Fall Mollath
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„Bitte um entsprechende Belege“

Wer Recht erkennen will,
muss zuvor in richtiger Weise gezweifelt haben.
Aristoteles

Aufgrund des manipulativen „Behauptungsjournalismus“ von Beate Lakotta auf spiegel online hatte ich mich mit der Art und Weise der „Berichterstattung“ im Fall Mollath auseinandergesetzt. Andere Blogger und Kommentatoren haben sich mal mehr mit den juristischen Aspekten und mal mehr mit den psychiatrischen beschäftigt.

Nun ist Lakotta wohl der Meinung sie müsse ihren Ruf retten und hat auf spon zwei „Briefe“ veröffentlicht. Zum einen „antwortet“ sie auf Oliver Garcias Einlassungen und zum anderen auf die Kommentierung von Thomas Stadler.

Da auch hier wieder die Sachebene kaum eine Rolle spielt, möchte ich aufzeigen, wie man solche Texte dekodieren kann.1

Doch vorab möchte ich auf die Seiten von Rudolf Sponsel verweisen, der, aus einer immer sachlichen und distanzierten Perspektive, den Fall begleitet und kommentiert. Wer sich für den Fall Mollath interessiert kommt neben den juristischen Einlassungen Garcias, Stadlers Hennings und Wolffs nicht an der psychiatrischen Perspektive Sponsels vorbei.

Ich werde den Fall wie auch schon vorher lediglich als Aufhänger für meine Kritik an der Art  und Weise der Berichterstattung nutzen, da ich weit weniger kompetent als die genannten in ihren Bereichen bin.

„In der vergangenen Woche habe ich auf SPIEGEL ONLINE über den Fall Gustl Mollath berichtet und den Fall in einem Kommentar im SPIEGEL dieser Woche noch einmal aufgegriffen.“

Da wird man schon im ersten Satz wieder völlig überrascht. Sie hat über den Fall berichtet. Ich kenne jedenfalls keinen solchen Artikel in dem sie das getan hätte. Von Bericht, also einer Tatsachenbeschreibung ohne eigene Wertung, kann nicht im Geringsten die Rede sein. Aber auch hier ist die Richtung sofort klar. Sie als Journalistin ist nur ihrem beruflichen Auftrag nachgegangen und hat berichtet. Damit ist schon einmal die Selbstpositionierung eingeleitet: sie ist der Profi.

„In beiden Stücken habe ich die Position vertreten, dass es sich, anders als in vielen Medien und Blogs postuliert, nicht um einen Justiz- und Psychiatrieskandal handelt. Das hat viele empört. Der Shitstorm war enorm, damit hatte ich gerechnet.“

Seit wann vertritt man in einem Bericht eine Position? Im besten Journalisten-Sprech bezeichnet sie ihre Artikel als „Stücke“ – also als Textbeiträge. Und tatsächlich kann man konstatieren, dass diese Stücke dazu beigetragen haben noch einmal die Fakten zu sammeln und sich der zahlreichen Problematiken in diesem Fall zu versichern – nur eben nicht von Lakotta selbst, sondern in den Repliken zahlreicher anderer Autoren.

Nun hat es also angeblich „viele“ empört, dass sie die Position vertritt, dass es keinen Skandal gibt. Ist das wirklich so oder ist es wieder der gleiche Stil: einfach etwas behaupten, um es dann widerlegen zu können? Beate Lakotta scheint sich zumindest für ziemlich wichtig zu halten. Hat es irgendjemanden empört weil Beate Lakotta eine andere Position vertritt? Wen interessiert denn bitte schön die Position von Lakotta? Es ging einerseits um die Art und Weise wie diese Behauptungen kolportiert wurden und es ging um die tendenziöse, manipulative Vorgehensweise. Das hat empört – und nicht ihre Meinung. Ihre Meinung kann sie gerne in ihrem Blog kundtun – in einem Leitmedium kann man zumindest ansatzweise den versuch der ausgeglichenen Berichterstattung erwarten.2 Aber immerhin: Lakotta hatte mit dem enormen „shitstorm“ gerechnet. Weil?

Wenn man doch ordentlichen Journalismus betreibt, dann kann man doch nicht mit einem „shitstorm“ rechnen? Wenn man Tatsachen berichtet und möglicherweise eine Analyse dazureicht, dann bekommt man doch keinen „shitstorm“ ab. Oder offenbart sich hier Lakotta? Denn letztlich bedeutet es ja nichts anderes, als dass sie einen tendenziösen Artikel geschrieben hat von dem sie wusste, dass er provoziert. Sie rechnete ja angeblich sogar mit den wütenden Reaktionen. Warum? Weil sie soviel schmerzhafte Wahrheit in ihrem Beitrag veröffentlichte? Wohl kaum. Auf eine Information kommen zahlreiche Behauptungen. Von Wahrheit und Wirklichkeit war der Artikel so weit entfernt wie der Maya-Kalender von der Prophezeiung des Weltuntergangs.

„Auch Jura-Blogger, die ich schätze, haben auf meinen Beitrag kritisch reagiert – teils auf den Ton, teils auf die Information. Auf zwei Kritiken möchte ich antworten:“

Wer reagiert denn kritisch auf eine Information? Hat Lakotta überhaupt verstanden, was kritisiert wurde?

Oliver Garcia von delegibus.com unterstellt mir „Sensationalismus“ und „Journalismus, der es per ‚Ferndiagnose‘ besser wissen will“.“

Da kann man Herrn Garcia für seine zurückhaltende Wortwahl nur gratulieren. Sensationalismus halte ich für eine zu geringe Bewertung. Public Relation  sollte man eben auch als das bezeichnen was sie ist: Propaganda. Warum und für wen Frau Lakotta ihre journalistische Reputation opfert weiß man nicht – hier ließe sich nur wild spekulieren.

„[…] als Journalistin betreibe ich keine Ferndiagnostik, sondern Recherche. Mit meinen Recherchen zum Fall Mollath könnte ich ein Buch füllen.“

Das ist eine wirklich infantile Argumentation. Inwiefern besondere Recherche für ihren Artikel notwendig war, sei mal dahin gestellt. Entscheidender ist das kindliche Argumentationsmuster das dahinter steckt: ich habe ganz ganz viel recherchiert, bin ich nicht toll? Also, erstens ist das ja wohl auch das Mindeste, das man das Handwerk seines Berufes gelernt hat und auch anwenden kann. Und zweitens hat es überhaupt keine Aussagekraft. Was soll das bedeuten, dass sie so viel recherchiert hat, dass sie damit ein Buch füllen könnte? Welche Aussagekraft sollen solche Quantitäten haben. Und war es nicht auch Lakotta, die über die 106 Seiten „Anklagesammlung“ von Mollath müde drüber hinweglächelte? Es gibt offensichtlich gute und weniger gute Quantitäten. Entscheidender ist jedoch viel mehr die Deutung dessen, was man da recherchiert hat. Und das sind ja auch die wirklichen Kritikpunkte an Lakottas Beitrag.

„Ich habe viele Quellen ausgewertet: Das Urteil, sämtliche Gutachten (auch die fachlich indiskutablen wie Weinberger), alles, was die Unterstützer ins Netz gestellt haben, Telefonate mit Geschädigten und Zeugen von damals, mit dem Arzt, der das Attest über die Verletzungen von Petra Mollath ausgestellt hat, den Revisionsbericht der Bank, Rückfragen bei der Bank, das Interview mit dem Schöffen Westenrieder auf delegibus, den Blog des Strafrechtlers Henning Müller, Mollath-Videos und etliches mehr.“

Es wird zunehmend schlimmer. Nicht nur das ein durchgehend larmoyanter Ton angeschlagen ist, kommt nun wieder diese unfassbare Überheblichkeit hinzu. Das „fachlich indiskutable Gutachten“ von Weinberger? Ist das schon wieder Offenbarungswissen? Wie kann eine Germanistin und Politikwissenschaftlerin solch ein Urteil über ein psychiatrisches Gutachten fällen? Warum nicht die Behauptungen mit Belegen unterfüttern?

Vieles von dem was Frau Lakotta distinguierend als Quellenauswertung hervorhebt ist nichts anderes als das was tausende anderer Menschen auch getan haben. Die haben es allerdings vermutlich „lesen“ genannt und nicht Quellenauswertung. Spannend wäre es ja auch mal gewesen, statt ausschließlich auf die Leistung der eigenen Person einzugehen, die Inhalte zu diskutieren. Das hätte ihrem Namen gut getan und der Diskussion ebenso. Denn die Information über den Attest ausstellenden Arzt ist ja nun tatsächlich ihre Information gewesen. Daran knüpfen sich aber weitere Fragen an. Die hätten diskutiert gehört.

„Herr Mollath wollte leider nicht mit mir sprechen, aber ich bin immerhin nach Bayreuth gefahren und habe es versucht.“

Applaus. Applaus. Dann ist sie also nach Bayreuth gefahren. Klasse. Das soll wohl der Versuch sein sich wieder vom Internetmob abzuheben. Die schreiben ja einfach aus der Ferne, während sie, die Journalistin, durch die Republik reist um keine Interviews zu führen. Da fragt man sich ja sowieso: Warum hat sie denn nicht einfach Gustl Mollath angerufen? Dann hätte sie sich die Reise erspart. Ist das so einfach? Kann man Gustl Mollath einfach so anrufen? Ja, kann man.

„In meinem Text habe ich nicht noch einmal alle Urteils- und Verfahrenskritik zusammengetragen und bewertet, das haben ja schon andere getan, auf welcher Informationsbasis und mit welcher Stichhaltigkeit ist für mich nicht immer bis ins Letzte nachzuvollziehen. Mag sein, dass in Mollaths Verfahren nicht alles nach Goldstandard gelaufen ist. Aber ein Skandal? Unrechtsurteil, Gefälligkeitsgutachten – das sind ja alles harte Vorwürfe, die im Raum stehen.“

Und jetzt kommt die Relativierung. Nachdem die eigene Person als redlich und quasi mit bestem Leumund ausgestattet, aufgebaut wurde, wird nun das bisherige Vorgehen gerechtfertigt und dabei auch ein wenig relativiert. Sie könne ja auch nicht immer alles bis ins Letzte nachvollziehen. Ja, warum denn nicht? Wenn ihr zum Beispiel der juristische Sachverstand fehlt, dann muss man sich die entsprechende Expertise hinzuziehen. Und was bedeutet in diesem Zusammenhang die Erwähnung des „Goldstandards“? Ist ein rechtstaatliches Gerichtsverfahren nicht der Ort bei dem alles mit genauester Ordnung ablaufen sollte? Oder ist die Beachtung rechtsstaatlicher Prinzipien viel zu penibel? Man könnte meinen für eine Journalistin sind Fehler und Mängel in einem Gerichtsverfahren, die dazu führen, dass jemand seit etwa sieben Jahren psychiatrisiert wird, immer einen Skandal wert. Lakotta bemerkt dann wenigstens, dass die Vorwürfe hart sind. Ja eben. Deswegen muss alles ordentlich geprüft werden. Was hilft da ein Journalismus der Gefolgsamkeit einfordert und nicht im Geringsten an einem prüfenden Diskurs interessiert ist?

„Es würde mich nicht überraschen, wenn bei der angekündigten Überprüfung seiner Unterbringung oder der Tatvorwürfe von damals kein anderes Ergebnis herauskommen würde.“

Und? Sind das jetzt seherische Fähigkeiten? Blindes Vertrauen in die Justiz? Was ist das für eine Berufsauffassung, wenn nicht einmal die geringste Skepsis, anhand der vorliegenden Informationen, geweckt wird? Natürlich kann das gleiche Ergebnis dabei herauskommen. Muss aber nicht. Und angesichts der bisherigen Erkenntnisse ist letzteres sogar wahrscheinlicher.

„Meine Absicht war, die Debatte an dem Punkt aufzugreifen, wo sie sich gerade bewegt. Exemplarisch habe ich Belege für meine These geliefert, dass wir es im Fall Mollath eher nicht mit einem Skandal zu tun haben, sondern mit einer skandalisierenden Berichterstattung.“

Die Belege hätte ich gerne mal gelesen. Aber was ich wirklich spannend finde, ist das Selbstverständnis von Beate Lakotta und spiegel online. Sie hat da eine These aufgestellt. Wie bitte? Jetzt stellen Journalisten also Thesen auf und spekulieren anhand einiger ausgewählter Belege exemplarisch? Und dann wundert sich noch irgendwer, dass diese Form des Journalismus nicht ernst genommen wird. Also doch der Behauptungsjournalismus, der mal ein wenig rumspekuliert. Je nach Gesinnung oder Vorliebe. Wer so selektiv mit der Realität umgeht, darf sich über Kritik nicht beschweren. Vielleicht vergisst Frau Lakotta eines auch ganz gern: hier geht es um ein Menschenleben! Nicht um irgendwelche Thesen, die man einfach mal diskutiert haben wollte.

„Sie erzeugt bei vielen Leuten ein pauschales Misstrauen gegenüber der Justiz und der Psychiatrie, das diese Institutionen meiner Überzeugung nach nicht verdienen.“

Aber wen interessiert denn die Überzeugung Lakottas? Hat sie denn kein eigenes Blog? Im Übrigen erarbeiten sich diese Institutionen das Misstrauen schon selbst. Und das Fälle, die das Misstrauen schüren, auch skandalisiert werden, ist eine der Grundaufgaben des Journalismus. Wer wenn nicht die Medien haben denn die Möglichkeit und die Machtchancen staatliche Institutionen zu überwachen und zu kontrollieren. Ein wenig mehr pauschales Misstrauen würde Frau Lakotta gut tun.

„Ich habe meinen Unmut darüber kundgetan, dass blindlings alles kolportiert und geglaubt wird, was irgendwie ins Bild von Gustl Mollath als Justiz- und Psychiatrieopfer passt.“

Ist ein Artikel in einem vermeintlichen Leitmedium der richtige Ort um seinen Unmut zu äußern? Was anderes als Stimmungsmache ist denn eine Unmutsäußerung? Wäre es nicht die Aufgabe einer Journalistin gewesen, alle Fakten darzustellen und anschließend eine Analyse aufgrund der Tatsachen anzubieten? Wenn nur einige wenige „Belege“ herangezogen werden, um seinen Unmut zu äußern, dann ist es genau das was ihr vorgeworfen wird: Sensationalismus (mindestens das).

 „Vielleicht nicht von jedem, vielleicht nicht von Ihnen, aber von weiten Teilen der Netzöffentlichkeit. Auch auf den Leserbriefseiten der Tageszeitungen ist diese Tendenz erkennbar. Ich habe mit nicht wenigen Leuten gesprochen, die eher bereit sind zu glauben, dass Frau Mollath oder ein großer Unbekannter die 129 Reifen perforiert und anschließend den Brief gefälscht hat, in dem ihr Mann die Opfer der Serie namentlich aufzählt – anstatt zu glauben, dass er es war.“

Die diffuse Menge: weite Teile der Netzöffentlichkeit. Was soll das schon aussagen? Selbstverständlich gibt es in der „Netzöffentlichkeit“ immer auch irgendwen, der Gustl Mollath zu was-auch-immer verklärt. Die gibt es nämlich auch an Stammtischen und an anderen Orten, die nichts mit dem Internet zu tun haben. Das liegt daran, dass dies ein Thema ist, das sehr viele Menschen bewegt und interessiert. Aber es ist wieder die falsche Tatsachenbehauptung, die den Weg für die Argumentation ebnen soll. Sie erkennt eine Tendenz in Leserbriefen. Sollte sie als Journalistin nicht wissen, dass Leserbriefe ausgewählt werden? Was kann man also an solchen Briefen erkennen? Eine Tendenz alles zu glauben? Oder doch eher eine Tendenz der Leserbriefredaktion Leserbriefe abzudrucken, die den Anschein erwecken, die Leser würden alles glauben?

Und dann kommt der „Beleg“, der nicht zu widerlegen ist. „Ich habe mit Leuten gesprochen…“. Das kann sein. Mit wie vielen? „Nicht wenige“? Was waren das für Leute? Natürlich lässt sich hier spekulieren, ob nicht Frau Mollath oder ein Unbekannter die Reifen zerstochen hat. Aber macht das irgendjemand Seriöses oder ist das wieder diese Internetgemeinde? Lakotta vermengt und verdreht hier so einiges. Es gibt sehr wohl seriöse Meinungen, die darauf abzielen, dass die Beweisführung bei der Reifenstecherei, um es vorsichtig auszudrücken, ungenügend war. Und dann wird es immer auch jemanden geben, der daraus eine spannendere Verschwörungstheorie bastelt. Aber ist die hier überhaupt relevant? Oder geht es viel mehr mal wieder darum Stimmung zu machen? Mit einer diffusen Menge an Personen wird ein noch diffuseseres Bild gezeichnet, das doch arg nach Verschwörungstheorie klingen soll. Und Verschwörungstheoretiker sind spätestens seit dem 11. September 2001 eine unglaubwürdige und lachhafte Gruppe.

Anstatt also endlich einmal auf inhaltliche Vorwürfe einzugehen, schafft sie es wieder völlig ohne Inhalte an falschen Tatsachenbehauptungen herumzureden. Die Funktion des Beitrages ist einmal mehr der soziale Vergleich. Die Internetgemeinde ist per se ungebildet, verwschwörungstheoretisch und vor allem nicht ernst zu nehmen. Während sie als Journalistin die Hüterin der Redlichkeit und ausgewogenen Berichterstattung ist.

„Weiter habe ich versucht, ein paar Aspekte hervorzuheben, die in der Berichterstattung bisher sehr kurz gekommen sind, wie zum Beispiel der lebensgefährliche Charakter und der Umfang der Reifenstechereien oder Argumente aus den Gutachten, etwa die Bewertung von Form und Inhalt von Mollaths Schreiben als einschlägig pathologisch.“

Niemand hätte etwas dagegen gehabt, wenn sachlich hervorgehoben wird, wofür Mollath angeklagt und verurteilt wurde. Auch kann selbstverständlich betont werden, dass die Reifenstechereien sehr umfangreich waren und dass diese durchaus Leben gefährdenden Charakter hatten. Und genauso hätte man in diesem Zuge erwähnen müssen, dass die Beweisführung ziemlich unzureichend war. Lässt man dies außen vor und beruft sich einseitig auf die Urteilsbegründung, dann hat das nichts mit Journalismus zu tun, dann agiert man als Lautsprecher der offiziellen veröffentlichten Meinung. Dazu sollten die Gerichte doch aber eigene Pressestellen haben.

Besonders interessant ist auch, wie man sich die Position von Gutachten zu eigen macht ohne aufzuzeigen, warum das so sein sollte. Form und Inhalt eines Briefes können niemals pathologisch sein. Der Autor kann vielleicht pathologisch sein, aber das ließe sich auch nur sehr bedingt aus den Briefen ablesen. Es besteht ja auch überhaupt kein Zweifel, dass es um Mollaths Psyche nicht besonders gut stand. Doch ab wann ist zum Beispiel hohes Engagement pathologisch? Ab wann ist das Durchbrechen gesellschaftlicher Konventionen und Normvorstellungen als krankhaft abzustempeln? Um festzustellen ob Mollath pathologische Episoden durchlebt hat, reicht es wohl kaum seine Briefe zu analysieren.

„Ich kann ehrlich gesagt nicht verstehen, weshalb Kollegen von anderen Blättern oder Sendern, die offenbar sehr viel Zeit in diese Recherche gesteckt haben, diese Dinge einfach ausblenden. Mag sein, dass sich das Unverständnis darüber im Ton meines Textes niedergeschlagen hat.“

Ist das eine Entschuldigung? Wohl kaum. Das ist eine Rechtfertigung. Und zwar aus der Position der Gerechten heraus. Sie hat sich schließlich nichts vorzuwerfen. Die Anderen blenden ja aus. Sie hat quasi als einzige ausgewogen berichtet. Sollte das tatsächlich die Selbstwahrnehmung von Frau Lakotta sein, muss man wirklich über Realitätsverzerrung nachdenken. Zumindest ist es ein sehr schönes Beispiel für die Funktionsweise der kognitiven Dissonanz.

„Aber diese Berichterstattung finde ich fatal und auch ihre breite Rezeption. Und ich habe mir das mit dem „deutschen Mandela“ ja nicht ausgedacht.“

Naja. Das kann man auch anders interpretieren. Bevor Frau Lakotta ihren Bericht veröffentlicht hatte, gab es den „deutschen Mandela“ lediglich in einem sehr unrepräsentativen Blog. Das wäre so, als wenn man bei Recherchen über das politische System Deutschlands sich ausschließlich auf den Seiten der NPD informiert. Und hinterher sagt man dann, ja, aber ausgedacht hab ich es mir auch nicht. Ausgedacht vielleicht nicht. Falsche Tatsachenbehauptungen bleiben es dennoch, denn auch der oben hergestellte Zusammenhang existiert nicht. Erst die „breite Rezeption“ anführen und dann den „deutschen Mandela“ nachschieben. Fakt ist es gibt breite Kritik und es gibt vereinzelte unsinnige Meinungen. So ist das in einer pluralistischen Gemeinschaft. Ich bin mir mittlerweile nicht mehr sicher, ob Frau Lakotta auch einfach das Internet nicht versteht. Einmal auf den Facebookseiten vorbeizusurfen, dort ein paar seltsame Meinungen lesen und dann von der wirren Internetgemeinde zu fabulieren, ist jedenfalls unredlich.

„Und nun zu Thomas Stadler, dem Blogger von internet-law.de. Herr Stadler wirft mir „Verzerrungen und Unrichtigkeiten“ in meinem Bericht vor, leistet sich dabei aber selber welche.“

Mal abgesehen davon, dass sich Herr Stadler ja nicht wirklich als Blogger beschreiben lässt, sondern viel mehr als Anwalt der bloggt, ist es wieder ein kindlicher Verteidigungsstil: der wirft mir was vor, was er selber nicht besser macht. Reicht das einer Journalistin als Selbstverteidigung?

„[…] Wahr ist: Gutachter Klaus Leipziger (Erstgutachter in Bayreuth) stützte sich keineswegs nur auf Akten, er erlebte Mollath fünf Wochen lang auf seiner Station und versuchte in der Zeit mehrfach, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Herr Mollath zeigte in dieser Zeit vielfache bizarre Verhaltensweisen. Er lief dort tagelang spärlich bekleidet auf der Station herum, obwohl man ihn mehrfach bat, etwas überzuziehen. Er verweigerte das Waschen, bis er so stank, dass es zu Konflikten mit den Mitpatienten kam und schrieb sich von einer Tube mit Reinigungsmittel eine Telefonnummer ab, weil er glaubte, man wolle ihn in der Klinik mit Seife vergiften. All das und noch vieles mehr hat Dr. Leipziger sehr ausführlich in seinem Gutachten dokumentiert.“

Interessant ist zweierlei: erstens warum darf und kann Frau Lakotta aus dem Gutachten berichten? Ich wüsste nicht, dass es veröffentlicht wurde. Wie auch immer, bis auf den Punkt mit der „Tube“ waren die Details bekannt. Offensichtlich zielt Lakottas Bemühung immer noch darauf ab, Mollath als Irren abzustempeln. Ist das Journalismus? Man kann es nur wiederholen, dass es um Mollaths Gesundheit nicht zum Besten stand oder steht, das ist eine Sache. Aber wie weist man damit die Gemeingefährlichkeit nach. Zumal zu einem Tatzeitpunkt der Jahre zurück liegt.

„Der zweite – diesmal auf Wunsch der Verteidigung externe – Gutachter, Hans-Ludwig Kröber aus Berlin, war nach Bayreuth gereist, um mit Mollath zu sprechen, aber der lehnte ein Gespräch ab. Kröber stützte sich deshalb unter anderem auf die Strafakten, auf Mollaths Briefe, das Vorgutachten und auf die Pflegeberichte der Klinik. Das ist kein unwissenschaftliches Vorgehen, wie verschiedentlich behauptet wurde, sondern so wird notgedrungen immer dann verfahren, wenn jemand die Exploration verweigert, und wenn, wie im Fall Mollath, genügend anderes aussagekräftiges Material zur Verfügung steht.“

Das ist doch mal kritischer Journalismus. Es gibt hier offensichtlich ein strukturelles Problem, das Zirkelschlüsse zulässt und Frau Lakotta fällt nichts Besseres ein als zu argumentieren: so ist das eben. Ich will diesen Abschnitt mal exemplarisch zerlegen, um aufzuzeigen, was einer der entscheidenden Probleme in diesem Fall ist.

„Kröber stützte sich deshalb unter anderem auf die Strafakten“

Auf welche Strafakten kann sich denn ein psychiatrischer Gutachter stützen? Seit wann sind Strafakten dazu geeignet über die Psyche eines Menschen Auskunft zu geben? Nur weil intentionales Handeln nicht als solches für jeden erkennbar ist, bedeutet das ja nicht, dass daraus irgendetwas über die Psyche eines Menschen gesagt werden kann. Hieraus sind im besten Falle begründete Vermutungen möglich. Und dabei meine ich nicht, was erlaubt ist, sondern was realistische Aussagen zulässt.

„auf Mollaths Briefe“

Das gleiche Problem: Nicht nur, dass die Briefe nur bedingt Auskunft über den psychischen Zustand eines Menschen geben können. So können sie auch keine Auskunft über die Gefährlichkeit eines Menschen geben. Es sind Anhaltspunkte nicht mehr und nicht weniger.

„das Vorgutachten“

Von dem angenommen wird, dass es nicht besonders zutreffend ist. Und da ist doch das Grundproblem. Ist das erste Gutachten mangelhaft ist die Wahrnehmung der nachfolgenden Gutachter bereits gerichtet. Kröber orientiert sich also an dem Vorgutachten, wertet aufgrund dieser Annahmen die Strafakten und Mollaths Briefe aus. Da ist doch der Zirkelschluss strukturell angelegt.

„und auf die Pflegeberichte der Klinik“

Und es ist nicht gerade die neueste Erkenntnis, dass das nun auf jeden Fall die am wenigsten auswertbaren Berichte sind. Eine Psychiatrie ist eine totale Institution, die aufgrund ihres spezialisierten Auftrages wenig geeignet ist, distanzierte Berichte anzugeben. Spätestens seit David Rosenhan ist bekannt, dass alle Äußerungsformen so interpretiert werden können, dass der Insasse als pathologisch wahrgenommen wird.

All das bedeutet keinesfalls, dass das Gutachten falsch sein muss. Aber es bedeutet eben auch, dass es zahlreiche Kritikpunkte an der Gutachtenerstellung und an der Institution Psychiatrie gibt. Die alle ungenannt zu lassen, ist tendenziöse Berichterstattung.

„Das ist kein unwissenschaftliches Vorgehen, wie verschiedentlich behauptet wurde, sondern so wird notgedrungen immer dann verfahren, wenn jemand die Exploration verweigert, und wenn, wie im Fall Mollath, genügend anderes aussagekräftiges Material zur Verfügung steht.“

Genau das ist ja das Problem. Hier wird der Psychiatrisierung eines Menschen Tür und Tor geöffnet. Und wenn solche Verhältnisse in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden, dann ist es doch an Journalisten gelegen, hier weiter zur recherchieren, Probleme aufzuzeigen und zu einer Verbesserung beizutragen. Im Übrigen ist die Frage nach der Wissenschaftlichkeit dieses Vorgehens keinesfalls so klar, wie es behauptet wird.

„Den dritten – ebenfalls externen – Gutachter, Friedemann Pfäfflin, hatte die Verteidigung ausgewählt. Er verbrachte in 2011 einen ganzen Tag im Gespräch mit Herrn Mollath und hat dies in seinem Gutachten sorgfältig und ausführlich dokumentiert, mit gleichem Ergebnis wie die beiden Vorgutachter.“

Und so können die Gutachter auch ewig so weitermachen. Die Wahrnehmung ist aufgrund der vorhergehenden Gutachten gerichtet. Und wer würde schon ein anderes Ergebnis präsentieren wollen als Kröber. Seit wann hackt eine Krähe der anderen ein Auge aus? Die Argumentation von Lakotta hinkt, da hier nicht auf das grundlegend strukturelle Problem aufmerksam gemacht wird, sondern lediglich auf einer rein deskriptiven Ebene das Vorgehen gerechtfertigt wird. Und zwar qua Autorität und nicht über das nachprüfbare Verfahren.

„Aus meinem Artikel zitieren Sie: „Anders als vielfach behauptet, begründen alle drei psychiatrischen Gutachter, die Mollath für krank und weiterhin gefährlich halten, die Diagnose seiner Wahnkrankheit nicht mit seinen Schwarzgeldbehauptungen.“

Dies, schreiben Sie, sei „schlicht falsch. Um dies festzustellen, genüge „bereits die Lektüre des Strafurteils.“

Das, Herr Stadler, ist schlicht unsinnig. Um die Begründung der psychiatrischen Gutachter für ihre Diagnose kennenzulernen, muss man auch als Jurist deren Gutachten lesen, und zwar ganz – und nicht das, was der Richter im Urteil dazu schreibt. Oder das, was aus dem Zusammenhang gerissen anderswo daraus zitiert wird.“

Aber wo ist jetzt der inhaltliche Beleg? Womit wird denn begründet? Hat nicht Lakotta selbst zusammenhanglos aus einem Gutachten paraphrasiert? Richtig ist: wer die Gutachten inhaltlich kritisieren will, sollte sie auch kennen. Meinem Wissen nach sind diese zurzeit aber nicht öffentlich zugänglich. Dass das Urteil des Richters aber auf einen zentralen Zusammenhang des Gutachtens verweist, darauf sollte man doch wohl hoffen dürfen.

„[…] Allerdings haben Sie die Diagnose nicht komplett wiedergegeben, sondern nur das, was den Anschein erweckt, Dr. Simmerl habe Mollath für gesund gehalten. Tatsächlich diagnostizierte er aber „am ehesten eine Persönlichkeitsstörung mit querulatorisch-fanatische Zügen (ICD 10- Nr. F 60.0)“ (siehe Seite 38 des Gutachtens).“

„Am ehesten“ ist ja nun wieder dermaßen aus dem Zusammenhang gerissen und das wobei sie eben dieses noch kritisiert hat. Am ehesten kann auch bedeuten: wenn man schon eine Krankheit diagnostizieren will, dann eben diese. Querulatorische Persönlichkeitsstörung scheint mir auch der „Klassische Nachfolger“ der Hysterie zu werden. Konnte man zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine Frau auf diese Art und Weise wahlweise los werden oder zumindest still bekommen, werden nun alle die uns zu anstrengend sind (auf welche Weise auch immer) zu Querulanten abgestempelt. Was aber am Meisten stört bei der Argumentation, ist der permanente Verweis auf Mollath als einem Irren. Mir scheint Frau Lakottas Gedanken kreisen um einen fixen Punkt der Wahnhaftigkeit Gustl Mollaths.

„Ich habe mit Dr. Simmerl gesprochen. Er bestätigte mir, dass er Mollath sehr wohl für deutlich gestört gehalten habe, und dass er sich, was das betrifft, in vielen Medien nicht korrekt wiedergegeben sieht. Außerdem räumte er ein, dass er für sein Gutachten die Strafakten nicht herangezogen hat. Musste er ja auch für ein Betreuungsgutachten nicht. Aber ein vollständiges Bild wird er sich so kaum erworben haben können.“

Offensichtlich gibt es nichts Neues mehr von Frau Lakotta zu erwarten. Der Begründungszusammenhang bleibt der gleiche und damit einzige: Mollath ist verrückt. Immerhin ist auch hier wieder eine zumindest halbwegs neue Information versteckt. Um es mal mit der Sprache des Gerichts auszudrücken; Frau Lakotta legt einiges an Belastungseifer an den Tag. Aber warum?

„Das sei falsch, schreiben Sie, denn „auf S. 7 des Revisionsberichts der HVB ist explizit von Schwarzgeld die Rede“. Das stimmt. Genauer gesagt geht es auf der vielzitierten Seite 7 um Sortengeschäfte, die ein Kollege von Petra Mollath, Herr D., ausgeführt hat.

[…]

In der zusammenfassenden Bewertung dieses Verhaltens im internen HVB-Bericht liest man allerdings auf S. 16 zu eben diesem Vorwurf: „Der Geldwäschebeauftragte der Bethmann-Bank verzichtet nach Abstimmung mit dem Geldwäschebeauftragten der HVB auf eine Verdachtsanzeige, da er annimmt, dass es sich nach Prüfung der Umstände nicht um deliktische Gelder handeln dürfte.“

Hat schon jemand das Gegenteil nachgewiesen? Bitte um entsprechende Belege.

Der Spannungsbogen ist aufgebaut mit dem alles erklärenden Ende. Es gibt gar keine Schwarzgeldgeschäfte. Denn: Die HVB hat in ihrem Revisionsbericht im Konjunktiv von nicht deliktischen Geldern gesprochen. Zu dem Zeitpunkt waren die Gelder möglicherweise auch nicht deliktisch. Wie auch immer die HVB weiß es nicht. Sie nimmt es lediglich an. Und dann kommt wieder die Zirkelschlussformulierung: Hat schon jemand das Gegenteil nachgewiesen? Was für eine Arroganz. Nein, es hat noch niemand das Gegenteil bewiesen, denn die einzigen die etwas beweisen können, haben bisher nicht ermittelt. Genau das ist ja Teil des Skandals. Mit dieser Logik existiert nichts, was nicht schon mal von einem Gericht bewiesen wurde. Dann gibt es wohl keine zu Unrecht Verurteilten in Deutschland. Es gibt keine Dunkelziffern von Straftaten jeglicher Coleur und vor allem hat Deutschland kein Problem mit Schwarzgeldverschiebungen und Geldwäsche (pdf).

Oder hat schon jemand das Gegenteil nachgewiesen?

 

*update* 20.12.2012 21:43: Oliver Garcia hat eine „Ritter des Rechts“ Stellungnahme zur Lakotta-Stellungnahme veröffentlicht. Wie immer sachlich und distanziert. Lobens- und lesenswert.

  1. Zum Dekodieren solcher Botschaften ist Friedemann Schulz von Thun zu empfehlen. Hier wird das von Watzlawick eingeführte Kommunikationsmodell weiter differenziert. Entscheidend ist, dass sich Botschaften nicht nur auf die Sachebene, sondern auch auf die Beziehungs- und Appellebene beziehen: Miteinander reden und das Kommunikationsmodell. []
  2. Dass das schon längst nicht mehr gilt, ist mir bewusst. Aber es ist eben auch eine Erwartungshaltung. Und wenn diese Erwartung an die so genannte vierte Gewalt enttäuscht wird, dann muss man eben auch mit den Reaktionen der Menschen umgehen können. []

9 Kommentare

  1. Dr. med. Peter Masuch sagt

    Sie werfen Frau Lakotta ‚Realitätsverzerrung‘ vor.

    So hart sollte man mit ihr nicht ins Gericht gehen. Immerhin steht auch ihr wie jedem anderen Bürger zu, seine Urteilsfähigkeit wohlwollend zu bewertet zu bekommen.

    Immerhin existiert in der Psychiatrie der Begriff ,illusionäre Verkennung‘.
    Damit wäre sie nicht schuldfähig.
    Die Prüfung beschränkte sich dann auf ‚Gefahr für sich und /oder andere.

    Das Ergebnis bliebe abzuwarten pm

    • Sascha Pommrenke sagt

      Der Vorwurf der „Realitätsverzerrung“ ist ja keine psychiatrische Bewertung (die ich ja gar nicht abgeben könnte). Vielmehr ist es die Anwendung der Methode Lakottas auf sie selbst: Anhand einiger geschriebener Worte auf die psychische Verfassung zu schließen.
      Prinzipiell gehe ich eher von einer überengagierten Arbeit aus. Möglicherweise steht sie ja auch Herrn Kröber zu nah?

    • tim schneider sagt

      Lieber Herr Dr. Masuch,

      es geht hier nicht um „wohlwollende Bewertungen“, es geht hier auch nicht um das, was „jedem anderen Bürger“ zusteht, es geht um etwas ganz anderes: Frau Lakotta spielt, um die Welt des Fußballs zu bemühen, damit es auch anschaulich wird, in der Bundesliga. Mit anderen Worten: Sie ist ein Profi!
      Sie ist nicht irgendein Bürger, sondern sie ist eine Journalistin, die bei einem Leitmedium arbeitet. Damit trägt sie eine gewaltige Verantwortung auf ihren Schultern.
      Gewiss darf Frau Lakotta ihre Meinung haben, diese darf sie auch äußern, aber wenn sie einen Artikel abliefert, der journalistisch viele Problemstellen (wohlwollend formuliert, um Ihnen entgegenzukommen) enthält, dann dürfen diese durchaus auch geradeaus, wie hier in dem Artikel, angesprochen werden.

      Aber etwas anderes: Der Artikel ist ziemlich lange. Ich gehe auch mal davon aus, dass Sie den ganzen Artikel gelesen haben.
      Warum verfassen Sie nur einen Kommentar, der sich an einem Begriff, nämlich: „Realitätsverzerrung“, anstößt?

      Jetzt wurde hier so viel geschrieben… wären wir in der Schule und das wäre Ihr Kommentar zu einem mehrseitigen Artikel, dann würde es wohl heißen: 6 – Thema verfehlt.
      Aber ich gebe zu, in diesen Zeilen schwingt etwas Polemik mit und nehme sie daher zurück. Sie wissen bestimmt, wie ich es gemeint habe.

      Nichts für ungut.

      Guten Abend noch.

    • kaaaatzzeenjurist sagt

      Niemand hat gesagt dass Frau Lakotta lügt, sie sagt „nur“ die Unwahrheit (gemessen an der aktuellen Faktenlage)

  2. astroloop sagt

    Aber, aber Herr Schneider, durchaus löblich, das Sie sich so stark man für die Lasten, die auf den Schultern eines Profis lasten.

    Aber hat denn irgendjemand Frau Lakotta in diese Last gezwungen, hat sie irgendjemand dazu auserwählt, die Schicksalsstunden unserer Gemeinschaft zu ertragen und ihre massgebliche Reflektion zu den bewegenden Themen unserer Zeit vorzutragen?

    Nö.

    Und wenn sie schiesst, trifft sie das Tor nicht.

    Welchen 3.Liga Reporterverschnitt beten Sie da eigentlich an?

  3. Ich danke Ihnen für diese gründliche Analyse. Ich habe seit 50 Jahren den Spiegel gelsen. Bei der Spiegel Affäre 1962 war er noch „Das Sturmgeschütz der Demokratie“. Nun verteidigt Lakotta den Obrigkeitsstaat, indem sie blind der Psykiatrie vertraut und Kritik undifferenziert diffanmiert. Im Spiegelblog wurde diese Meinungsäusserung zensiert.

  4. @Sascha Pommrenke:

    -„Wenn sich eine Journalistin hinter einer Politikerin verstecken muß, ist das ja bereits ein Beweis für ihre mangelnde unvoreingenommene Betrachtung der Dinge: heile-Welt-Schwestern im Geiste … Beate Lakotta … plappert kenntnislos einer Justizministerin etwas nach, befangen in dem unbegreiflichen Kinderglauben, daß die nicht bloß politisch taktiere“ – so Frau Gabriele Wolff im Teil IV ihrer heutigen, mich überzeugenden justizkritischen Detailanalye, die mich, ähnliche wie Ihren beiden Texte der letzten Tage, zu zwei Kurzhinweisen anregt/e:

    -Mit sozialwissenschaftlichen Hypothesen untersucht und gedeutet – würde der publizistische Doppelschlag von SPON/ZEIT am 13. 12. 2012 auf Umgruppierung im Bereich der ganzdeutschen „Verdummungsindustrie“ und ihrer dort wirkenden „Sekundäreliten“ verweisen. Das freilich ist ein Fontane´sches weit(er)es Feld;-)

    -Darf ich auch Sie und ihre Leser/innen zu einem kleinen Gedankenexperiment einladen mithilfe einer übers Juristisch-Immanente hinausgehenden Leitfrage? Dieser: Wie würden sich Angehörige einer „Machtelite“ und ihnen zuarbeitende Staatsfunktionäre im Justizapparat verhalten, die Herrn Mollath bewußt, strategisch und nachhaltig persönlich, politisch und moralisch zerstören wollten?

    Freundliche Grüße, Dr. Richard Albrecht, 21. 12. 2012

  5. Josef Eisele sagt

    Frau Lakotta übernimmt ohne jegliche eigene Überprüfung die abwertende Kommentierung der Anstalt Bayreuth über die Körperpflege von Herrn Mollath, dessen angegebe Allergie bei Dr. Leipziger gutachterlich mutiert zu einer „übertriebenen Sorge um die eigene Gesundheit“. Aus Herrn Mollaths Ablehnung des Klinikessens wurde bei Dr. Leipziger im Gutachten dann eine „wahnhafte Furcht vor Vergiftung“. FrauLakotta denunziert Herrn Mollath, wo sie nur kann , dass sie jetzt durch die Konfrontation mit den Fakten die volle Breitseite abkriegt, braucht man nicht zu bedauern.

    Neben dem Dr. Leipziger, der die unrechtmäßige Unterbringung des Herrn Mollath zwecks Begutachtung akzeptiert hat und damit zeigt, dass er über die gesetzlichen Vorschriften seiner Tätigkeit nicht vollständig informiert ist, ist noch ein zweiter Gutachter zu nennen, Professor Kröber aus Berlin.

    Der bringt es fertig, jetzt, nachdem klar ist, dass er mit seinem Verriß, der Dr. Simmel habe wohl dem Herrn Mollath dessen Schilderungen der Schwarzgeldgeschäfte geglaubt und schon deshalb sei dessen Gutachten wertlos, völlig nebender Sache liegt, noch einen drauf zu setzen. Er versichert der Frau Merk in einem Breif vom 3.12.2012, trotz erwiesener Geldtransporte könne man weiter an der wahnsinnigen Wahndiagnose festhalten.

    Es werden aber immer mehr Einzelheiten bekannt, die nicht nur die Schwarzgeldgeschäfte als Tatsache belegen,sondern auch die besondere justizförmige Behandlung des Herrn Mollath über all die Jahre hinweg.

    Und er, Prof. Kröber, der Wert darauf legt, dass seine zu begutachtenden „Fälle“ vorher in Kenntnis gesetzt werden, nimmt ungerührt hin, dass die Anstalt Bayreuth in ausgeschmiert hat. Das ist sehr schwach, vor allem, wenn man bedenkt, welchen Ruf dieser forensisch psychiatrische Gutachter hat.Und da ist er nicht einmal in der Lage, seine im übrigen richtige Ansicht, man könne nicht jemand überfallartig begutachten, durchzusetzen. Ein Armutszeugnis, und eine Vorgehensweise, die er auch mit dreimal Lanz nicht mehr aus der Welt kriegt. Nicht Dr. Simmel hat sich täuschen lassen, er hat sich getäuscht. Und er ist nicht in der Lage, das einzuräumen.

    Er war für ein weiteres Gutachten, zu einem Zeitpunkt, als noch eher damit zu rechnen war, dass sich noch einmal ein Gutachte findet, der mit beeindruckendem Wortgeklingel sagt: Ich halte Herrn Mollath für einen besonders raffinierten Verrückten, der sich so zu tarnen imstande ist, dass man es nicht bemerkt. Wer nicht glauben kann, dass Psychiater zu solchen Manövern, die an die Inquisition erinnern, in der Lage sind, der schaue mal in folgenden Beitrag rein:

    http://pflasterritzenflora.blogspot.de/2012/08/doppelt-verschanzter-dogmatismus.html

    Der Autor hat noch weitere lesenswerte Beiträge zur Wissenschaftlichkeit in der Psychiatrie gemacht, etwa diesen:

    http://pflasterritzenflora.blogspot.de/2012/12/warum-psychiatriekritik.html

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