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Israelkritik oder Antisemitismus?

Finden an der Hochschule Hildesheim seit Jahren antisemitische Seminare statt?

Die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim steht in der Kritik in dem Seminar „Die soziale Lage der Jugendlichen in Palästina“ antisemitisches Material zu verwenden. Dabei gehe es um „Folter in israelischen Gefängnissen und um angeblichen Organdiebstahl durch israelische Soldaten“, wie der NDR berichtete.

Das israelische Außenministerium nannte die HAWK daraufhin eine „Hass-Fabrik“, so die Jerusalem Post. Abraham Cooper vom Simon Wiesenthal Center in Los Angeles verurteilte das „extrem antisemitische und anti-israelische Seminar“.

Ein Kurzgutachten der Amadeu Antonio Stiftung bestätigt, dass das verwendete Material dazu dient, „Israel zu dämonisieren und in die Nähe der südafrikanischen Apartheidszeit oder gar des Nationalsozialismus in Deutschland zu rücken. Die Texte dienen somit nicht einer kritischen Auseinandersetzung. Sie spiegeln kein israelkritisches, sondern ein zutiefst israelfeindliches Geschichtsbild wider, das sich nicht scheut auf alte und neue antisemitische Ressentiments zu rekurrieren.“ Auch Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden, kritisiert das Seminar.

Die Hochschule wehrt sich gegen die Vorwürfe mit dem Hinweis, dass im Mai die Ethikkommission der HAWK das Seminar geprüft habe und man zu dem Schluss gekommen sei, dass es keine Bedenken gegen die Fortführung des Seminars gebe. Die Kommission „sieht keinen Anhaltspunkt, dass in dieser Lehrveranstaltung antiisraelische oder antisemitische Inhalte in unzulässiger Weise propagiert werden“.

Der Fall – Jüdische Befindlichkeiten

Die promovierte Religionspädagogin Rebecca Seidler erhielt im Juni 2015 von Christa Paulini, der Dekanin der Fakultät für Soziale Arbeit und Gesundheit, eine E-Mail mit der Anfrage, ob sie einen Lehrauftrag übernehmen könne. Dabei ginge es um zwei sehr gegensätzliche Seminare zu Israel und Palästina. Ibtissam Köhler biete sei Jahren das Seminar „Zur sozialen Lage der Jugendlichen in Palästina“ an und eine erkrankte Dozentin hatte das Seminar „Jüdisches Leben in Deutschland und in Israel“ angeboten. Das neue Seminar solle nun „Jüdische Soziale Arbeit in Deutschland und in Israel“ thematisieren. Der Fokus solle ausdrücklich nicht mehr auf „jüdischem Leben“ liegen.

Diese Gegenüberstellung irritierte Seidler jedoch. Auf Nachfrage, ob es sich nun um ein politisches Seminar zu den palästinensischen Autonomiegebieten und Israel handeln würde oder ob es um Theorien muslimischer und jüdischer sozialer Arbeit gehen solle – kurz: ob es um den Nahost-Konflikt oder um Soziale Arbeit gehe -, wollte die Dekanin nicht mehr schriftlich korrespondieren, sondern nur noch telefonieren.

Um sich Klarheit über die Ausrichtung der Seminare zu verschaffen, sichtete Seidler die Seminarmaterialien des „gegensätzlichen“ Seminars. Ihre Erkenntnisse teilte sie daraufhin Paulini mit und fragte nach, ob der Dekanin bewusst sei, dass in dem Seminar Artikel aus verschwörungsideologischen Blogs verwendet werden würden und dass das meiste Material auch keinerlei Wissenschaftlichkeit aufweise.

Die Dekanin ihrerseits verwies darauf, dass man schon einmal „angeschwärzt“ worden sei, „Israelhetze“ zu betreiben. Sie lasse sich aber keinen Maulkorb verpassen, auch wenn es in Deutschland eine gewisse Mainstreamhaltung zu gewissen Themen geben würde. Die Kritik Seidlers beruhe auch vielmehr auf ihrer sensiblen Wahrnehmung – als Jüdin.

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