Fall Mollath
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Die Affäre Mollath und das Thomas-Theorem

Die Affäre Mollath kann aus zahlreichen Perspektiven als Skandal betrachtet werden. Zum Einen und im Wesentlichen handelt es sich um einen Justizskandal, der hier, hier, hier und auch hier hervorragend aufbereitetet, verfolgt und kommentiert wird. Wichtige Dokumente finden sich bei Gerhard Strate, einem der beiden Rechtsanwälte Mollaths, sowie natürlich auch bei einer der zentralen Anlaufstellen zur Recherche http://www.gustl-for-help.de. Hier beginnt man am besten auch seine Recherche zu einem weiteren skandalösen Aspekt der Affäre, nämlich den psychiatrischen Gutachtern. Den Psychiatern und vor allem den Gutachten ist meines Erachtens immer noch zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet.

Das liegt einerseits daran, dass es sich aktuell und primär eben um einen juristischen Skandal handelt, andererseits aber auch daran, dass aus verständlichen Gründen, die Gutachten nicht öffentlich zugänglich sind. Man wird sich, im Sinne der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und den damit verwobenen universalen Menschenrechten, noch eingehender mit den Gutachten beschäftigen müssen. Sollte es sich hierbei um ein systemisches Problem handeln, ist es dringend geboten hier korrigierend einzugreifen. Mit dem Hinweis auf ein mögliches strukturelles Problem sind die Protagonisten selbstverständlich keineswegs aus der persönlichen Verantwortung entlassen. Es bleibt zu klären, wie es dazu kommen kann, dass renommierte Psychiater Gutachten verfassen, die zumindest fragwürdig erscheinen. Einiges aus den Gutachten ist allerdings bekannt geworden, ebenso einige „Stellungnahmen“. Die Begründungszusammenhänge, die dort erwähnt werden, lassen eher an den Normalitätsvorstellungen der Autoren zweifeln, denn an Mollaths Verstand. Und es scheint auch nicht ganz abwegig hier einen gewissen „Belastungseifer“ bzw. zumindest hochgradige Konstruktionen zu erkennen.

Damit nicht genug ist die Affäre Mollath auch ein veritabler Politskandal. Und damit meine ich nicht lediglich die bayerische Justizministerin Merk, die ganz offensichtlich in ihrer Funktion überfordert ist. Womit noch nichts zu eventuellen absichtlichen Handlungen zur Vertuschung oder zumindest zur Herauszögerung gesagt ist. Die CSU in Gänze gibt ein fürchterliches Bild in der Affäre ab. Um die SPD ist es in Bayern allerdings auch nicht viel besser gestellt. Auf Bundesebene sind es CDU/CSU, FDP und auch hier wieder die SPD, die es offensichtlich nicht schaffen mal einen Referenten abzustellen, der sich genauso wie unzählige Bürger in den Fall einliest und mal die Fraktionen informiert. Das Wissen über den Skandal scheint bei weiten Teilen der Mandatsträger äußerst dürftig zu sein. Zumindest ist das die Hoffnung. Ansonsten müsste man ja davon ausgehen, dass sie elementare Bestandteile des Grundgesetzes nicht verstanden haben. Oder aber es gibt einen unerschütterlichen Kadavergehorsam. Das wäre dann allerdings eine echte Gefahr für die Demokratie.

Nicht zuletzt ist die Affäre Mollath auch ein Medienskandal. Während es ohne einige wenige Journalisten und allen voran Michael Kasperowitsch von den Nürnberger Nachrichten gar nicht erst zu einer Affäre gekommen wäre, haben sich andere Medien zu einem Public Relation Organ degradieren lassen.1 Spiegel Online, Die Zeit, Cicero und allen voran der Nordbayerische Kurier haben eine ganz eigene Auffassung von den Aufgaben der Medien. Die vierte Gewalt verkommt zu einem Presseorgan von Politik und Wirtschaft. Wem das zu unpersönlich ist, mag gerne von der Makroebene auf die Mesoebene herabsteigen: das bayerische Justizministerium, Kreise der Hypovereinsbank und ein Netzwerk psychiatrischer Gutachter spannen, über jahrelang gereifte Kommunikationskanäle, meinungsbildende Medien als Sprachrohr der offiziell veröffentlichten Meinung ein. Wem das immer noch zu abstrakt ist, möge sich die Mikroebene anschauen. Natürlich weiß man spätestens seit C. Wright Mills Studie zur „Machtelite“ oder durch Krysmanskis „German Power Structure Research“,2 dass sich die primären wie sekundären Eliten auch tatsächlich persönlich kennen. Das wird ansonsten ja ganz gerne verneint. Oder mit dem Stigma „Verschwörungstheorie“ versehen. In der Affäre Mollath wirkt das alles schon fast paradigmatisch. Irgendwie kennt da jeder jeden.3 Staatsanwälte, Rechtsanwälte, Richter, Finanzbeamte, Ärzte sowie zentrale Wirtschaftsgrößen treffen sich regelmäßig im örtlichen Rotary Club. Eine Verschwörung der Rotarier, wie mancherorts bereits vermutet wird?

Mitnichten. Es hat auch primär gar nichts mit den Rotariern als Organisationsform zu tun. Die Rotarier bieten lediglich den Rahmen. Ein gesellschaftliches Treffen in entspannter Atmosphäre. Nur, man kennt sich eben. Und man tauscht sich untereinander aus. Man unterhält sich. Richter mit Staatsanwälten, Staatsanwälte mit Rechtsanwälten, mit Finanzbeamten, mit Ärzten, mit Bankern, mit Wirtschaftsgrößen. Und die Rotarier sind nur ein Netzwerk. Zahlreiche Rotarier sind selbstverständlich noch in anderen „diskreten Gesellschaften“. Und so spinnt sich ein Netzwerk der Macht, ein Netzwerk von Wirtschafts- und Politeliten, vernetzt mit Journalisten, Anwälten und Ärzten. Eine Parallelwelt in der das Ehrenwort schnell mehr zählt als Recht und Gesetz. Es ist überhaupt nicht notwendig hier eine großangelegte Verschwörung gegen Mollath zu vermuten. Es reicht völlig aus, einen kleinen Impetus in die Zirkel einzuspeisen. Ein Gespräch unter „Freunden“. Klatsch- und Tratschgeschichten aus dem Arbeitsalltag oder der Stadt Nürnberg, Gerüchte. Das alles versehen mit den entsprechenden negativen Bewertungen und vorgegebenen Interpretationen und schon sind gruppendynamische Mechanismen angestoßen, die man gelegentlich nur noch korrigieren muss.

Und an dieser Stelle kommt dann eine zentrale sozialpsychologische Erkenntnis zum tragen.

 „Wenn Menschen Situationen als real interpretieren, dann sind diese in ihren Folgen real“ (Thomas und Thomas 1973)4

Man kann diese grundlegende Erkenntnis gar nicht genug durchdenken. Das sogenannte Thomas-Theorem hat weitreichende Folgen. Im Kern bedeutet es, dass es irrelevant ist, ob etwas wahr oder wirklich ist. Es kommt nur darauf an, dass Menschen bestimmte Geschehen als real interpretieren. Denn dann beziehen sich ihre Handlungen auf diese interpretierte Realität und erschaffen wiederum eine neue Realität bzw. ergeben eben neue Konsequenzen.5 Treffen sich einige Entscheider regelmäßig im Rotary Club und unterhalten sich über das Tagesgeschehen ist irgendwann auch Mollath Thema. Ein „Freund“ erzählt einem anderen „Freund“ eine glaubwürdige Geschichte. Und je mehr Leute diese glaubwürdige Geschichte weitererzählen, desto mehr „Freunde“ das Geschehen, das Gerücht als real interpretieren, desto mehr Leute werden ihre Handlungen auf diese Realität abstimmen. Wird in diesen Kreisen von einem „Spinner“ berichtet, dann kann eine Folge in der Realität schon mal sein, dass man voreingenommen handelt und eben andere davon unterrichtet, dass Mollath ein „Spinner“ ist. Es ist nicht die Tatsache, die unser Denken, Empfinden und Handeln bestimmt, sondern die Meinung, die wir über diese Tatsache haben.6

Wir glauben nicht an unsere Kenntnisse, weil sie wahr, begründet oder bewiesen wären. Bis zu einem gewissen Grad verhält es sich umgekehrt: unsere Kenntnisse sind wahr, weil wir an sie glauben. Das Gerücht beweist noch einmal, falls das notwendig sein sollte, daß alle Gewissheiten gesellschaftlich bedingt sind: Wahr ist, was die Gruppe, zu der wir gehören, als wahr ansieht. Gesellschaftliches Wissen beruht auf Glauben und nicht auf       Beweisen“ (Kapferer 1997, S. 322).7

Was wir für wahr erachten, ist, was unsere Wir-Gruppe für wahr erachtet. Wir glauben an das, an was die Gruppe glaubt, mit der wir uns identifizieren.8  Werden also die Gerüchte und Geschichten, der Klatsch und Tratsch in den Netzwerken der Macht platziert, beginnen die Gerüchte zur Wahrheit zu werden, welche aufgrund der exponierten Positionen und Funktionen der „Mächtigen“ eine Wirklichkeit und Wirkungsmächtigkeit entwickeln können, die ganze Existenzen zerstören kann.

Es reicht also aus, wenn einige Wenige intentional das System zu missbrauchen versuchen. Es bedarf keiner großangelegten Verschwörung. Ein gestreutes Gerücht über einen Spinner wirkt da schon wunder. Wenn man dann noch ein paar vertrauliche Gespräche mit geneigten Journalisten führt, kann man das Gerücht sogar breit streuen. Auch hier muss man nicht von Auftragsarbeiten ausgehen. Die Kommunikationskanäle sind über Jahre entstanden und der Mechanismus gleicht dem Mechanismus am Hofe. Wer etwas vom Charisma und Prestige des Königs abbekommen möchte, muss sich schon mal seinen Erwartungen gemäß verhalten. Nicht anders funktioniert der „Berliner-Journalismus“. Wer ein Interview, ein Gespräch oder gar ein Mittagessen mit den Mächtigen bekommen möchte, sollte nicht zu kritisch sein, ansonsten verliert man die Gunst der Mandatsträger und ist abgeschnitten von Informationen. Es ist kaum verwunderlich, dass Beate Lakotta (Spon) und Sabine Rückert (Zeit) von einem in den Fall Involvierten als „Kröber-Fanclub“ bezeichnet wurden.

Und Otto Lapp ebenso wie Joachim Braun vom Nordbayerischen Kurier sind als Provinzredakteure selbstverständlich verbandelt mit den örtlichen Eliten. Der narzisstische Schub oder um es weniger pathologisch auszudrücken der Selbstwertschub, den die beiden gerade erleben, entwickelt eine paradigmatische Dynamik. Beide wissen, dass sie niemals wieder in ihrem Leben so viel Aufmerksamkeit bekommen werden. Nach der Affäre Mollath heißt es wieder über „C&A kommt nach Kulmbach“ zu berichten, über Disco-Busse zu schreiben oder neue Monster-Masten zu verkünden. Oder man kommentiert einfach Parkgebühren. Ich will gar nicht despektierlich sein. Die journalistische Arbeit in einer Lokalredaktion einer Provinz-Kleinstadt bringt so etwas mit sich. Ich selbst musste vor Jahren über Baumpflanzungen des Bürgermeisters schreiben oder über gewonnene Segeltörns.9 Insofern will ich die alltägliche Arbeit gar nicht negativ bewerten. Vielmehr geht es mir darum, dass die beiden Redakteure ganz offensichtlich überengagiert sind. Sei es nun aus privater Nähe zu anderen Involvierten in der Affäre oder sei es nur weil sie selbst die Möglichkeit haben im Mittelpunkt zu stehen. Das Engagement, also die emotionale Betroffenheit, nimmt quasi analog den Zugriffszahlen und Kommentierungen auf den Seiten des Nordbayerischen Kurier zu.

Der Selbstwert von Menschen entwickelt dabei eine spezifische psychische Dynamik. Man fühlt sich wichtig, großartig, beachtet und wert geschätzt. Selbst bei negativen Kommentaren. Denn Rechtfertigungen im Sinne des self-serving-bias stehen ja sofort zur Verfügung: Viel Feind, viel Ehr. Dieser Selbstwertschub oder diese narzisstische Erhöhung fühlt sich nicht nur gut an, die „Logik der Emotionen“10 gaukelt dem Betroffenen vor, er habe eine neue gesellschaftliche Position erreicht, sein Status, sein Prestige und seine Machtchancen seien im gleichen Zuge gestiegen. Nicht zuletzt bewirkt der Schub, die häufige Fehleinschätzung, man seie auch als Mensch besser und mehr wert. Die neue höhere Position muss dann allerdings verteidigt werden. Wer gibt das berauschende Gefühl im Zentrum der Macht zu stehen schon gerne auf. Es entsteht der Zwang seinen neu gewonnenen Selbstwert zu verteidigen. Ich habe dies an anderer Stelle dementsprechend als Selbstwertzwang bezeichnet. Die Vehemenz mit der dies geschieht ist meist ein guter Anzeiger für die „Fragilität des Stolzes“.11 So legte Otto Lapp immer neuere Geschichten nach, die im Allgemeinen als Boulevard bzw. als Gerücht zu bezeichnen wären. Warum setzt man seinen Ruf als Journalist für so etwas aufs Spiel? Warum kommentiert Joachim Braun in seinem Blog hochgradig patzig, unseriös und unsouverän die Kommentare seiner Leser? Es mag zum einen am Medium Internet liegen, dass Braun und Lapp glauben sie müssten immer das letzte Wort haben oder sich rechtfertigen. Schaut man sich die Kommentare jedoch genauer an wird schnell deutlich, dass es geradezu zwanghaft ist, wie hier geantwortet wird. Es sind abwertende Kommentare, die teils lediglich dazu da sind, andere der Lächerlichkeit Preis zu geben oder aber sich selbst als einzig Sehenden unter Blinden zu profilieren, was ja auch schon der Tenor des Blogeintrags war.

Prinzipiell wäre das alles keiner gesonderten Erwähnung wert. Ein Großteil der täglichen Berichterstattung in fast allen Medien hat letztlich keinen anderen Auftrag als den kollektiven Selbstwert der Deutschen zu erhöhen und gleichzeitig Außenseiter abzuwerten. Seien es nun ALG II- Empfänger, Arbeitslose im Allgemeinen, Ausländer, Asylanten, andere Nationen (man denke an Griechenland) oder gleich alles Fremde. Man kann an der Affäre Mollath aber die Mechanismen sehr gut aufzeigen, da es ein begrenzter Fall ist. Braun, Lapp, Lakotta und Konsorten können aufgrund der Reichweite ihrer Medien Gerüchte und Klatsch besonders weit streuen. Und in Anbetracht des Thomas-Theorem bekommt dies eine gesellschaftliche Bedeutung.

„Wenn Menschen Situationen als real interpretieren, dann sind diese in ihren Folgen real“

Zusammen mit einem Diktum Niklas Luhmanns wird die Tragweite dieses Medienskandals erkennbar.

„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“

Das gilt für alle Menschen. Auch Politiker und andere Entscheidungsträger haben ihr Wissen über die Welt aus den Massenmedien. Und so verselbständigt sich eine kleine Lügengeschichte. Im kleinsten Kreis gestreut, landet die Geschichte bei Bedarf in den größten Medien des Landes. Und was der Richter, Staatsanwalt (oder wer auch immer) mal als Klatsch im kleinen Kreis in Nürnberg gehört hat, kann er später im Büro in der Zeitung lesen. Dann muss die Geschichte ja stimmen. Es bleibt ja gar nichts anderes übrig, als die Situation als real zu interpretieren. Es bedarf keines bösen Willens, keiner bösen Absicht und keiner großen Verschwörung, um die Mechanismen des Systems in Gang zu setzen.

Um es noch einmal deutlich zu machen: Das entbindet niemanden aus der persönlichen Verantwortung. Während in der Mehrheitsgesellschaft niemand etwas dafür kann, wenn er von den Medien manipulativ und tendenziös unterrichtet wird, sind Mandats- und Entscheidungsträger sehr wohl dazu verpflichtet ihre Einschätzungen, ihre Vorurteile und Meinungen zu überprüfen, schließlich können davon Menschenleben abhängen. Gleiches gilt für Journalisten. Die Nähe einiger Reporter zu Machteliten lässt die so notwendige Kontrollfunktion der Medien ad absurdum erscheinen. Ob nun wissentlich oder naiv falsch und tendenziös berichtet wird, muss die Einzelfallprüfung ergeben. So oder so, ist die „vierte Macht“ dann nichts weiter als ein Verkündungsorgan, ein Propagandainstrument in den Händen derjenigen, die es eigentlich zu kontrollieren gilt.

Und um noch ein weiteres Argument, dass eher als Reflex daher kommt, zu entschärfen. Auch ich vertraue auf den Rechtsstaat. Und eben weil ich darauf vertraue, ist es endlich dringend geboten, die Fehlentwicklungen zu korrigieren. Das Gutachtersystem muss überprüft werden. Das Drehtürprinzip von Richtern und Staatsanwälten gehört überprüft. Die Machtfülle von Richtern gehört überprüft. Das Netzwerk von Politikern, Bankern und Wirtschaftsgrößen mit Judikative und Exekutive gehört überprüft. Wer dient hier eigentlich wem? Es gehören auch die Richtlinien für Journalisten überprüft. Darf jeder menschenfeindliche Unsinn publiziert werden?

Mir ist klar, dass es sich hierbei um ein gesellschaftliches Problem handelt. Und dahinter steht immer auch die Frage in welcher Gesellschaft wir leben wollen bzw. welche Gesellschaft wir unseren Kindern hinterlassen wollen. Meines Erachtens muss dazu dringend eine Frage geklärt werden: Ist die rechtsstaatliche Demokratie lediglich ein Ideal, die nur als Anschein, als Blendwerk existiert und sich als Plutokratie entpuppt oder ist unsere Demokratie in der Lage Fehlentwicklungen zu korrigieren und alle Menschen gleich zu behandeln und allen gleiche Rechte zu gewähren?

  1. Ausnahmen sind vor allem die Süddeutsche Zeitung und telepolis. []
  2. Besonders zu empfehlen sind die Standardwerke von Krysmanski: Gruppenbild. Deutsche Eliten im 20. Jahrhundert, 0,1% – Das Imperium der Milliardäre und Hirten & Wölfe: Wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen. []
  3. Eine soziologische Netzwerkanalyse würde frappante Beziehugnen offenbaren. []
  4. Thomas, William I.; Thomas, Dorothy S.: Die Definition der Situation. In: Heinz Steinert (Hg.): Symbolische Interaktion. Arbeiten zu einer reflexiven Soziologie. Stuttgart: Ernst Klett, 1973. S. 333-335. []
  5. Was natürlich auch für Mollath selber gilt. Nur, wenn man es hier mit einem grundlegenden sozialpsychologischen Phänomen zu tun hat, müsste man dann nicht viel eher diesem Begündungszusammenhang folgen als dem fundamentalen Attributionsfehler zu erliegen und alles in der Persönlichkeit Mollaths zu verorten? []
  6. Frei nach Epiktet. []
  7. Jean-Noël Kapferer: Gerüchte. Das älteste Massenmedium der Welt. Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 1997 []
  8. Dieser Zusammenhang ist hier noch ausführlicher beschrieben. Band erscheint in Kürze. []
  9. Was ein ganz ausschlaggebender Grund dafür war, nicht Journalist zu werden. []
  10. Zur Logik der Emotionen siehe Norbert Elias Etablierte und Außenseiter []
  11. Siehe ebenfalls Etablierte und Außenseiter []

24 Kommentare

  1. Sveo sagt

    Eine gelungene Analyse, die jede ‹Soziale Konstruktivstin› und jeden ‹Poststrukturalisten› äußerst erfreut.

    Danke!

    Sveo

  2. Ich denke uns fehlt jetzt auf EU-Ebene ein Ombudsman für Menschenrechte, Korruption und Justiz.
    Schon im Vorfelde hätte dieser Ombudsman eingreifen können , als nämlich Gustl Mollath mit bekam, dass seine Frau von der Bank „Angefüttert“ wurde, Schwarzgelder in die Schweiz zu schaffen. Bis heute hat kein Staatsanwalt, keine Gewerbeaufsicht oder sonstige Ermittlungsbehörde sich diesem Straftatbestand angenommen.
    Ich erinnere nur an die Aussage von Gustl Mollath vor dem Untersuchungsausschuss und will in diesem Zusammenhang auch an den Fall der Finanzbeamten von Frankfurt erinnern. Da wurde nachweislich ein Gutachten gefälscht, bei Schwarzgeld offenbar in Verbindung mit Banken ein normaler Vorgang.
    Nur warum schweigt die Politik zu diesen Vorgängen?

    • Piepmatz sagt

      Nette rhetorische Frage! Warum sie schweigt, ist doch allzu offensichtlich: sie hat ein dringendes Interesse an der Verschleierung. Das CDU-geführte (vom brutalstmöglichen Herrn Koch moralisch völlig herunter gewirtschaftete) Hessen ist doch das beste Beispiel dafür. Bayern versucht aber derzeit vehement, es den Hessen insoweit zumindest gleich zu tun oder sie sogar zu überrunden.

  3. como13 sagt

    vielen dank fuer diesen so gut geschriebenen artikel. es sollte vielleicht auch darauf hingewiesen werden, wie die justiz im falle mollath momentan versucht ihre eigene ‚realitaet‘ als faktisch ‚wahr‘ verkauft, und wie diese ‚realitaet‘ offensichtlich an der realitaet der fakten geziehlt vorbeigeht; siehe die vorwuerfe der offensichtlich erwiesenen rechtsbeugungen durch den richter brixner. ’nicht nachpruefbare‘ zufaelle, versaeumnisse und nicht vorhandene schreibmaschienen bilden nunmehr den konkreten verdacht von kausalen zusammenhaengen zum nachteil des weggesperrten, natuerlich wiederum nicht nachpruefbar aus sicht der nachpruefenden. in der medizin gibt es ebenfalls eine problematik der subjektiven realitaet. neue ansaetze im verstaendniss fuer psychische ‚erkrankungen‘ sind wissenschafftlich erwiesen. in dieser hinsicht scheint die welt der etablierten psychiatrie hier in d wie eine scheibe ueber deren rand nicht hinausgeschaut wird. es wird ‚wahnhaft‘ am zentralen kern dieser scheibe, dieses weltbildes der psychiatrie und ihrer gutachten festgehalten. diesen kern bilden bisweilen veraltete vorstellung ueber ‚wahn‘ und ’schizophrenie‘. z.b. darf ein mensch in deutschland nur bei ganz gewissen vorkommnissen eine ptbs (e:ptsd) bekommen. z.b. unfall mit toten, krieg, entfuehrung und folter. in oesterreich, grossbrittannien und n-amerika sieht es da schon anders aus. sogar mobbing darf hier eine ptbs verursachen. ja es wurde wissenschafftlich erwiesen. mri scans, tierversuche. kurz gesagt, im bildlichen vergleich: in d-land darf man sich nur beim fall aus den oberen stockwerken ein bein brechen, nicht jedoch wenns nur der erste war. was ich sagen will: selbst ein faires sachliches psychiatrie gutachten in d-land ist wohl nicht mehr unbedingt auf dem stand der wissenschafft. der schnee von gestern: eher ein eispanzer in der psychiatrie?

  4. ihre analyse ist sehr sehr gut und erklärt manches was man sich normal nicht erklären kann.

    sie können auf obiger seite etwas durchblättern auch wenn es nicht so ordentlich geschrieben ist.

  5. Balser sagt

    Das Psychiatrie-Gutachter-(Un)Wesen ist ein systemisches Problem auf mehreren Ebenen.

    Es bestehen – durch Mollath-Fall bestärkt – erhebliche Zweifel an der Wissenschaftlichkeit der Psychiatrie.
    Wissenschaftlichkeit entspricht dort Willkürlichkeit.

    Das dokumentiert sich gerade an den neuen DSM-5-Richtlinien.

    In denen neue Krankheiten willkürlich eingenistet werden
    aus rein honorar-profanen pharmazie-absatz-gefälligen Gründen :

    Mehr als 14-tägige Trauer ist jetzt krankhaft und behandlungsbedürftig.
    Dito Wut .

    Womit der zunehmende Wut-Bürger krank und fertig gemacht werden kann, wenn
    er überhand nimmt wie Blockupy und die Obrigkeit stört und nervt.
    Also wird er für geistes-gestört und nerven-krank erklärt durch die
    willkürliche Krankheitsbils-Erweiterung der neuen DSM-5.

    Die Psychiatrie tappt immer noch im Dunkeln und auf der Stelle.

    Was die Ursache – Stoffwechsel-Organ- oder „seelische“ Störung –
    der klassischen durch Wahnvorstellungen auffälligen schwer
    erträglichen Krankheiten Schizophrenie und manische Depression
    anbelangt.
    Auf ganz anderer Ebene liegen die angeblichen diffusen nebulösen
    „paranoiden Auffälligkeiten“.
    Die jedes Individuum hat, dem Nachbarn auf den Nerv fällt, aber
    kein Unheil anrichtet.
    Aber dem, der Unheil zum eigenen Vorteil anrichten will, nützt durch
    Anschwärzen, Denunzieren, Diffamieren.
    Was insbesondere der Staatsmacht nützlich sein kann, sich das
    Regieren, bevormunden einfach zu machen.

    Dazu lassen sich die Worte mit Sprach-Verdrehungs-Finessen
    von Wortneuschöpfungen wie „Größen-Ideen“ und sonstigen
    Wortzusammensetzungs-Firlefanz im Munde und in Gutachten
    und Urteilen so verdrehen, bis sie wirr und unverständlich
    erscheinen.
    Das ist die hohe Kunst gewisser Gerichts-Psychiater.
    Die es sprachkünstlich verstehen, die Wort-, Satz- und
    Rechtsverdrehungen der Winkel-Advokaten noch
    zu übertreffen, die die Gerichte übertreffen.

    Die Wort-Diktionen der bekannt gewordenen „Gutachten“-
    Auszüge im Urteil sprechen diese Sprache.

    Mit konkreter empirisch-wissenschaftlicher Tätigkeit hat dieses
    Arbeitsfeld der quallenhaften nicht greifbaren Wort-Satz-Akrobatik nichts zu tun.

  6. Balser sagt

    Mollath gereicht zum gemeingefährlichen Wahn die Überzeugung und Behauptung von banksystemischen Steuerhinterziehungs-Machenschaften.

    Nicht nur deutsche, sondern auch amerikanische Neo-Nazis verfechten uneinsichtig stur und realitätsfremd die Meinung, Überzeugung und Behauptung, der Hitler-Staat-systemische Holocaust hätte nicht stattgefunden und wäre frei erfunden.

    Dazu ist weder in USA noch in Deutschland die Justiz und
    Psychiatrie auf die Idee gekommen, eine solche hirnrissig-unsinnige Negativ-Überzeugung wäre geisteskranker Wahn, der psychiatrisch zu behandeln ist.

    Vielmehr sah man sich in Deutschland genötigt, erst einen
    Straftatbestand zu konstruieren, um diesen Überzeugungs-
    Schwachsinn in trockene Straftat-Verurteilungs-Tücher zu
    kriegen.

    Würde der viel näher liegende psychiatrische Wahn-Theorie-
    Schwachsinn nach denselben Kriterien wie bei Mollath von der Justiz durchgezogen, dann hieße das :

    Anklage wegen hirnrissiger Holocaust-Leugnung,
    psychiatrische Untersuchung und Wahn-Diagnose, die
    schuldunfähig wie Mollath macht und zum Freispruch zwingt.

    Womit die gesetzliche Leugnungs-Straftat-Erfindung ein blödsinniger nichtsnutziger Rohr-Krepierer würde.

    Ungeklärt und in der Luft hinge, ob eine Einweisung in die
    Psychiatrie zur Therapie-Behandlung mit die Nazi-Persönlichkeit verändernden und ruhigstellenden Psychopharmaka wie bei Mollath möglich wäre.

    Weil sich Psychiatrie und Justiz schwer tun würden, eine
    Gemeingefährlichkeit – z.B. für einen theoretischen Staats-Streich – der Nazis und irrsinnigen Holocaust-Leugner so weit hergeholt zu konstruieren wie bei Mollath.

    Da hat man ängstliche Manschetten.

    Wenn man – bei Unterstellung, Mollaths Steuerhinterziehungs-
    Überzeugungen wären genau so unrealistisch und spinnert wie die Holocaust-Leugnung – diese beiden Überzeugungs-„Phänomen“-Fälle und deren juristische und psychiatrische Ungleichbehandlung vergleicht, dann ergibt sich daraus die Absurdität und Willkürlichkeit der psychiatrischen Wahn-Theorien.

    Die sich damit entpuppen als Diagnose-Akte von bloßer Willkürlichkeit, die der jeweiligen political Correctness und juristisch-gerichtlichen Wunschvorstellung unterworfen sind.

    Mithin solcher forensischen Psychiatrie nichts als gesellschafts-politische Hebel-Werkzeug-Funktion zukommt, mit der der Berufsstand jenseits medizinischer Wissenschaft zum gesellschaftspolitischen Handlanger der Staatsmacht
    gemacht wird und sich machen lässt.

    So wie wir es schon immer hierzulande hatten
    im 3. Reich und der DDR
    und jetzt auch noch nach der DDR-Wende.

    Um gesellschaftspolitisch nach dem jeweiligen Zeit-Geist
    unerwünschte, nervende, lästige Rand- und Minderheits-Gruppen
    als geistesgestörte „Exzentriker, Querulanten, Spinner“
    geistig und körperlich auf bequeme, unauffällige, willkürliche,
    klammheimlich-subtile Ausgrenzungs-Art aus der politisch „bevorzugten“ Wunschvorstellungs-Einheits-Typ-Gesellschaft auszuschließen.

    Eine Staats-Gesellschaft, die nicht fähig ist, auch spinnerte
    Überzeugungs-Fanatiker einfach zu „schlucken“ und in der
    Gesellschaft zu absorbieren, sondern psychiatrisch
    „ausspucken und auskotzen“ muss in Psychiatrie-Brechkübel,
    die ist freiheits-demokratisch und rechtsstaatlich krank.

    Heißt Deutschland der Psychisch Kranke Mann Europas.

    So wie das schon vor 1945 war.
    Wo die Massen dem gemeingefährlichen GrößenIdeenParanoiker
    zugejubelt und gehuldit haben wie einem Paranoia-Gott im weißen Ärzte-Kittel.
    Der Dr. Mengele inspiriert hat mit seinem Massenwahn und seiner sadistischen
    medizinischen eiskalten, skrupellosen, gewissenlosen Doktor-Titelträger-Mordlust.
    Eine hirn-genetische Entartung, die womöglich vererblich ist.

  7. Balser sagt

    Heißt Deutschland der Psychisch Kranke Mann Europas.

    Tippfehler-Korrektur :
    So wie das schon vor 1945 war.
    Wo die Massen dem gemeingefährlichen GrößenIdeenParanoiker
    zugejubelt und gehuldigt haben wie einem Paranoia-Gott im weißen Ärzte-Kittel.
    Der Dr. Mengele inspiriert hat mit seinem
    Rassenwahn
    und seiner sadistischen medizinischen eiskalten, skrupellosen, gewissenlosen Doktor-Titelträger-Mordlust.
    Eine hirn-genetische Entartung, die womöglich vererblich ist.

  8. Piepmatz sagt

    Vielen Dank für diesen erhellenden Beitrag, der die sozialpsychologischen Aspekte der Fälle Mollath u.a. so schön darstellt und Ansätze für Abhilfen/Reformen bietet. –
    Was ich in den letzten Tagen u.a. so bemerkenswert fand, war der Wirbel, den die schriftliche Aussage der Richterin Heinemann (‚deren‘ Urteil lt. Brixner zu Gustl Mollaths Wegsperren geführt hat!) ausgelöst haben, so als ob die Tatsache neu wäre, dass nämlich Brixner vor der Gerichtsverhandlung sich mit Herrn Maske öffentlich sichtbar besprochen hat. Gustl Mollath sagt das schon seit langem, ohne dass es irgend einen interessiert zu haben scheint (außer die Freunde Gustl Mollaths). – Wenn das kein Beweis für gestörte Wahrnehmung ist,…! Eben die erwähnte „Interpretation von Realität“!
    Ich träume von einer ‚Massenbewegung‘ (vielleicht mit dem Namen Gustl Mollath?), die zeilstrebig und hartnäckig für die Beseitigung der Verkrustungen unserer Gesellschaft kämpft, damit der demokratische Rechtsstaat nicht nur eine ewiger Traum bleibt, den sich die „Eliten“ für ihre Zwecke zunutze machten und ihn somit permanent aushöhlen. An der Zeit wäre eine solche Bewegung nun endlich. Ich bin dabei!

  9. Birgit Brandenstein-Esken sagt

    Dieses Thomas-Theorem ist m. E. lediglich auf die Anfänge des Geschehens um Herrn Mollath möglicherweise anwendbar. Seit dem Bekanntwerden, dass die HVB in einem internen Ermittlungsverfahren die angeblichen Wahnideen des Herrn Mollath als Tatsachen bestätigt, spielen bei der Verleugnung von Fakten und Verweigerung von Einsichten wohl ganz andere Mechanismen eine Rolle. Richtig?

    • Sascha Pommrenke sagt

      Das ist momentan schwer zu beurteilen. Ich versuche ja weitestgehend mich aus Spekulationen herauszuhalten.
      Prinzipiell beschreibt das Thomas-Theorem eine grundlegende Eigenart der menschlichen Wahrnehmung bzw. der menschlichen Psyche. Insofern gilt das Theorem natürlich auch noch nach dem Revisionsbericht. Ich habe es angeführt, weil es ganz gut aufzuzeigen vermag, dass man nicht von einer großen Verschwörung ausgehen muss. Es reicht vollkommen aus, wenn die Deutungshoheit gegeben ist.
      Aber im gesamten Verlauf des Skandals, da haben Sie natürlich Recht, spielen auch noch mehr Mechanismen eine Rolle, sowohl psychologische als auch soziologische. Psychologisch halte ich selbstwertdienliche Verzerrungen für sehr wirkmächtig. Aber auch Konformismuszwänge sind nicht zu unterschätzen. Soziologisch haben wir es wohl mit Elitenetzwerken zu tun. Auch hier muss man keine große Verschwörung wittern, als vielmehr so etwas wie „Korpsgeist“, der sich aus Standes- und Statusbewusstsein speist. Eine elitäre Parallelwelt, die sich nicht intentional gegen jemanden verschworen hat, sondern die einfach zusammenhält, weil „man das eben so macht“.
      Völlig ausschließen kann man natürlich auch nicht, dass es hier tatsächlich Absprachen, im Sinne eines Verschwörens, gegeben hat. Bedenklich in diesem Zusammhang finde ich, dass manches doch arg so wirkt, als hätte man es mit einem Drehbuch zu tun. Ich glaube es ist Richard Albrecht, der zurecht ab und an die Frage stellt: Wie würde man wohl vorgehen, wenn man jemanden psychiatrisieren wollte?
      Bei Mollath hat es tatsächlich in vielen Kleinigkeiten den Anschein, als würden alle nötigen Voraussetzungen zur Zwangseinweisung minimal erfüllt.
      Aber, und deswegen halte ich mich da jetzt auch wieder zurück, hier müsste momentan noch zu viel spekuliert bzw. unterstellt werden.

  10. sol1 sagt

    „Ein gestreutes Gerücht über einen Spinner wirkt da schon wunder.“

    Wie so etwas konkret abläuft, hat Anke Domscheit-Berg hier geschildert, nachdem sie Anfang Dezember 2012 Günther Beckstein auf den Fall Mollath ansprach:

    http://www.wolfgang-dudda.de/?p=7889

    „Ich fragte Günther Beckstein nach seiner Meinung dazu. Seine Meinung wurde sehr schnell klar: das Thema echauffierte ihn ganz erkennbar, er fand, Politik sollte sich raushalten (also auch er), der Mollath hätte ja selbst für eine Wiederaufnahme des Verfahrens sorgen können und überhaupt, alle Instanzen hätten ja das Urteil bestätigt. Die Medien würden den Fall falsch darstellen, Fakten weglassen und eine Kampagne betreiben. Ich hätte ja einfach keine Ahnung. Zum Beispiel hätte der Mollath ja auch viel gefährlichere Sachen damals gemacht, als die Medien immer schreiben würden.

    (…)

    Beckstein berief sich auch auf die Bestätigung des Urteils durch den BGH, auf mehrere psychiatrische Gutachten, die alle das gleiche ergeben hätten und fragte mich, ob ich eine Ahnung davon hätte, was dieser Mensch alles für Briefe und Petitionen geschrieben hätte, an Gott und die Welt.“

    Drei Wochen später verkündete Beckstein übrigens auf abgeordnetenwatch.de:

    „Ich kenne weder Frau noch Herrn Mollath, noch hatte ich irgendwas mit dem ganzen Fall zu tun.“

  11. Euler Hartlieb sagt

    Danke herzlich auch von mir fuer den sehr guten Artikel; ich will das obige nicht bestaetigend wiederholen.

    Aber ein Detail faellt auf: Sie sprechen von Justiz-, Psychiatrie-, Politik- und Medienskandal, aber soweit ich es ueberschaue, nicht von dem Bindeglied Banken-, Steuerhinterziehungs- und Schwarzgeldskandal. Damit sind Sie nicht alleine.

    Der finanzielle Hintergrund, die Bank(en), das (Schwarz)Geld(vermoegen), die Steuer(hintetziehung) ist und bleibt Tabu, wahrscheinlich unbeabsichtigt, oder weil „als hier nicht zentral“ gesehen.

    HVB/HRE stand zum Zeitpunkt als Mollath als „Insider“ „berichtete“, durch Verlustgeschaefte im drei-stelligen Milliardenbereich am Rande der Pleite, und hat sich ueber die Ausgliederung HRE (Bad Bank – u.a. Maske), somit moeglicher Uebergang zu Unicredit, soweit ich es ueberschaue, wieder in scheinbar ruhigeres Fahrwasser gebracht. Die Quellensteuer musste entrichtet werden. HRE hat neben den hunderten Milliarden Defiziten noch hunderte von Milliarden NICHT bilanzierte Geschaefte gemacht, mussste spaeter von der Bundesregierung (Merkel, Steinbrueck, Irland-Connection zur Pfandbriefbank) mit ueber hundert Milliarden Steuergeldern (> 2 x der bayrische Staatshaushalt!!) besichert werden – einen Tag nachdem die HVB – Haftung auslief.
    Wir sprechen nicht von Millionen im Feuer, sondern von Milliarden. Von der HRE-Rettung hat das Who is Who u.a. der deutschen Finanz- und Bankenbranche (inkl. Deutsche Bank, Allianz etc.) profitiert. Wo es gigantische Verlierer gibt, dort gibt es fast immer Gewinner in einer aehnlichen Groessenordnung. Die Zahlen waeren in Millionen gewaltig – aber hier geht es um Milliarden (das sind jeweils 1000 Millionen).

    Die EU Transfers in die Oasen (1000 Milliarden Euro nach EU-Kommissarangaben/EcoFin, 160 Milliarden fuer Deutschland, 35 Milliarden Euro fuer Bayern! – sehr konservativ gerechnet – sind u.a. das Spiegelbild dieser „Verluste“, die dem Steuerzahler von „der Politik“ und „den Banken“ aufgebuerdet werden – Transfers die von der Politik mehr als großzuegig geduldet wurden (Steuerfahnderdichte, Seehofer zu Abkommen Schweiz etc).

    ICIJ – (SZ, NDR) hat diese Transfers in 2013 groß herausgebracht, 20.000 Milliarden seien in den Oasen versteckt, 15% (3000 Milliarden Euro) Zuwachs, also 160 Milliarden von Bayern und 24 Milliarden Zuwachs – konservativ gerechnet.
    Mollath hat diese Spuren verfolgt – ihm gebuehrt dafuer der Dank des gemeinen Steuerzahlers!

    Der „Focus“ spricht von 100.000 Deutschen, 7000 haben sich bisher selbst angezeigt, 1000 Bayern (Spiegel).

    Wir sprechen hier ueber ganze Staatshaushalte, gigantische Transfers, die natuerlich nur zum ganz kleinen Teil, aber auch die sicher nicht nur aus gutem Gewissen – auch per Motorrad getaetigt wurden und bspw. aus 600 HVB-Filialen (Frau Mollath) zusammengeworben wurden.
    Die wirtschaftliche Lage, die Verluste und Transfers sind nicht erst seit gestern der Politik, den Banken, und denen, die diese Mittel transferieren bekannt.
    Nur die Groessenordnung war nicht so genau bekannt und ist weiter gewachsen.

    Die Beisshemmung der SPD im Falle Mollath, obwohl wirklich fast alles zutage liegt, laesst sich wohl nur durch die Beteiligung Merkel/Steinbruecks an diesem „Bail-Out“ der HRE auf Kosten des Steuerzahlers (wie manche sagen auch in dessen Interesse) erklaeren. Das Verhalten von CDU/CSU ohnehin.

    Bei 100.000 involvierten Menschen/Firmen, 160 Mrd Euro/a, und Transfers des Steuerzahlers schon waehrend der Großen Koalition, und weiter in den laufenden Banken- und Staatshaushaltskrisen, die dieser Steuerzahler sich ja nicht zu genau vorstellen soll, laesst sich das „Schweigen“ und die „Desinformation“ und der „fluessige“ lange „glattlaufende“ Gleichklang auch noch durch andere Gruende und Ingredenzien als die zweifelsohne gueltigen, oben dargelegten, gruppendynamisch-psychologischen, erklaeren.

    • Sascha Pommrenke sagt

      Ich vermeide diesen Punkt tatsächlich bewußt. Zum einen, weil es Gustl Mollath momentan nichts bringt, ob und wie groß ein möglicher Schwarzgeld- und Steuerhinterziehungsskandal auch sein mag. Das Unrecht, die Fehler, die Absichten, die hier belegbar sind, reichen völlig aus und sind unabhängig der HVB und anderen Banken.
      Zum anderen kann ich versuchen etwas beizutragen im Bereich der Medienkritik und aus gesellschaftstheoretischer Perspektive. Den Bereich Wirtschaftsdelikte, Steuerhinterziehung und Schwarzgeld müssen kompetentere Menschen als ich es bin, angehen.
      Aber ich gebe Ihnen auch recht. Mit der HVB wird noch einges zu klären sein. Es ist gut möglich, dass, wie es auch schon Strate anmerkte, Mollath zwar nur einen kleinen Schwarzgeld“ring“ aufdeckte, der Zeitpunkt aber entscheidend war. Die Übernahme wäre möglicherweise mit schlechter Presse begleitet worden. Das reicht sicherlich aus, dass manchen Menschen das Schicksal eines Individuums reichlich egal ist.

  12. Euler Hartlieb sagt

    Lieber Sascha Pommerenke?!
    Herzlichen Dank fuer die schnelle Antwort.
    Diese Frage(n) beantwortet naemlich fast niemand (gerne).
    Ich erlaube mir nochmals zurueckzuantworten, und ich will damit weniger widersprechen, als fortspinnen. Ich finde Ihre Arbeit Klasse!

    Medienkritik und gesellschaftstheoretischer Perspektive ist natuerlich mit „Geld“ verwoben. Ich habe mir dieses eine Motiv (Mollath schuetzen) schon gedacht, nur hat es bisher noch niemand formuliert. Ich bin mir nicht sicher, ob ihm dieses Ausblenlden wirklich nutzt oder schadet, weil die gesamtgesellschaftliche Relevanz von Psychiatrie, Justiz, einem Einzelschicksal vielleicht eher als marginal gesehen wird. Aber…

    Sein eigenes Thema war weder Psychiatrie, Justiz, Politik und Medien, sondern „ein gigantischer“ Banken-, Schwarzgeld-, Steuerhinterziehung- und Transferskandal: Die HVB/HRE Pleite/Rettung war tatsaechlich der bis dahin groesste Bankenverlust/Bankenrettungs/Steuergeldskandal in der Geschichte der EU und Deutschlands, was quasi „kein Politiker/Banker/Medien“ vorhergesehen haben will/hat. Merkels und Steinbruecks groesste Einzelausgabe!!

    Geht es bei „Wirtschaftsdelikten, Steuerhinterziehung und Schwarzgeld“ nun um oekonomische Fragen, die wir wegen der langweiligen und verwirrenden Nullen und Mathematik gerne ausklammern – oder um soziale (auch: „gesellschaftlichstheoretische“, „gesellschaftspolitische“ und „kommunikationstheoretische“) Fragen?

    Ich vereinfache daher:

    12 Mio Bayern; 12.000 „Steuerverschieber“; 120 Mrd „verschoben/Verluste/gerettet/aufgebracht“: Das macht 10 Mio Euro je 12.000 Steuerverschieber/HVB(HRE-Verlustproduzenten:gerettet. Zum Teil ins Ausland.
    10 Mio Euro pro Person/Firma fuer 12.000 Menschen/Firmen in Bayern!
    Das ist seeeehr viel !!

    12 Mio bayerische Steuerzahler (minus 12.000):
    Steuerverlust von 10.000 Euro/Person oder 40.000,- pro vier-koepfige Familie.
    De facto findet das jaehrlich und zunehmend (plus 15%/a) statt.
    Das ist auch sehr viel !!!

    Man koennte sagen, sozial und gesellschaftlich eine sehr relevante, heimliche Mittel- und Machtumverteilung!
    Bei einer solchen Menge Beteiligter, derartigen zu verlierenden/gewinnenden Summen wird Quantitaet zu (gesellschaftspolitischer / sozialer / medialer / juristischer / psychiatrischer/ kommunikativer / demokratischer) Qualitaet und ordnungspolitischer Gewalt und politischer/medial bezahlter Macht.

    Insofern habe ich, als durchaus „gesellschaftstheoretisch“ und „medial“ Sensibilisierter, oft den „Eindruck“, dass die „gewuenschte?!“ Auslassung der tatsaechlichen von dem Revisionsbericht ungewoehnlich deutlich angeprochenen finanziellen Skandal-Risiken fuer HVB/HRE durch das „Insiderwissen“ von Mollath, doch auch etwas den Blick auf die realen (Hinter-)Gruende, Triebkraefte, Mechanismen und Koalitionen versperrt.
    Und das das nichts damit zu tun hat, dass nicht nur Herr Seehofer, sondern auch Frau Merkel, auch Hr Steinbrueck u die deutsche Bank etc. da etwas zu verheimlichen haben, und die Chargen weiter unten sich daher relativ sicher, „abgesichert“ fuehlen… waere zumindest erstaunlich.

    Money makes the world go round.
    Und das ist keine Kritik an Ihnen.

    • Sascha Pommrenke sagt

      Lieber Euler Hartlieb,

      „Geht es bei „Wirtschaftsdelikten, Steuerhinterziehung und Schwarzgeld“ nun um oekonomische Fragen, die wir wegen der langweiligen und verwirrenden Nullen und Mathematik gerne ausklammern – oder um soziale (auch: „gesellschaftlichstheoretische“, “gesellschaftspolitische” und “kommunikationstheoretische”) Fragen? “

      In der Soziologie gilt Karl Marx als einer der Klassiker. Und das liegt vor allem daran, dass eine der zentralen Funktionen des gesellschaftlichen Zusammenlebens die Lohnarbeit ist, also „die Wirtschaft“. Es sind mitnichten Probleme einer „ökonomischen Dimension“, sondern gesellschaftliche Probleme. Da haben Sie vollkommen recht.
      Dennoch schätze ich es momentan so ein, dass Gustl Mollath erst einmal Recht zugesprochen bekommen sollte. Anschließend muss dann (endlich einmal) eine ernsthate Auseinandersetzung mit der HVB (und anderen Banken) geschehen. Ich bin mir gerade nicht mehr sicher, welcher Kabarettist fragte, vermutlich Pispers oder Rether, „wie lange lässt sich die Mehrheitsgesellschaft die Reichen noch gefallen?“. Das Problem ist nicht der Zahnarzt, der seine 10.000 Euro in einen Liechtenberger Fond anlegt. Das Problem sind vornehmlich einige große Unternehmen und deren Besitzer und Profiteure.
      Aber, wie gesagt, hier bin ich kein Spezialist. Hier kann ich nur anklagen, aber nicht gut belegen.

  13. Bernd Eckhardt sagt

    Habe in letzter zeit schon viel zu diesem besonderen Skandal gelesen. Doch dieser Artikel ist in vielerlei hinsicht eteas besonders!
    DANKE!

  14. Euler Hartlieb sagt

    Ich erlaube mir noch drei Nachtraege:

    Nachweisbarkeit: Frau Merk (u.a.) in ihrer Erwiderung im ersten Parlamentsausschuß im November erklaerte, die Angaben von Mollath seien nicht praezise genug – er wisse nicht, welcher Teil des Geldes schwarz waeren, welche Summen genau etc.
    Wenn ich heute einen Ermordeten finde, und dies anzeige, muss ich auch nicht mitteilen, wer der Moerder ist, welcher Tatzeitpunkt, Todesursache und die Adresse und Lieblingsspeise des Moerders. Die Aussagen von Mollath waren bereits extrem detailliert – er hat das ganze gigantische VerschiebeSYSTEM mit Namen von Spitze, Mittelsmaenner, Beteiligen, Transportwegen, Transportmittel, Herkunft und Ziel und Provisionen, z.T. Adressen, Kontonummern etc. benannt.
    Es ist schon sehr zynisch, einerseits Bank- und Steuerfragen zum absoluten Geheimnis zu erklaeren, diese voellig intransparenten Jahresberichte zu tolerieren, in denen zig Milliarden Schattenposition, Verschiebebahnhoefe und Haushalte versteckt sind und gezielt versteckt werden (s.HVB/HRE), und dem Steuerzahler so Milliardenverluste zu bescheren, und von einem Anzeigenden dann auch noch das letzte Detail einer widerrechtlichen „Struktur“ zu verlangen, um sie als „Anfangsverdacht“ ernst zu nehmen, zu ueberpruefen und zu verfolgen.
    Wenn der gleiche Respekt den Persoenlichkeitsrechten, wie dem Djungel von Bankgeheimnissen und der Verschwiegenheit zu Steuern und Steuererklaerungen entgegengebracht wuerde…., haetten wir in diesem Bereich einen Rechtsstaat par Excellence.

    Gegenangriff: Es ist auffaellig, wie heftig und zielgerichtet von Medien, Politik, Psychiatern und Justiz gegen genau das, was Mollaths Kernaussage war, naemlich ein gewaltiges bankgestuetztes formell und informell koordiniertes System zum teilweise illegalen Vermoegenstransfer und zur Steuerhinterziehung anpolemisierte, diskreditiert wurde. Die Angst der vielen tausen Steuerhinterzieher (immerhin wird dies mit Gefaengnis bestraft), und die Angst der Banken vor der Aufdeckung ihrer heimlichen Verluste, wurde so zu Mollath und den Unterstuetzern zurueckgespiegelt.
    Mit dem Erfolg, dass jeder, der sich mit Mollath befasst, zuallererst bemueht ist, sich ja keine „Verschwoerungstheorien“ – eigentlich das, was jeder Interessierte ueber große Teile des Finanzsystems weiss – nachsagen zu lassen.
    Dadurch haben ICIJ/EU/EcoFin 7 Jahre auf sich warten lassen, ein/das Kernproblem bei Staatsfinanzen und Banken etwas deutlicher zu benennen und ansprechbar zu machen.
    Auch mit dem Erfolg, dass ueber Jahre, am materiellen Kern des „Problems“, dem Grund, warum Mollath nach seinen Aussagen „der Kragen geplatzt ist“, an ihm selbst und seinem Engagement, vorbeigeschrieben und argumentiert wurde und z.T. bis heute wird.
    Seine „Stimme“, seine Aussage, wurde mit diesem einschuechternden „Totschlagargument“, dieser klassischen zum Teil projektiven Abwehr, zum Schweigen gebracht – bis heute.
    Eine sehr erfolgreiche Strategie, quasi den Mund an dieser Stelle zu verbieten, hat die Gesellschaft/den gemeinen Steuerzahler einige hundert Milliarden Euro an Steuereinnahmen und einige Bad Banks inklusive Folgekosten etc.etc.gekostet.

    Angst: Eine womoeglich dominante Triebkraft hinter den „Wilfaehrigkeiten“, „Fehlern“, „Irrtuemern“, „Merkwuerdigkeiten“, „Besonderheiten“, „Beweisfaelschungen“ „Fehlinformationen“, „vorgeblichen Schlampereien“ von „gestandenen Professionellen“, dieser extreme Rufschaedigung von Berufsstaenden von Justiz, Psychiatrie, Politik und Medien zu benennen, naemlich die gigantischen Geldsummen, und damit die Macht und Maechte, die hier im Spiel waren und sind, ist weiterhin mit großer Angst besetzt. Nur der Revisionsbericht der Bank hat dies relativ deutlich angesprochen.
    Die Banken kritisiert man lieber nicht, da fragt man nicht so genau nach.
    Das ist unziemlich!
    In diesem Bereich herrscht distanzierte Diskretion, wird leise gesprochen im Nebenraum.
    In der „Politik“ weiss man, was die Banken moechten. Auch den Medien ist durchaus bekannt, wer wann bezahlt, wo die Grenze ist und was gewuenscht wird.

    Ueber Geld und ihre Traeger, Eigentuemer spricht man ab einer bestimmten Groessenordnung nicht. Bis heute. Da schweigt der kluge Mann lieber. Und das soll tunlichst auch so bleiben.

    Sonst gibt es Aerjjeer (Beispiel: Mollath/Frankfurter Steuerfahnder etc..).

    Und hier trifft Ihr Beitrag vermutlich ins Mark: dafuer braucht es gar keine organisierte widerrechtliche Struktur, keine „formale“ Verschwoerung, nicht den einen „Kapitaen“. Die Hierarchien sind klar.
    Das vesteht sich von selbst – da versteht man sich – auch frau.

    • Sascha Pommrenke sagt

      Zur Nachweisbarkeit: Ich stimme Ihnen voll zu.
      Gegenangriff: Auch hier stimme ich zu. Das war im Übrigen auch der Grund, warum ich mich überhaupt eingehender mit dem Fall beschäftigt habe. Ich habe da eine persönliche Grundregel (Regel nicht Gesetz): Schreibt Spiegel Online einen aggressiven Artikel gegen etwas, dann ist das Gegenteil davon wahr.
      Das ist natürlich schlimm vereinfacht, aber es zeigt an, dass Spon zu einem großen Teil ausschließlich ein Organ der Public-Relation-Abteilungen von Unternehmen und Politik geworden ist. Man könnte Spiegel Online auch in Lobby Online umbenennen.
      Angst: Ich halte Angst für einen Kern der menschlichen Motivation. Angst motiviert gewisse Dinge zu tun oder zu lassen. Wer Angst erzeugen kann, kann Menschen beeinflussen. Wer vor Angst schützen kann, kann Menschen steuern. Und wer beides vermag, erst Angst erzeugen und anschließend davor schützen, der bekommt willfährige Untertanen.
      Auch das ist jetzt natürlich schlimm vereinfacht.
      Zur Angst, auch wieder an der Affäre Mollath illustriert, werde ich wohl mal etwas schreiben.
      Vielen Dank für Ihre Kommentierungen. Das ist sehr fruchtbar!

      • Sveo sagt

        „Schreibt Spiegel Online einen aggressiven Artikel gegen etwas, dann ist das Gegenteil davon wahr.“

        Lieber Herr Pommrenke, das ist sehr schön. Und wahr. Dafür schenke ich Ihnen diesen Aphorismus von Nicolas Chamfort (1740 – 1794):

        «Um sich eine richtige Anschauung vom Wesen der Dinge zu bilden, muß man jedes Wort in der dem allgemeinen Gebrauch entgegengesetzten Bedeutung verstehen. Menschenfeind zum Beispiel heißt Menschenfreund; schlechter Franzose soviel wie ein guter Bürger, der seine Stimme gegen gewisse abscheuliche Mißbräuche erhebt; Philosoph ein gradliniger Mensch, der weiß, daß zweimal zwei vier ist usw.»

        Sveo

    • Sascha Pommrenke sagt

      Aktuell arbeite ich an der „Analyse“ des „Täterprofils“ Mollaths selber. Und zwar ganz nach „Aktenlage“, zumindest eben soweit zugänglich. Auch das wird hoffentlich sehr erhellend sein.

      Das Interview mit Leipziger sowie andere Lapp-Artikel und der Spiegel Beitrag von Lakotta verarbeite ich zeitgleich in einem anderen Beitrag. Der ist allerdings dermaßen umfangreich geworden, dass ich wohl eine andere Veröffentlichungsform suchen werde.

  15. EineFrau sagt

    Hallo Sascha Pommrenke,

    vielen Dank für den Artikel, den ich nicht nur im Hinblick auf Mollath sondern auch für andere Systeme und Situationen für sehr illustrierend und erhellend empfinde.
    Sie bringen da einiges m.E. allgemeingültiges gut auf den Punkt.

    Da ich ihn in den letzten Wochen schon mehrmals weiterempfohlen habe, möchte ich Ihnen im Zusammenhang mit den (Massen-)medien und dem Diktum Niklas Luhmanns
    („Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“ ) mein persönliches Diktum mit einer ähnlichen und doch einer etwas anderen Note weiterschenken:

    „(Massen-)medien machen unser Bild von der Wirklichkeit.“
    Durch gute Blogs u.ä. verschiebt sich für einen kleinen interessierten Teil die Rolle der weg von den Massenmedien hin zu Spezialistenmedien.

    Bei einem TV-Sender arbeitend, hat mich anfangs sehr gewundert und fasziniert, dass für viele das WER? viel wichtiger als das WAS? und das WIE? war. Auch das erklärt Ihr Artikel mit den Referenzgruppen/Zirkeln.
    DANKE.

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