollath kommt raus und steht vor einen Trummerhaufen : SEIN LEBEN

  4. Vielen Dank für diese großartige Analyse. Sie ist ein unschätzbarer Beitrag zur Wahrheitsfindung und ich wünschte sehr, Frau Lakotta und Co bekämen sie zu lesen. Sie haben perfekt in allen Details das auf den Punkt gebracht, was ich in einem spontanen feedback an die Autorin etwa so auszudrücken versuchte, dass ich ihr vorschlug, doch zur Überprüfung ihres eigenen Geisteszustand am besten ein psychiatrisches Gutachten zu bestellen, da sie sich im Falle nicht verminderter Zurechnungsfähigkeit ansonsten die einzig relvante Frage gefallen lassen müsse, wer ihr für dieses Beispiel demagogischer Meinungsmache denn welche Vorteile in Aussicht gestellt habe.

  5. Fetter Artikel. Schön zerlegt.

    Mal wird der virtuelle Mob in Fällen wie den von Wulff zur Speerspitze Demokratie erklärt und ohne grössere Ansprüche an Sachlichkeit oder Beweisbarkeit begrüsst, mal sind es Wutbürger die iregendwelchen Phantasien nachhängen. Dementsprechend werden lose Verdachtsmomente auch ganz unterschiedlich bewertet. So ist mal alleine schon ein Verdacht der Korruption, die Beschmutzung der Republik und der Institution des Amtes und aller redlichen Politiker. Mal ist es die übliche Einordnung als Verschwörungstheorie.

    Man könne fast auf die Idee dass unsere Medien nach für uns nicht durchschaubaren Kriterien den Lsern vorgeben, wem es zu mögen gilt und wem nicht…

  6. Hallo guten Morgen, zuerst danke schön für den obenstehenden Beitrag mitsamt den Kommentaren.

    Ich verfolge die “Mollath-Geschichte” schon seit einigen Wochen im Internet, und bin sprachlos gewesen die praktisch zeitgleich erschienenen tendenziösen Beiträge in “Zeit” und “Spiegel”.

    Wer hat hier wohl wem den dicken Geldbeutel gezeigt?

    Freundliche Grüße

    • Ich glaube nicht, dass für solche Artikel Geld gezahlt wird. Die Gleichzeitigkeit der Artikel in Spiegel, Zeit und Tagesspiegel deutet allerdings schon darauf hin, dass in Bayern jemand seine Presse- und Öffentlichkeitsmitarbeiter in Bewegung gesetzt hat.
      Prinzipiell ist ja auch gar nichts dagegen einzuwenden, dass der “Fall” auch aus anderen Perspektiven betrachtet wird. Das Problem beim Artikel von Frau Lakotta ist der “Behauptungsjournalismus”, der ausschließlich zur Stimmungsmache eingesetzt wird. Ebeso wie einige Abschnitte aus dem Zeitartikel deutet das auf ein gewisse Portion Menschenfeindlichkeit oder zumindest Verachtung hin.
      Und das hat mich erschreckt und angewidert, was zu dem Artikel geführt hat.

  7. Tolle Analyse. Schön fand ich die Reaktionen im Spiegel-Forum, die offenbar zu sehr den Nerv trafen, wurde die Diskussion doch recht schnell abgewürgt (geschlossen).
    Der Michel wacht langsam auf, wird aber auch mal Zeit.

  8. Verteidigungsrede von Lakotta:

    http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelblog/fall-gustl-mollath-beate-lakotta-ueber-die-zweifel-an-der-opferrolle-a-873836.html

    Unfassbar.

    Die macht in dem Stil weiter, nur eine Etage tiefer.

    Das freche Grinsen über den “Shitstorm” , den sie angeblich absichtlich provoziert haben will, ist in keiner Weise geeignet die Entrüstung der Leser über offenkundige Verfahrensmängel im Falle Mollath zu diskreditieren.

    Mit Abstand betrachtet macht sich der “Skandal!” schreiende Mob für den Rechtsstaat stark, wohingegen diese journalistische “pass scho” Haltung überaus schädlich ist und auch in keiner Weise dem Auftrag einer “freien” Presse gerecht wird.

  9. Zum Kommentar von Nühmus

    Mich regen die beiden Extrema auf, “weil sie sind”, weil man nichts dagegen tun kann:
    Am einen Ende die Verschwöhrungstheoretiker, die sich gegenseitig bestätigen und potenzieren, denen es nur auf die Verschwörung per se ankommt. Am anderen Ende die “Ist-doch-alles-in-Ordnung”-Menschen, die genau dann informationsmäßig saturiert sind, wenn etwas gegen diese Grundhaltung spricht, denen es auf ihre Bequemlichkeit ankommt.
    Erstere sind ungefährlich, sie vermehren sich nur untereinander und sind leicht erkennbar.
    Die anderen aber sind für mich ein echtes Problem, das mich beutelt zwischen unbändigem Zorn und eisiger Zukunftsangst.
    Warum mich das so bewegt? Es ist eine Entwicklung erkennbar: diese Gruppe ist gebildet, intelligent, autark. Aber gesellschaftlich wertlos und wird immer größer.

  10. Vielen Dank für die Detaillierte Analyse

    Mir ist gänzlich, vollständig, komplett (ich hoffe diese Tautologie wird mir nicht als Wahn zulasten gelegt) unverständlich, wie man bei den objektiv gelaufenen Verfahrensfehlern, ganz unabhängig von der Schuldfrage, sich _nicht_ eines wünschen kann: Eine Neuaufnahme des Verfahrens nach rechtsstaatlichen Kriterien, mit genauer Überprüfung und Klärung des Sachverhalts.
    Selbst wenn Gustl Mollath allgemeingefährlich wäre und alle Vorwürfe stimmen würden ist das doch auch im Interesse derer, die das Glauben, dass das eindeutig belegt ist. Davon kann doch wirklich niemand sprechen, der sich auch nur im Ansatz mit der Sache beschäftigt hat.
    Stattdessen kommt diese Meinungsmache von Frau Lakotta, die daran zweifeln lässt, dass sie wirklich daran interessiert ist, dass objektiv überprüft wird, ob hier Recht oder Unrecht geschehen ist. Ich persönlich finde die Möglichkeit, dass jemand zu Unrecht fast 7 Jahre eingesperrt ist, ebenso zum Heulen, wie die Reaktion der Justiz, die bereits die Möglichkeit eines Irrtums von vornherein ausschließt. Die Justiz ist _immer_ im Recht, denn sie entscheidet, was Recht ist – so etwas kann doch niemand wünschen. Nicht durch die Möglichkeit, dass ein Fehler geschehen ist, kommt das Vertrauen in unsere Justiz zum Wanken, dadurch, wie sie mit Kritik umgeht und Fehler erörtert – oder eben nicht – lässt die Zweifel aufkommen.
    Zwei Punkte, die aber durch Frau Lakotta aufgekommen sind, stimmen mich nachdenklich:
    1. Wie schon Oliver García in seinem Blog über das Attest schreibt:
    “Dieses Attest war laut Erklärung des Sohnes der Ärztin Dr. Reichel von diesem selbst ausgestellt. Dieses Attest – es liegt mir in Kopie vor – beginnt mit dem Briefkopf “Dr. med. Madeleine Reichel”, enthält im wesentlichen die im SPIEGEL-Artikel wörtlich wiedergegebenen Befunde und endet mit einem unleserlichen Namenszug, über den ein Stempel “Dr. med. Madeleine Reichel” aufgedrückt ist und dessen Unterzeile lautet “Dr. med. Madeleine Reichel”. ”
    WIE kann das Frau Lakotta bei ihren Recherchen nicht aufgefallen sein? Sie möchte eine Ungereimtheit aufklären, bewirkt aber das Gegenteil, indem sie eine Urkundenfälschung aufdeckt. Das hat primär nichts mit dem Wahrheitsgehalt der Untersuchung zu tun – die kann ja trotzdem stimmen – aber es ist eine Ungereimtheit und verpflichtet in meinen Augen einer genauen Überprüfung. Insbesondere, da es nicht die einzige Unstimmigkeit ist (etwa Widersprüche in der Schilderung der Tat).
    Den zweiten Punkt kann hier vielleicht jemand aufklären:
    Zitiert Frau Lakotta aus dem ärztlichen Attest, oder ist das Zitat eine Wiedergabe der Aussage von Herrn Dr. Markus R.? Wäre letzteres nicht eine Verletzung der ärztlichen Schweigepflicht?

    Summa summarum: Ich wünsche Herrn Mollath und unserem Rechtsstaat (endlich) ein faires Verfahren und es ist mir schleierhaft, wie man mit sich mit Innbrunst dagegen stellen kann, wie es Frau Lakotta und Frau Merk tun.

  11. Was dem Artikel fehlt ist der Hinweis auf die direkte juristische Weisungsabhängigkeit der Staatsanwaltschaft von der Politik anlässlich der Behandlung der Erwartungen an ein neues Ermittlungsverfahren. Zweitens muss der Verteidigungsversuch der Massenmedien vergangenen Justizunrechtes an einem politisch unangenehm auffällig gewordenem Insider im Zusammenhang mit der gesamten Justizstruktur gesehen werden: durch ein Revisionsrecht, das einen Angriff gegen falsche Tatsachenfeststellungen und zB falsche Wiedergabe nicht zu protokollierender Zeugenaussagen im Urteil NICHT zulässt (neben Staatsanwaltschaften, die gegen den Willen des Innenministers gar nicht erst Ermittlungsverfahren einleiten dürfen!), werden politisch Willfährige wie Merkel, Steinbrück, Joschka Trittin u.a. geschützt und durch Psychiatrisierung und dieselben oben beschriebenen Methoden Unliebsame ausgeschaltet (bei Zwangseinweisungen durch Medikamente psychisch fertig gemacht und nach dem PsychKG sogar allen Rechtsstaatsprinzipien zuwider sogar vermeintlich legal auf unbestimmte Zeit weggesperrt) – darum kleffen die Massenmedienwächter unseres Herrschaftssystems so laut gegen Kritik am Exempel Mollath

  12. Mich hat diese Textanalyse in meiner Ansicht bestätigt, dass der SPIEGEL nicht mehr zur sog. Qualitätspresse zu rechnen ist. Aus diesem Anlass kann man sich auch mit der Reichstagsbrandserie des SPIEGEL befassen, die belegen wollte, dass Lubbe der Täter war – und nicht die Nazis. Diese Serie soll durch einen Mann verfasst worden sein, der einstens zu den Öffentlichkeitsarbeitern der Nazis zählte.
    Für den guten Ruf des SPIEGEL sorgten Autoren wie Gerhard Mauz, Hellmuth Karasek, Peter Brügge und Jürgen Leinemann. Diese Autoren aber sind längst ausgeschieden.

  13. Chapeau!
    Ich ziehe den Hut vor Ihrer Analyse Herr Pommrenke. Ich habe mich erst heute intensiver mit “dem Fall Gustl Mollath” beschäftigt, weil ich seit meiner Teilnahme an dem Bundeswehreinsatz in Somalia (nur 1 von ca. 100 Artikeln war von vorne bis hinten wahr) den Medien gegenüber sehr kritisch gegenüber stehe und “erstmal nichts glaube”. Auch in meiner täglichen Arbeit erlebe ich ähnliches wie den Artikel von Frau Lakotta. Aber alleine die Lektüre des Internen Revisionsberichts der HVB (ich weiß wie Banken denken und arbeiten) hat mich heute überzeugt, dass es hier einen Skandal gibt. Ein guter Freund – er war Vorstand einer großen Bank hat mir vor einigen Jahren bestätigt, dass Geldwäsche und Steuerhinterziehung zum “normalen Geschäft” gehören. Das Fazit und die Maßnahmen des Berichts lesen sich, als hätte jemand ein paar Packen Kopierpapier mitgehen lassen. Und weil Banken in ihrem Selbstverständnis glauben, sie seien immer im Recht – solange bis ihnen der BGH das Gegenteil beweist – ist es auch (aber nur menschlich) verständlich, dass die HVB den Revisionsbericht unter Verschluss hielt. Obwohl sich für mich aufgrund des schweren Eingriffs in das Leben von Gustl Mollath hier die Frage stellt, ob es nicht sogar als “unterlassene Hilfeleistung” gewertet werden könnte, die Erkenntnisse nicht der Staatsanwaltschaft oder dem Gericht mitzuteilen.

    Ich möchte Ihnen nochmal danken und sie darin bestätigen, noch mehr derartige Schmierfinken, die sich Journalisten nennen, zu entlarven!

  14. Guten abend Herr Pommrenke,

    Ich muss sagen, dass ich von Ihren Analysen (gerade auch die der Scheinkorrelation aus M.s Briefen und seinem Wahn vom 07/26/13) sehr begeistert bin. Ich empfinde es gerade in diesem Fall als wohltuend, dass Sie möglichst ausgewogen, faktenorientiert und analytisch vorgehen und dennoch eine Position beziehen, ohne zu polemisieren. Erfrischend und absolut notwendig!
    Hinzu kommt, dass Sie Ihre Darstellungen auch mit entsprechenden Literaturquellen und Zitaten ausstatten und fachliche Begriffe sowie Nomenklatur des Gebiets der Sozialpsychologie entsprechend zitieren. Für mich als Fachfremden gibt es hier sehr viel – vor allem auch Alltagstaugliches – neu zu entdecken und zu lernen (vor allem die kommunikativen Mittel, die Sie oft aufzeigen).

    Leider fällt diese analytische Art des Schreibens nicht jedem seriösen “Reporter ” – um im Duktus der sprachlichen LaLa-Methodik zu bleiben – leicht, dies zu berücksichtigen. So handelt es sich dann im Endeffekt bei vielen dieser “Berichterstattungen” lediglich um Kommentare denn um tatsachorientierten Journalismus. Ich bin jedoch sicher, dass dies genauso beabsichtigt ist (um auch mal eine eigene Behauptung aufzustellen).

    Ich frage mich, ob diese Art der Auseinandersetzung nicht auch einem psychologischen Phänomen zugrunde liegt? Wie bereits oben in Ihrem Artikel seziert, wird eine “Schwarmintelligenz”, eine Masse identifiziert, die sich nun mehrheitlich in einer Sache engagiert. Da diese Masse kritisch geworden ist, scheint ein bestimmter Automatismus zu greifen (der evtl. in jedem Menschen steckt), dieser Masse entgegentreten zu müssen – damit es (“überhaupt einer tut”). Diesen EIndruck gewinne ich beim Lesen von vielen Kommentaren zu diesem Thema. Es wird eine pauschale Anti-Haltung eingenommen, die ihre Existenz anscheinend auf der selben Argumentation aufbaut, welche sie der “Pro-Haltung” vorwirft. Also in etwa sowas wie: “Weil ihr alle eine Verschwörung wittert, bin ich dagegen”, “X als reines Opfer, das ist doch quatsch” etc. D.h., es wird – ohne in der Sache zu argumentieren und befeuert von “journalistischen” Kommentaren – eine reaktionäre Haltung eingenommen. Gibt es dafür einen Begriff, der dieses Phänomen beschreibt?
    Gerade in diesem Fall halte ich eine solche Position (sei es pro oder kontra) für sehr bedenklich. Es nützt nichts pauschal alles zu glauben oder zu verwerfen. Daher ist dieser Fall ein wirklich lehrreicher in vielerlei Hinsicht (Blick in die Justiz, Blick auf die Medien, Blick auf das Kommunikationverhalten und sozialpsychologischer, zwischenmenschlicher Verhaltensweisen etc.). Vor allem der Umstand, dass man nun auch mal Zugang zu Dokumenten hat, um sich tatsächlich selbst zu informieren und ergo eigene Erkenntnisse zu gewinnen, kann Herrn Dr. Strate nicht hoch genug angerchnet werden. Andernfalls müsste man, wie sonst auch, die Information oder Desinformation der gängigen Medien hinnehmen. Man könnte sich keine wirkliche eigene Meinung bilden.

    Noch zum Punkt “Attest”, der mich noch mal inhaltlich interessiert. Abgesehen von der jetzigen und ausladenden Begründung des LG Regensburg, die unechte Urkunde zu einer echten zu erheben (Begründung “i.V.” als zulässig, obwohl eindeutig im Klartext der ausgeschriebene Name der Ärztin und nicht der des Sohnes steht, ich meine nicht den Stempel!), frage ich mich Folgendes:

    Wie kann es sein, dass – laut obiger Angabe im Text von Lakotta – der damalige Arzt das Zweitattest aus den Notizen des Tages der Begutachtung erstellt hat, das nun aufgetauchte “Original” jedoch identisch im Wortlauf mit dem Zweitattest ist? Auch die typische falsche Anwendung der Personalpronomen sind dort identisch. Kann dies sein, wenn es sich nicht um eine Kopie gehandelt hat, was so nicht zu entnehmen ist?

    Grüße

    • Vielen Dank!

      “Gibt es dafür einen Begriff, der dieses Phänomen beschreibt?”

      Da gibt es so einiges. Im hier erörterten Zusammenhang ist ja auch bereits häufig vom Querulanten gesprochen worden. Das mag auf den ein oder anderen Autor in verschiedenen Foren auch zutreffen.

      Es gibt nicht wenige Menschen, die aus Selbstwertmotiven immer “dagegen reden”. Egal, ob es nun Sinn ergibt oder nicht. Es ist geradezu ein habitualisiertes Verhaltensmuster, das immer wieder wiederholte Verhalten wird quasi zur zweiten Natur: man kann gar nicht mehr anders.

      Es gibt aber auch noch durchaus andere Erklärungen dafür. Nicht zuletzt entwickelt sich der “Fall Mollath” auch zu einem Konflikt der Einstellungen, Werte und Normen der Rezipienten. Wobei sich nicht wenige Journalisten (oder auch kommentierende Psychologen, Psychotherapeuten usw.) eher mit Poltikern, Akademikern und anderen Etablierten identifizieren.

      Der “Mob”, die Masse ist und bleibt vielen suspekt. Das verweist auch nicht zuletzt auf ein tief sitzendes Bedürfnis sich zu distinguieren und sich gegen anders Denkende zu verteidigen. Man darf nicht unterschätzen, dass der Angriff auf die Werte des als eigen erlebten Kollektivs, immer auch als Angriff auf einen selbst erlebt wird.

      Was ich daran sehr bedeutsam finde, ist, dass die Rechtfertigungsstrategien, die ja häufig sehr intellektuell und gebildet daher kommen, strukturell dazu geeinget sind jedes Unrecht zu rehabilitieren und zu legitmieren.

      • Fast vergessen: die Ergänzung zum Attest. Diese Frage sollte im Forum von Frau Wolff gestellt werden. Mich hat dieser Punkt auch von Anfang an gestört. Zumal ja auch noch die Aussage dazu kommt, dass in den Karteikarten nur kurz und Stichpunktartig notiert wird.
        Andererseits habe ich gerade nicht den gesamten Verlauf im Gedächtnis.

      • Danke für Ihre Antwort!

        Das “Querulantentum” ist jedoch ein Begriff, ähnlich wie der der Verschwörung, der in letzter Zeit immer stärker herangezogen wird, um nicht sachlich argumentieren zu müssen, sondern um eine absolute Feststellung zu machen und das Gegenüber damit spüren zu lassen, dass jegliche Auseinandersetzung hinfällig ist. Man sei ja Querulant. Die eigenen Einstellungen und Beurteilungen können somit nicht mehr einem Diskurs unterzogen werden, da diese ja keiner selbstkritischen Analyse unterworfen werden. D.h., man ist gar nicht mehr an irgendwelchen Argumenten interessiert, die der eigenen Position widersprechen und die man evtl. überdenken müsste. Es ist zwar nachvollziehbar und auch dem Menschen inhärent, dass man die eigene Position verteidigen möchte, wenn man sich z.B. in einer Debatte befindet (siehe z.B. Schopenhauer’s Die Kunst Recht zu behalten). Jedoch geht es im Fall M. nicht um den direkten Angriff auf die eigene Persönlichkeit (der argumentierenden Person), sondern es geht um eine außenstehende Person. Es ist interessant anzusehen, wie stark aber dennoch gruppendynamische Entwicklungen stattfinden und sich in- und out-groups als Gegenpole formieren. Das von Ihnen angesprochene Bestreben, einer bestimmten Gruppe anzugehören und diese mit ihren (und damit den eigenen) Werturteilen zu verteidigen, ist immer wieder – und gerade in diesem Fall – interessant zu beobachten. Sicherlich ist dies auch bei einem selbst anzutreffen – man ist ja auch nur Mensch. Es ist aber äußerst bedenklich, wenn man sich nicht von Zeit zu Zeit selbst und seine Einstellung überprüft bzw. offen für Einstellungsänderungen ist. Alles andere bedeutet Stagnation der eignen Persönlichkeit. Aber ich schweife ab.
        Im Fall M. geht es schließlich um konkrete, materielle und immaterielle Interessen einiger Beteiligter, was natürlich einer gesunde Selbstreflexion des eigenen Handelns abträglich ist.

        “Was ich daran sehr bedeutsam finde, ist, dass die Rechtfertigungsstrategien, die ja häufig sehr intellektuell und gebildet daher kommen, strukturell dazu geeinget sind jedes Unrecht zu rehabilitieren und zu legitmieren.”

        Genau. Abseits der zahlreichen Internetkommentare, empfinde ich das insbesondere auch bei den zur Verfügung stehenden Dokumenten der Juristen und diskutierten Psychater. Wenn man diese Dokumente liest, bekommt man unweigerlich den Eindruck, dass stets versucht wird, das eigene Handeln zu rechtfertigen und zu legitimieren.
        Nichts deutet auf eine Spur der Fähigkeit zur Selbstkritik hin. Im Gegenteil, man nutzt die über Jahre gewonnenen sprachlichen und juristischen (handwerklichen) Fertigkeiten als bloße Selbstverteidigung. Hier war auch Ihre Analyse über die Denkschemata des Dr. L. bzw. des psychatrischen Umfelds sehr ernüchternd, in der Sie aufzeigten, wie einfach es ist, durch die gerichtete Einstellung zu pathologisieren.

        Ich muss jedoch gestehen, dass ich diese Art Selbstverteidigungsstrategie auch für systembedingt natürlich halte. Ein System, bei dem das öffentliche Eingeständnis von Fehlern fast immer damit verbunden ist, dass man seine Stellung (sozial wie auch beruflich) verliert oder zumindest gefährdet, kann gar nicht dazu führen, dass man dies freiwillig tut. Man wird solange bestrebt sein, fehlerhaftes Verhalten zu verbergen, bis es nicht mehr geht.

        • Ihr Hinweis zum “Querulanten” ist völlig richtig. Sind Sie sich sicher, dass Sie fachfremd sind? ;-)
          Ich hatte den Punkt auch nur genannt, da diese Stigmatisierung in einigen Foren oder Artikeln gerne genutzt wird. Ich betrachte den Vorwurf der Querulanz als Nachfolger der Hysterie. Wer stört, kann pathologisiert werden. bestes Beispiel sind die vier Steuerfahnder aus Hessen.

          “Es ist interessant anzusehen, wie stark aber dennoch gruppendynamische Entwicklungen stattfinden und sich in- und out-groups als Gegenpole formieren. “

          Genau genommen formieren die sich nicht erst, sondern treten anhand des überschaubaren “Einzelfalls” deutlicher zutage. Sollten Sie diese Prozesse etwas mehr interessieren, lege ich Ihnen das Werk “Etablierte und Außenseiter” von Norbert Elias ans Herz. Hier wird exemplarisch und paradigmatisch aufgezeigt, welche Gruppenprozesse ablaufen. Und auch hier steht der Einzelfall für einen menschlichen Universalismus. kurz: Das Bedürfnis nach menschlicher Höherwertigkeit. Die daraus resultierenden Dynamiken sind enorm und im Falle Mollath sehr gut zu beobachten.

          Im Blog von Frau Wolff wurde ja Ihre / unsere Frage zum Attest mittlerweile beantwortet. Für mich bleibt es dabei, dass hier ein Ansatz für genauere Ermittlungen bestehen würde. Zumal ich bezweifele, dass der Arzt in irgendeiner Weise Teil eines Komplotts oder einer Intrige ist. Ich nehme an, er verteidigt lediglich ein aus heutiger Perspektive unangemessenes Handeln, das ihm aber zum Nachteil gereichen könnte. Insofern dürfte er bei entsprechendem Ermittlungsdruck wohl am ehesten die Wahrheit sagen.

  15. Ich habe mich da etwas ungeschickt ausgedrückt. Das sollte gar kein Vorwurf an Sie sein und eigentlich das von Ihnen schon Gesagte nur bestätigen.

    “Sind Sie sich sicher, dass Sie fachfremd sind? ”

    Ha, danke, das ist nett. Aber nein, ich bin kein Psychologe oder Ähnliches. Ich habe mich höchstens im Rahmen meines Studiums (am Rande) und DA (spezieller) mal mit Einstellungs-Verhaltens-Theorie im Marketing beschäftigt und Begriffe wie kognitive Dissonanz kamen da auch vor. Das ist aber kein Vergleich :D

    Danke für den Lesetipp, klingt sehr interessant. Über solche Dinge etwas mehr zu wissen, ist sicherlich auch für den Alltag sehr nützlich. Gerade wenn man Subbotschaften dechiffrieren oder selbst argumentieren will/muss.

    Zum Attest. Ja, das scheint zunächst beantwortet. Obwohl ich immer noch Bedenken dabei habe. Ich sehe das wie Sie – eine Neuvernehmung sollte da schon noch mal nachhaken. Jedoch gehe auch ich nicht davon aus, dass ausgerechnet der Arzt vorsätzlich und intrigierend gehandelt hat. Da sind sicherlich einige Leute gut eingespannt worden. Sie haben das ja bereits sehr anschaulich erläutert, welche Prozesse ablaufen können, die es nur braucht, damit sich eine gerichtete Meinung bildet. Da reicht auch eine Person, die einen entsprechenden Impuls auslöst. Ich finde, gerade diese Zusammenhänge sollten öffentlicher diskutiert werden, z.B. in den Medien. Das würde mal etwas Sachlichkeit in die rethorisch angewandte Falle der Verschwörungstheorien bringen. Jeder müsste sich nur selbst mal fragen, wie er innerhalb seiner Bezugsgruppe mit Gerüchten und geäußerten Vermutungen umgeht. Da reicht’s, wenn man im Freundeskreis anfängt. Mit meinem bescheidenen Wissen würde ich da schon mal mit sozialer Erwünschtheit und sozialer Norm bezüglich des eigenen Handelns argumentieren.

    Im Fall M. war das sicherlich keine schwere Aufgabe, da er kein alltäglicher Zeitgenosse zu sein scheint. Aber zwischen unbequem und wahnhaft sollte doch bitte innerhalb der unabhängigen Jusitz auch unabhängig beurteilt werden.

  16. Nun sind die Gutachten veröffentlicht worden. Jeder kann es lesen.
    Mollath Gutachen von Dr. Leipziger, Prof. Kröber und Prof. Pfäfflin wurden veröffentlicht und analysiert: Oliver García schrieb am 26. August 2013: “Hätte mir vor einem Jahr jemand gesagt, aufgrund von Schriftstücken dieser Qualität würden Gerichte die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus anordnen – ich hätte ihn für verrückt erklärt.”
    Am 06.08.2013 wurde das Verfahren vom OLG Nürnberg neu aufgerollt: Gustl Mollath kam frei
    Am 05.09.13z: Mollath siegt vor dem Bundesverfassungsgericht

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