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Bilderberg-Konferenz: Was geschieht in Dresden?

Die einen sehen ein Treffen der geheimen Weltregierung, die anderen versuchen, es in seiner Bedeutung herunterzuspielen

Während rechte Verschwörungstheoretiker das Bilderberg-Treffen in Dresden zu einem Treffen der geheimen Weltregierung oder zumindest der Global Player der NWO kolportieren, bemühen sich „Experten“ und Medien darum, das Treffen in seiner Bedeutung herunterzuspielen. Beides trübt den Blick auf ein im Wesen demokratiefeindliches Treffen selbsternannter westlicher Eliten.

Die Bundesregierung verlautbart, dass auf der Bilderberg-Konferenz „ein informeller Gedankenaustausch über aktuelle politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen“ stattfindet. „Austausch und Dialog, insbesondere in internationalen Formaten, sind der Bundesregierung grundsätzlich wichtig, auch ohne dass hierbei konkrete Ergebnisse erzielt werden müssen.“ Offensichtlich gibt es nicht einmal ein Problembewusstsein innerhalb der politischen Klasse, die demokratietheoretisch als Stellvertreter des Souveräns rechenschaftspflichtig wäre, sich aber faktisch als Politelite versteht und von den Untertanen Gehorsam oder zumindest uneingeschränktes Vertrauen erwartet.

Es ist eben dieses elitäre Selbstverständnis, das Henri de Castries als „Gastgeber“ und Vorsitzender der Bilderberg-Meetings Journalisten der dpa in den Block diktiert (Bilderberg-Konferenz: Prekariat soll Thema sein). De Castries ist nebenbei noch Konzernchef von AXA, einem Versicherungsunternehmen, das Vermögenswerte in Höhe von über eine Billion Euro verwaltet. „Ja, es stimmt, dass viele der Teilnehmer große Verantwortung haben, wichtige Jobs, die Akademiker einen hohen Fachkenntnisstand. Daran ist doch nichts falsch. Wenn wir unsere Welt besser verstehen wollen, ist es gut, Gespräche zwischen diesen Menschen zu erleichtern. Denn sich gegenseitig zuzuhören heißt immer, sein Verständnis zu verbessern. Und manchmal helfen widersprüchliche Sichtweisen, bessere Antworten zu finden.“

Abgesehen davon, dass es angesichts der Teilnehmerliste doch sehr fraglich ist, wie es zu ernsthaften widersprüchlichen Sichtweisen kommen soll, verstehen sich die Bilderberger offensichtlich als Gestaltungsmacht der Welt. Man will die Welt besser verstehen, grenzt aber alles jenseits des Militärbündnisses der NATO konsequent aus. Ein Treffen von Superreichen, Militärs, Geheimdienstchefs, Industrie und Finanzwirtschaft, das sich gerade einmal aus Entscheidern aus 20 Ländern zusammensetzt, wird kaum zum gegenseitigen Verständnis beitragen können. Man will nicht im demokratischen Sinne miteinander reden, sondern man redet über etwas oder jemanden. China, Russland und der „Nahe Osten“ sollen Themen sein. Nur wie will man seine Perspektive bereichern, wenn keine Russen, Chinesen oder Araber eingeladen sind. Es ist die Reproduktion und Verfestigung, die gegenseitige Versicherung, der immer gleichen Sichtweise.

Worüber reden die eingeladenen Finanzminister beim Thema „Geopolitik der Energie-und Rohstoffpreise“ mit dem Vorsitzenden von BP, dem Vize-Vorsitzenden des portugiesischen Erdölgiganten Galp Energia oder dem CEO von Shell?

Geht es nach de Castries und zahlreichen nachplappernden Journalisten geht das niemanden etwas an: „Warum sollten diese Menschen nicht das gleiche Recht auf Privatsphäre haben wie jeder normale Bürger?“ Eine so naheliegende wie vollkommen hohle Phrase.

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