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Mut zum Antisemitismus

Ein Hintergrundgespräch zur Querfront-Zeitschrift Compact

Jürgen Elsässers Zeitschrift „Compact“ soll laut Unterzeile ein „Magazin für Souveränität“ sein. So steht bereits auf dem Titelblatt eine wichtige Chiffre rechter Verschwörungsideologien: Das „Volk“ sei nicht souverän und werde fremdbestimmt. Und wer die Deutschen ins Unglück führt, wird in ziemlich jeder Ausgabe wiederholt, als müsste man den eigenen Leserkreis noch konditionieren. An erster Stelle stehen die „Besatzer“, die regelmäßig mit „Ami go home“ bedacht werden. „Wir sind ein Militärprotektorat und eine Wirtschaftskolonie der USA. TTIP ist der Versailler Vertrag des 21. Jahrhunderts. Die neue NS-Diktatur ist die NSA-Diktatur.“

Und auch kaum eine Ausgabe kommt ohne die Relativierung des Nationalsozialismus aus. Compact will die Stimme des „Volkes“ sein, ist aber völkische Stimmungsmache. Laut Selbstbeschreibung ist Compact „ein einzigartiges publizistisches Experiment, weil es demokratische Linke und demokratische Rechte, Moslems und Islamkritiker im offenen Dialog zusammenbringt“. Der offene Dialog entpuppt sich jedoch als Hetze und Demagogie. Dabei scheinen die Pseudo-Elitenkritik eines Donald Trump, Verschwörungstheorien unter dem Deckmantel des „ehrlichen Journalismus“ und der Antisemitismus die verbindenden Elemente zu sein.

„Wer den Begriff ‚Konzentrationslager‘ auf die deutsche Vergangenheit beschränkt, wird die Realität von Abu Ghraib und Guantanamo nicht beschreiben können“, heißt es in Compact. „Wer vom ‚Zionismus‘ nicht reden darf, muss auch vom Faschismus schweigen.“ Elsässer, der Mitgründer der „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“, mag hierin keinen Antisemitismus sehen. Und auch deutsche Gerichte tun sich zunehmend schwer damit, Antisemiten in Deutschland zu entdecken.

Die beiden Soziologen Kevin Culina und Jonas Fedders analysieren die Bedeutung des Antisemitismus in der Zeitschrift Compact. Ihr Buch „Im Feindbild vereint“ ist vor kurzem erschienen. Telepolis hat ein Hintergrundgespräch zu Querfront, Antisemitismus, Nationalismus, Demokratie und Kapitalismuskritik mit den beiden Autoren geführt.

Weiterlesen auf Telepolis!

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