Fall Mollath
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Mollath – verrückt oder nicht?

Die folgende Analyse ist vor allem als Plädoyer für eine differenziertere Betrachtung der Persönlichkeit Mollaths zu verstehen. Zahlreiche Artikel in Leitmedien glänzen mit unfassbarer Unkenntnis des Falles. Gleichzeitig schlagen sie sich jedoch auf die Seite der Gutachter. Warum dies so ist, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden, wird aber in einem der kommenden Artikel aufgezeigt. Ist Gustl Mollath nun wahnhaft? Oder ist er ein geistig völlig gesunder Bürger, der weggesperrt wurde? Diese dichotomen, extremen Standpunkte nehmen allerdings lediglich Manipulateure ein. Auf der einen Seite sind es verschiedene Journalisten als Öffentlichkeitsarbeiter von Psychiatern, Richtern, Staatsanwälten und Politikern, die behaupten, Mollath sei selbstverständlich – weil nachgewiesen – irre. Und auf der anderen Seite sind es Agitateure, die versuchen Gustl Mollath für „ihre Sache“ zu vereinnahmen. Seien es nun Psychiatrieerfahrene, eine Anti-Psychiatrie-Bewegung, vermeintliche Whistleblower, Maskulisten oder sonst irgendwie Gedemütigte.1 Will man den Fall jedoch versachlichen, bedarf es einer gelasseneren Sicht auf Mollaths Psyche.

Im Fall Mollath spielen die Gutachten der Psychiater eine gewichtige Rolle. Auch wenn es aus wissenschaftlicher Perspektive zu bedauern ist, dass die Gutachten nicht veröffentlicht wurden, so ist es doch auch sehr nachvollziehbar, dass der Betroffene aufgrund der zu vermutenden intimen Details wenig Interesse an einer allgemeinen Zugänglichkeit hat. Umso frappanter erscheint es, dass Beate Lakotta vom Spiegel offensichtlich Einsicht in die Gutachten erhalten hat und daraus zitiert.

Die Gutachten Leipzigers und Kröbers beziehen sich hauptsächlich auf die Aktenlage, da Gustl Mollath sich einer Exploration verweigert hat. Selbstverständlich gingen wohl auch Beobachtungen in das Leipziger-Gutachten mit ein. Der Interpretationsspielraum bei Verhaltensbeobachtungen ist allerdings immens. Ohne eine Kenntnis der Motivation des Verhaltens, ohne eine Kenntnis der subjektiven Deutungen und Sinnzuschreibungen des Probanden sind Verhaltensdeutungen hochgradig spekulativ. Erinnert sei hier an das Beispiel mit der Kernseife. Ähnlich verhielt es sich bei Beschimpfungen Mollaths, der angeblich zusammenhanglos die Pfleger als Terrortruppe bezeichnete. Offensichtlich kann es bei Interpretationen von Interaktionen zu Fehldeutungen kommen oder, schlimmer, zu Manipulationen. Denn ohne Begründungszusammenhang, hergestellt durch die Erklärung der Wahrnehmung des Probanden, sind die Deutungen der Gutachter und Pfleger nicht nachvollziehbar und müssen einfach geglaubt werden.

Nachvollziehbar sind hingegen die Deutungen aufgrund der „Schreiben des Angeklagten“, denen eine herausragende Rolle bei der Begutachtung zukommt. So steht im Urteil vom 8. August 2006 auf Seite 20:

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Beate Lakotta schreibt ebenfalls, sie habe versucht „Argumente aus den Gutachten [hervorzuheben], etwa die Bewertung von Form und Inhalt von Mollaths Schreiben als einschlägig pathologisch.“ Auch Leipziger verweist im Interview mit dem Nordbayerischen Kurier auf das „Aktenstudium“, also die Unterlagen inklusive der Briefe. Nicht zuletzt wird in der „Stellungnahme des Kommunalunternehmens Kliniken und Heime des Bezirks Oberfranken zum ‚Fall Mollath’“ ebenfalls auf die Auswertung des Aktenmaterials wert gelegt.

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Insofern ist es naheliegend, die Schreiben Mollaths eingehender zu überprüfen. Zumal nicht unerhebliche Kritik darauf abzielt, dass Mollath ja nun doch wahnhaft sei, was man schon an seinen Schreiben erkennen könne, und dass die „Mollath-Unterstützer“ auf seinen Wahn reinfallen würden.

Das grundlegende Verständnis der nachfolgenden Ausführungen zu den Schreiben und Unterlagen wird nachvollziehbarer, wenn man sich einige fundamentale Erkenntnisse der Sozialwissenschaften vergegenwärtigt. Paul Watzlawick hat, wie so häufig, auch hier einen treffenden Aphorismus formuliert:

 „Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.“

Was Watzlawick hier unterhaltsam andeutet, ist, dass unsere Wahrnehmungen und Interpretationen gerichtet sind. Das Werkzeug, das uns zur Verfügung steht, richtet unsere Wahrnehmung. In den Sozialwissenschaften, also auch in der Psychiatrie, ist das Werkzeug der Wissenschaftler die Sprache. Und es ist eben diese (Fach-)Sprache, die die Wahrnehmung richtet. Die Fachsprache entwickelt sich in einer langen Traditionslinie. Unzählige Erkenntnisse früherer Generationen gehen in die Begriffe ein. Dieser sich entwickelnde Denkstil ist in jedem Denkkollektiv vorhanden. Spezifische Begriffe bedeuten auch spezifische Deutungsmuster. Und das wiederum bedeutet auch einen gewissen Denkzwang. Die Art und Weise des Denkens und Wahrnehmens wird im Kollektiv tradiert. Und wer in diesem Kollektiv sozialisiert wird, kann sich der Art und Weise des Denkens auch nicht entziehen. Wer also nur einen Hammer hat, wird auch nur Nägel sehen.

 „Der Denkstil besteht, wie jeder Stil, aus einer bestimmten Stimmung und der sie realisierenden Ausführung. Eine Stimmung hat zwei eng zusammenhängende Seiten: sie ist Bereitschaft für selektives Empfinden und für entsprechend gerichtetes Handeln. Sie schafft die ihr adäquaten Ausdrücke: Religion, Wissenschaft, Kunst, Sitte, Krieg usw., je nach Prävalenz gewisser kollektiver Motive und der angewandten kollektiven Mittel. Wir können also Denkstil als gerichtetes Wahrnehmen, mit entsprechendem gedanklichen und sachlichen Verarbeiten des Wahrgenommenen, definieren.“2

Wird also ein Psychiater beauftragt ein Gutachten zu erstellen, erfolgt seine Wahrnehmung und Deutung innerhalb des Bezugsrahmens seines (durch das Wissenschaftskollektiv geprägten) Denkstils. Wird die Wahrnehmung eines Zusammenhangs dann noch zusätzlich in bestimmte Bahnen gelenkt, wird es umso schwerer, sich von Interpretations- und Denkzwängen zu distanzieren. Die ärztliche Stellungnahme von Frau Krach ist dazu durchaus geeignet. Ebenso wie die jeweiligen vorhergehenden Gutachten, die die Wahrnehmung der nachfolgenden Gutachter richten. Wenn man nun also von einem wahnhaften Probanden ausgeht, wird man auch die Akten entsprechend bewerten: Hammer und Nägel.

Die Schriftstücke

So verweist Kröber im telepolis-Interview auf eine besondere Schreibweise Mollaths.

Hans-Ludwig Kröber: Das Eigentümliche ist, dass Mollath das als eigene Angelegenheit erlebt, als seine persönliche Bedrohung, für die er ins Gefängnis gehen will, als Unrechtsstaat, den er mit „SS“-Runen charakterisiert.

Eine solche Schreibweise3 findet sich in der Kommentierung bzw. den Angaben zur Hausdurchsuchung. Die Polizei hatte das Haus Mollaths nach scharfen Waffen durchsucht, nachdem seine Ex-Frau einen entsprechenden denunziatorischen Hinweis platziert hatte.

So vermerkt Mollath in den Angaben:

Ganz wichtig war den Beamten zum Abschluß, die Unterschrift von mir zu bekommen, dass ich diesen „Überfall des rechtSStaates als richtig und korrekt absegne, zum Glück hatte ich die Kraft zu widerstehen.

Nun kann man die entsprechende Stelle so deuten, wie es Kröber angeboten, wenn auch nicht ausgesprochen, hat. Implizit soll es natürlich bedeuten, dass die BRD selbstverständlich kein Unrechtsstaat ist und dass der Vergleich bzw. die Gleichsetzung mit dem NS-Regime, symbolisiert durch die Schreibweise mit SS-Runen, bereits auf wahnhaftes Denken schließen lasse. Das ist jedoch nur eine Interpretationsmöglichkeit. Zumal diese auch noch aus dem Kontext einer als Unrecht erfahrenen Hausdurchsuchung gerissen wird. Und was es bedeutet, wenn jemand in den Intimbereich eines Menschen eindringt, sollte Kröber wissen. Insofern ließe sich die Schreibweise als Reaktion auf eine hochgradig belastende und als Willkür erlebte Situation deuten. Wer wütend ist, mag sich zu unangemessenen Handlungen hinreißen lassen. Wollte man wirklich verstehen, wie es zu solchen Schreibweisen kommt, müsste man natürlich weiter recherchieren oder nachfragen. Es ist wohl nicht zu viel spekuliert, dass man solche Schreibweisen häufiger finden könnte. Und hier muss man nicht pathologisieren, sondern kann diese Symbolisierung auch als von allen schnell verstandenen Ausdruck für ein auf Gewaltherrschaft beruhendes Unrechtsregime erkennen. Wie schon beim Thomas-Theorem beschrieben, geht es dabei überhaupt nicht darum, ob die BRD nun ein Unrechtsregime ist, sondern es geht darum, dass es von Menschen so erlebt werden kann. Gerade im Zusammenhang mit völkerrechtswidrigen Kriegen (Mollath engagierte sich in der Friedensbewegung) kann ja durchaus der Eindruck entstehen, dass sich nicht am Recht orientiert wird, sondern dass gewisse Politeliten mithilfe von Gewalt herrschen. Auch das könnte ein Kröber mit einer kommunistischen Vergangenheit wissen. Insofern könnte man Mollath vorwerfen, nicht genügend zu differenzieren und auch das NS-Regime zu verharmlosen, aber das wäre natürlich ein moralischer Vorwurf und kein Bestandteil einer Psychopathologie.

Besonders häufig werden seine „wirren“ Briefe hervorgehoben. Im Folgenden ein Beispiel:

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Anhand des Schriftbildes lässt sich herauslesen, dass es unkonventionell bzw. nicht normal ist. Es werden unterschiedliche Schriftgrößen verwendet, die auf die Impulsivität des Affekts beim Schreiben hindeuten. Es finden sich sprunghafte Gedankengänge, der Schreiber scheint Schwierigkeiten zu haben sich auf das zentrale Anliegen zu fokussieren. Die Abschweifungen und der hochgradig assoziative Stil deuten wieder auf eine geringe Impulskontrolle, eine verkürzte Aufmerksamkeitsspanne und über die Maßen engagierte Gedankengänge. Besonders sticht die maßlose Übertreibung hervor, wenn von der größten Schwarzgeldverschiebung in die Schweiz die Rede ist. Dies scheint auf ein narzisstisches Größenselbst schließen zu lassen, denn offensichtlich ist es die eigene Grandiosität, die diese Verschiebung aufdeckt.

So oder so ähnlich sieht es dann wohl aus, wenn man pathologisieren will. Wenn man von einem wahnhaften Autoren ausgeht (zur Erinnerung: Hammer und Nägel).

Ist es denn anders zu deuten? Der unkonventionelle Schreibstil soll möglicherweise schlichtweg Aufmerksamkeit erregen, was er ja auch zweifelsohne tut. Die sprunghaften Gedankengänge sind in der Tat befremdlich. Deutet dies nun darauf, dass hier jemand „nicht bei der Sache“ bleiben kann? Dass die Affekte, so sie denn bewusst werden, nicht kontrolliert werden können? Oder bedeutet das, dass sich hier jemand mehr oder weniger bewusst den gesellschaftlichen Konventionen widersetzt? Möglicherweise ist es auch eine spezielle Art von Humor, die sich durch assoziativ-wirkende Einschübe auszeichnet. Denkbar ist hier vieles.

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Wie kann ein normal denkender Bürger nur auf die Idee kommen, man könne in seinem Anliegen den Ministerpräsidenten höchstselbst anschreiben. Zumal der doch gar keinen Einfluss auf die Judikative nehmen darf. Auch hier scheint ein Mangel an Realitätsabgleich beim Autoren vorzuliegen. Die These, dass es sich hierbei um pathogenen Narzissmus handelt, scheint sich zu bestätigen. Der „größte und dreisteste Schwarzgeldverschiebungsskandal“ ist eine haltlose Übertreibung. Der Superlativ dürfte der Wahrnehmungswelt des Autoren entsprechen, der sich selbst als superlatives Größen-Ich erlebt. Deshalb kann er auch direkt mit dem Ministerpräsidenten in Kontakt treten. Er versteht sich mit dem Ministerpräsidenten auf Augenhöhe.

Anders deutbar?

Aber sicher doch. Dass Stoiber hier kontaktiert wird, kann ja kaum gedeutet werden. Schließlich ist der Ministerpräsident ja auch Repräsentant seiner Bürger. Und da der Autor offensichtlich ein Anliegen vorträgt, das im Interessensbereich vieler Bürger liegen dürfte, ist auch der Adressat durchaus logisch zu begründen. Die Überhöhung des Steuerskandals scheint allerdings tatsächlich auf ein narzisstisches Bedürfnis zurückzugehen. Vorausgesetzt natürlich, es ist nicht wirklich der größte Skandal, aber davon ist erst einmal nicht auszugehen. Allerdings ist Narzissmus nun mal nicht grundsätzlich pathologisch. Möglicherweise wird die Übertreibung hier auch als Stilmittel eingesetzt, um endlich Gehör zu bekommen. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass der Autor sich tatsächlich in die Annahme des „größten Schwarzgeldverschiebungsskandals“ reinsteigert.

Es überrascht allerdings, dass das „unrechtsstaatliche“ Handeln gar nicht mit SS-Runen geschrieben ist. Kann der Autor doch differenzieren?

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Es wäre auch hier wieder ein Einfaches, sich zusammenhanglos etwas herauszugreifen, um es zu pathologisieren. Es ist selbstverständlich völlig falsch hier von Isolationshaft zu reden. Aber ist das Ausdruck eines wahnhaften Erlebens der realen Umstände oder ist es die Übertreibung eines mittlerweile völlig verzweifelten Bürgers? Ist hier ein Wahn herauszulesen oder ist hier ein Mensch, der an der Realität verzweifelt? Ich halte beides für wenig richtig. Mir scheint der Autor dermaßen engagiert, dass sein Denken zunehmend phantasiegesättigt wird und damit zwangsläufig wenig realitätsangemessen. Nur; warum ist das so? Handelt es sich um eine endogene Psychose oder sind die Gefahren, denen sich der Autor ausgesetzt sieht, maßgeblich? Ist das Denken logisch begründbar, wenn auch nicht logisch begründet?! Isolationshaft mag ein übertriebener Begriff sein, aber darf man gestresste, sich in Alarmreaktion befindliche und auf Abwehr getrimmte Personen beim Wort nehmen? Wie würde denn ein völlig gesunder Mensch klingen, der zu Unrecht eingesperrt wurde und dem nicht zugehört wird, was er zu sagen hat?

Besonders relevant ist im obigen Schreiben die „wahnhafte Ausweitung“ der Beschuldigungen und Verdächtigungen. Was hat es mit dem Rotary- und Lions-Club auf sich? Hier sind die ersten Anzeichen auf paranoide Gedankengänge auszumachen. Eine Verschwörung verschiedenster Kreise und alles im Zusammenhang mit dem Autor und dem Schwarzgeldverschiebungsskandal. Paranoides Umdenken, Verschwörung von Schwarzgeldkreisen und Größenphantasien sind die zentralen Merkmale, mit denen Gustl Mollaths Wahn beschrieben wird. Dabei sind gerade die Gedanken zu Schwarzgeldkreisen und zu Verschwörungen keine paralogischen Vorgänge. Über Nürnbergs seltsame Rotarier berichtete auch die Süddeutsche Zeitung und hier gibt es nun wahrlich dermaßen viele persönliche Kontakte und Vernetzungen, dass es zwar übertrieben erscheinen mag, von Kreisen und Verschwörungen zu sprechen, dass diese Gedankengänge aber keineswegs völlig abwegig sind. Genau genommen bedürfte es durchaus der einen oder anderen Überprüfung der Beziehungen, um Klarheit über einige Behauptungen Mollaths zu bekommen.

Ich habe an anderer Stelle bereits aufgezeigt, dass es keiner Verschwörung bedarf, um die Vorgänge zu erklären. Aber, es ist selbstverständlich nachzuvollziehen, wenn andere Menschen zu anderen Schlüssen kommen. Ohne genaue Kenntnisse von den Zusammenhängen bleibt vieles spekulativ. Es ist legitim, auch über Verschwörungen nachzudenken. Es ist völlig illegitim, diese von vornherein als nicht existent zu behaupten. Die Begrenzung des Denkens, die Tabuisierung von Themen, hat lediglich eine Herrschaftsfunktion: sie beschützt vorm Diskurs. Meines Erachtens ist die Ausweitung des Wahns mit solchen Fragen und Hinweisen Mollaths nicht im Geringsten zu begründen. Die Vorstellung, es gebe Elitezirkel, die sich gegenseitig Vorteile verschaffen, ist ja nun nicht wirklichkeitsfremd.

Auf ein weiteres Schreiben von Mollath wird auch immer wieder eingegangen, und zwar auf einen Brief an den (damaligen) Amtsgerichtspräsidenten Nerlich und den Richter Eberl.

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Das Verschwörungsthema wird weiter ausgebaut. Jetzt soll also auch noch die Familie Diehl im Skandal verwoben sein. Nicht nur die Ausweitung des Verschwörungsglaubens kann hier herausgelesen werden. Hier kann auch erkannt werden, dass sich Mollath immer weiter von der gesellschaftlich akzeptierten Realität entfernt. Plötzlich ist auch von Mord die Rede. Und damit nicht genug verfällt er in die Destruktivität der Ideale: Alles oder Nichts bzw. Gerechtigkeit oder Tod. Hier soll wohl der „tragische Held“ konstruiert werden, der lieber als Märytrer stirbt, denn seine Ideale aufzugeben. Nicht umsonst bemüht der Gutachter Pfäfflin in seinem Gutachten Michael Kohlhass der nach dem Motto handelte: „Es soll Gerechtigkeit geschehen, und gehe auch die Welt daran zugrunde!“

 „In der wahnhaften Entwicklung wird der Kreis derer, die in das Unrechtssystem einbezogen werden, ausgeweitet, so dass immer mehr Personen als Verfolger bzw. als an dem Unrechtssystem aktiv Beteiligte identifiziert werden. Diese Ausweitung findet sich auch bei Herrn M.“

Schließlich sei es undenkbar, dass die Firma Diehl in irgendeine Form von Korruption verwickelt sei. Inwiefern die Familie Diehl oder auch andere äußerst bekannte Familien und Persönlichkeiten, die Gustl Mollath genannt hat, tatsächlich in die Steuerhinterziehungen verwickelt sind, müsste ermittelt werden. Eine pauschale Unglaubwürdigkeit zu unterstellen würde vor allem etwas über die Naivität und damit auch Realitätsferne von Gutachtern aussagen. Dennoch muss man natürlich konstatieren, dass die Art und Weise der Schreiben Gustl Mollaths, es den Gutachtern sehr einfach macht, wenn man ihn denn pathologisieren wolle.

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Die explizite und aggressive Sprache deutet wieder auf einen zunehmenden Verlust der Impulskontrolle. Wichtiger ist hier jedoch, die erstmalig klar verschwörungstheoretische Argumentation. Waren es bisher immer logisch, wenn auch nur in einer inhärenten Logik, nachvollziehbare Argumentationen, versteigt sich Mollath an dieser Stelle deutlich in absurde Zusammenhänge. Die Dollarnoten, die mit umstrittenen Symbolen gespickt sind, sind ein immer wiederkehrendes Objekt verschiedenster Verschwörungstheorien.

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Quelle

Die Aussagekraft ist im von Mollath erwähnten Zusammenhang völlig irrelevant. Warum erwähnt er es dann? Was will er damit sagen? Hier scheint mir ein deutlicher Hinweis auf distanzlose und Unterschiede nivellierende Logik der Emotionen vorzuherrschen. Im Empfinden ist alles eins, weshalb es auch im Brief nebeneinander stehen kann, ohne dass es etwas mit der Realität zu tun hätte.

Andererseits sind diese Verschwörungstheorien weit verbreitet und schon deshalb wenig geeignet, von echten paranoiden Wahnvorstellungen auszugehen. Gerade auch im Zusammenhang mit Friedensdemonstrationen gegen den Irak-Krieg mag es nicht fern liegen, dass aus der berechtigten Kritik an einem Angriffskrieg eine antiamerikanische Grundstimmung wird, die sich auch an verschwörungstheoretischen Symbolen aufheizt. Korrekturbedürftig? Ganz sicher! Wahnhaft? Nicht zwangsläufig!

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Immer wieder die absoluten Übersteigerungen und Überbewertungen. Dieses „drüber“ über den normalen Wahrnehmungen, diese „Über“-Interpretation der Realität habe ich an anderer Stelle als zentrales Merkmal von Verschwörungsdenken beschrieben.4 Und Verschwörungsdenken ist erst einmal nichts anderes als eine mögliche Geschehenserklärung, wo einem keine bessere oder befriedigendere zur Verfügung steht. Da die von Gustl Mollath angezeigten Straftaten nicht verfolgt und aufgeklärt werden, zieht er eben andere Erklärungsmuster als die ansonsten zur Verfügung stehenden heran. Die sind nicht besonders realitätskongruent, jedoch ist ja auch das Verhalten der Ermittlungsbehörden nicht besonders realitätskongruent. Ist eine kranke Reaktion auf krankmachende Situationen noch mit „krank“ korrekt beschrieben? Die Übertreibungen Mollaths führen dazu, dass er zu Teilen unglaubwürdig wird. Doch muss ein Psychiater in der Lage sein herauszustellen, welche Anteile in den tatsächlichen Begebenheiten begründet sind und welche wahllos und motivationslos erscheinen. Auch wenn die Vorträge Mollaths sprunghaft und übertrieben sind, so sind sie doch immer auf die realen Geschehenszusammenhänge bezogen und in ihnen logisch begründbar.

Der Brief an den Papst zum Austritt aus der katholischen Kirche zeigt auf, dass Mollath grundsätzlich eine andere Realitätswahrnehmung aufweist, als viele andere Menschen.

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Es ist selbstverständlich absurd, dass der Papst persönlich Gustl Mollath eine Bestätigung über den Kirchenaustritt zukommen lässt. Müsste das nicht jedem Bürger mit gesundem Menschenverstand klar sein? Mag sein. Andererseits; warum soll man dem Papst eigentlich nicht direkt schreiben? Was spricht dagegen? Gesellschaftliche Konventionen? Und wenn schon. Das Durchbrechen und Ignorieren gesellschaftlicher Werte und Normvorstellungen darf keine Begründung für die Psychiatrisierung von Menschen sein.

Besonders kompliziert wird es beim Brief an Theodor Heuss, der zu diesem Zeitpunkt schon etwa 40 Jahre tot ist.

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Handelt es sich hierbei um ein Schriftstück, verfasst während eines psychotischen Schubes? Ist dieser Brief Zeugnis einer wahnhaften Episode? Schon die Absenderzeile lässt am Verstand des Autors zweifeln. Im Jahre 2003 wird der Brief aus „West-Germany“ versendet? Adressat ist „PAPA Heuss“. Auch das spricht nicht für allzu viel Realitätsbezug. Der Inhalt ist auch nicht gerade geeignet, um auf schlüssige, konsistente Gedankengänge zu verweisen. Möglicherweise handelt es sich bei dem Schreiben um Satire. Aber auch Satire, wie jede Form der Kommunikation, muss vom Empfänger verstanden werden. Und wenn der Absender schon besonders kryptisch formuliert und denkt, dann ist die Wahrscheinlichkeit nicht besonders hoch, dass der Empfänger die Botschaft dekodieren kann. Zumal offensichtlich, der ein oder andere verbindende Gedankengang nicht aufgeschrieben wurde.

Den Chef des Instituts für forensische Psychiatrie der Charité in Berlin, Hans-Ludwig Kröber, erinnern sie [die Schreiben S.P.]] „in Aufbau und Argumentation an entsprechende Schriftstücke psychosekranker Menschen“. Quelle

Das ist natürlich wieder wohlfeil formuliert. Denn die Schreiben erinnern (!) mich auch an eben solche Schriftstücke. Einige dieser Beispiele finden sich bei Leo Navratils „Gesprächen mit Schizophrenen“. Sie sind ähnlich, aber eben nicht gleich. Gustl Mollath erweckt in seinen Briefen den Anschein eines merkwürdigen und sicher auch anstrengenden, weil wenig konventionellen Typen, der häufig die Erwartungen und Erwartungs-Erwartungen durchbricht. Nur macht ihn das nicht gleich zu einem Fall für die forensische Psychiatrie.

Bevor noch einige Anmerkungen zu den Verhaltensbeobachtungen kommen, soll noch auf ein Schreiben vom April 2008 eingegangen werden, das Mollath anlässlich einer Anhörung vor dem Landgericht Regensburg verfasst hat. Das gesamte Schreiben wirkt arg konstruiert. Da ist die Staatsanwältin im gleichen Golfclub wie die Eltern seiner Exfrau. Tennis spielt die Staatsanwältin im Postsportverein, wo diese auf den Anwalt seiner Exfrau trifft, der wiederum ein sehr guter Freund des neuen Mannes der Exfrau ist. Es ist ein leichtes, hiermit die Wahnerweiterung zu begründen. Hyperlogisch werden Beziehungen konstruiert, und seien diese auch über mehrere Ecken. Hinzu kommen noch ganze Gruppen wie die Rotarier. Die Verschwörung weitet sich aus, ohne dass von einem Außenstehenden die gleichen Zusammenhänge erkennbar wären.

Mittlerweile ist die HypoVereinsbank auch zu einem Symbol und einem Code für Mollath geworden, auf den er reflexhaft reagiert. So hat Dr. Lippert ein Konto bei der HypoVereinsbank, was Mollath ausreicht, um ihn ebenfalls als Teil der Verschwörung zu betrachten. Hinzu kommt noch: die „Seilschaft der ‚Kumpels‘ reicht überall hin.“ Mittlerweile ist hier durchaus eine problematische Wahrnehmung zu erkennen. Nur stellt sich unwillkürlich die Frage, ob dies nicht bereits Ergebnis einer Zwangspsychiatrisierung ist, denn das Schreiben datiert ja auf April 2008. Wenn Menschen aus der gemeinsam geteilten Realität ausgeschlossen werden, darf man sich nicht wundern, wenn diese eine eigene Realität konstruieren. Ihnen bleibt ja gar nichts anderes übrig.

Und es stellt sich ebenfalls die Frage, ob alle Beziehungskonstellationen, die Mollath aufführt, wirklich konstruiert sind. Sie klingen zwar implausibel und geradezu paranoid. Nur; weil man sich selbst diese Beziehungsnetzwerke nicht vorstellen kann, heißt es ja nicht, dass sie nicht existieren.

Verhaltensbeobachtungen

Dank einiger weniger veröffentlichter Dokumente, gibt es auch die Möglichkeit, einige Verhaltensbeobachtungen zu überprüfen, bzw. diese in die eigene Analyse einfließen zu lassen.

So finden sich in der „Stellungnahme zum zurückliegenden Berichtszeitraum seit dem 18.12.2012“ des BKH Bayreuth einige Hinweise.

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Wer solche Verhaltensbeschreibungen abgibt, muss sich schon Fragen nach seinen eigenen Einstellungen gefallen lassen. Hier wird jemand zwangspsychiatrisiert, unabhängig davon, ob dies nun richtig oder falsch ist, und der zuständige Psychiater hält es für besonders erwähnenswert, dass das Sozialverhalten deutlich unangemessen ist? Abwertungen und Beleidigungen vor Dritten? Wenn es nicht so zynisch wäre, würde es einem glatt die Sprache verschlagen. Wenn Unrecht geschieht, ist die Empörung selbstverständlich. Sowohl zur Psychohygiene als auch als moralischer Imperativ. Alles andere wäre gestört. Das Normalitätskonstrukt, welches das BKH hier implizit anführt, ist dermaßen reaktionär, dass einem angst und bange werden kann. Niemand möchte abgewertet werden und niemand sollte abgewertet werden. Doch gilt dies nicht auch für Mollath selbst?

Noch unverschämter ist der Hinweis auf anankastische Alltagsgestaltung. Das muss man mehrmals lesen, um es zu glauben. In einer totalen Institution entwickelt Mollath eine anankastische Alltagsgestaltung. Ist das nun ein individualpsychologischer Befund, der auf die Pathogenese Mollaths zurückzuführen ist? Oder handelt es sich bei der Beschreibung um den fundamentalen Attributionsfehler. Als nächstes wird dann Psychischer Hospitalismus zum Mollathschen Krankheitsbild erweitert. Der Willkür bei der Beurteilung scheinen hier keine Grenzen gesetzt zu sein.

Das Ganze gipfelt in der Beschreibung des generalisierten Unrechtserlebens. Eine Frage wird künftig zu stellen sein: Entwickelt sich nie, zu keinem Zeitpunkt, eine leise Stimme des Zweifels, dass möglicherweise, vielleicht doch etwas mehr an den Erzählungen Mollaths stimmen könnte? Und wie kann dann die Gesellschaft kriminelle von unfähigen Psychiatern unterscheiden?

Im übrigen sei auf die geschützte freie Meinungsäußerung verwiesen. Was das Grundrecht schützt, kann nicht von Gutachtern gegen die Person verwendet werden.

„Es soll jede Meinung erfassen. Eine Differenzierung nach der sittlichen Qualität der Meinungen würde diesen umfassenden Schutz weitgehend relativieren. Abgesehen davon, daß die Abgrenzung von „wertvollen“ und „wertlosen“ Meinungen schwierig, ja oftmals unmöglich wäre, ist in einem pluralistisch strukturierten und auf der Konzeption einer freiheitlichen Demokratie beruhenden Staatsgefüge jede Meinung, auch die von etwa herrschenden Vorstellungen abweichende, schutzwürdig. Aus diesem Grunde werden auch abwertende Werturteile über andere Personen oder bestimmte Geschehnisse oder Verhältnisse durch Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG gedeckt, soweit nicht eine der Schranken des Art. 5 Abs. 2 GG eingreift.“ Quelle

 

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Mollath entwickelt aufgrund seiner Störung eine generalisierte Misstrauenshaltung. Inwiefern kann man von ‚generalisiert‘ in einer totalen Institution sprechen? Dort ist nun mal alles total. Und so selbstverständlich, innerhalb jeder Logik, auch das Misstrauen. Und wenn jemand entgegen seinem Rechtsempfinden eingesperrt wird, ist das Misstrauen dann nicht das normale? Auch hier kann man nur von einem Konstrukt sprechen. Was für eine Erwartungshaltung und was für ein Menschenbild hat der Autor solcher Stellungnahmen? Es ist äußerst bedauerlich, dass Mollath sich so sehr zurückzieht und es ist langfristig sicherlich auch nicht besonders gesund. Nur; an dieser Entwicklung trägt Mollath nun reichlich wenig Schuld. Wer total kontrolliert wird, der zieht sich zurück.

Die restliche Beschreibung ist wieder weniger eine Beschreibung Mollaths, als vielmehr ein Abarbeiten von Diskreditierungsgründen oder in diesem Fall von Gründen zur Pathologisierung. Zimmerkontrollen, Essen und Hygienemittel werden mittlerweile toleriert, das soll wohl darauf hindeuten, dass es Mollath nur um Querulanz ging und nicht um eine echte Einstellung und Überzeugung. Aufschlussreich ist, dass man dies ja nun genau entgegengesetzt hätte deuten können. Nämlich dass Mollath die Ausweglosigkeit seiner Lage realistisch erfasst und sich deswegen den gegebenen Umständen anpasst.

Der Verweis auf den Umgang mit Geld ist lediglich ein „versteckter“ Hinweis auf die anankastische Persönlichkeit, die sich durch „Sparsamkeit“, um nicht zu sagen Geiz bzw. überbordende Kontrolle (und so auch über Geldausgaben) auszeichnet.

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Hitlerhügel. Immer wieder diese haltlosen und völlig übertriebenen Nazivergleiche. Niemand, der noch klar bei Verstand ist, würde solch haltlose Nazivergleiche machen. Diese implizierten Gleichsetzungen mit dem NS-Regime sind dermaßen absurd und selten, dass man nie auf die Idee käme, hier ein Gesetz zu vermuten: Godwins Law. Es mag sein, dass ein gutbürgerlicher Akademiker niemals auf die Idee käme, solche Nazivergleiche herbeizuführen. Es mag auch sein, dass diese radikalen Vergleiche jeder ernsthaften Grundlage entbehren. Es ist aber ebenso Tatsache, dass diese Vergleiche gang und gebe sind. Sie sind mittlerweile sogar Teil der Popkultur, weswegen „Nazi“ quasi als Suffix für jedwede Bezeichnung verwendet werden kann. Das mag einem nicht gefallen, aber so groß ist das BKH Bayreuth nun auch wieder nicht, um alle Menschen, die haltlose Nazivergleiche anstellen, einzusperren. Inwiefern Mollath diese Bezeichnungen polemisch oder zynisch meint, ist leider nicht zu erfahren. Denkbar ist es allemal.

In einer ergänzenden Stellungsnahme zu den Veränderungen der letzten 10 Tage muss dann plötzlich noch weiter ausgeholt werden.

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Mir ist dieser Abschnitt ehrlich gesagt völlig unklar. Was möchte das BKH damit zum Ausdruck bringen? Was glaubt das BKH eigentlich, worüber es da schreibt? Halten die sich selbst für ein Hotel, wo jede Beschwerde als persönlicher Angriff auf die Integrität verstanden wird? Kann das BKH nicht mit geringster Kritik umgehen? Müssen sich alle Inhaftierten dankbar erweisen und dürfen keine Kritik üben? Ist jeder Gefühlsausbruch, jeder Begriff, der etwas drüber liegt, zugleich immer Beleg für wahnhaftes Verhalten und ein paranoides Gedankensystem? Ist es dann nicht doch die verneinte Totalüberwachung?

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Man könnte nach Aktenstudium auch zu der Erkenntnis gelangen, dass hier massiv alle wichtigen Kriterien „abgearbeitet“ werden, die eine Unterbringung rechtfertigen sollen. Teils mit hanebüchenen Begründungen. Zynisch empfundenen Lächeln? Wer hat das so empfunden und warum? Was genau ist an einem zynischen Lächeln pathologisch? Ist ein hasserfülltes Gesicht gegenüber einem mobbenden Pfleger seltsam? Gibt es dort nicht Pfleger, die in T-Shirts mit Motiven vergewaltigender Prügeltruppen herumlaufen? Ich frage mich wirklich, was man wohl tun muss, um aus dem BKH Bayreuth entlassen zu werden: immer schön lächeln und winken, lächeln und winken?

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Völlig neutrale Dritte in der totalen Institution Psychiatrie, in der Mollath seit sieben Jahren inhaftiert ist? Ich sehe hier kein generalisiertes Erleben von Ungerechtigkeit. Aus sozialpsychologischer Perspektive könnte man ebenso schlussfolgern, dass diese Institution das Denken und Empfinden der Insassen prägt. Vor allem dann, sollte der Insasse tatsächlich zu Unrecht psychiatrisiert sein. Es ist mir völlig unverständlich, wie Psychiater solche Behauptungen aufstellen können, ohne einerseits die besondere Situation ‚forensische Psychiatrie‘ zu berücksichtigen, ohne den Anteil der Pfleger und Ärzte zu berücksichtigen5 und ohne zu versuchen, die Bewertungen und Interpretationen Mollaths nachzuvollziehen. Ohne den Versuch, das subjektive Erleben des zu Beschreibenden zu verstehen, heißt vor allem eines: herrschaftlich über andere Menschen zu bestimmen. Mit moderner Psychiatrie hat das allerdings nichts zu tun, vielmehr mit Verwaltung von Weggesperrten.

Die überexpressive Sprachwahl und die Nazivergleiche scheinen mir auch ungeeignet zu sein, wahnhaftes Wahrnehmen zu behaupten. Wie oben angeführt sind Nazivergleiche nun nicht gerade selten und immer ein probates Mittel, um zu provozieren oder zu polemisieren. Expressive Sprachwahl kann nur ein völlig von der Realität abgewandter Psychiater anführen. Wie gewählt müssen sich denn wütende Menschen ausdrücken? Wie gewählt muss man sich eigentlich in einer Psychiatrie ausdrücken, wenn man meint, zu Unrecht für immer eingesperrt zu sein?

Es lässt sich jedenfalls festhalten, dass zahlreiche Verhaltensbeobachtungen willkürlich gedeutet werden können und dass offensichtlich nicht unerhebliche Ereignisse mit Absicht zu Ungunsten Mollaths ausgelegt werden. Da, wo es um den Kern des wahnhaften Erlebens geht, mangelt es an echten Beobachtungen und man verliert sich in allgemeinen Behauptungen („viele Ereignisse im Stationsalltag“).

Fazit

Zuvorderst kann man festhalten, dass eine Behauptung von zahlreichen Agitateuren nicht haltbar ist, nämlich, dass die Mollath-Unterstützer ausschließlich Material veröffentlicht hätten, das Mollath in gutem Licht dastehen lässt. Die Briefe und Schreiben können ganz im Gegenteil sogar gegen ihn ausgelegt werden.

In einigen Artikeln wird der Versuch unternommen, Mollath als wahnhaft darzustellen. Dazu werden unkritisch offene Formulierungen von Gutachtern geschlossen gedeutet (siehe Beispiel Zeit). Es wird ein Urteil bemüht, das diesen Namen nicht verdient hat und es wird aus alten Gutachten zitiert, als hätten sich keine neuen Erkenntnisse ergeben. Der Belastungseifer und die Konstruktion der Realität ist bei einigen wenigen Journalisten beachtlich. Wäre es nur PR, wäre es schon schlimm genug. Doch es wird zusätzlich auch noch eine Realität und Normalität behauptet, die alle anders Denkenden, alle von einer selbst definierten Norm Abweichenden, als deviant wahrnimmt. Diese Ausgrenzung und Abwertung von Außenseitern durch Medien mit erheblicher Reichweite, gefährden die Demokratie und den Rechtsstaat mindestens genauso, wie eine auf Willkür beruhende Justiz.

Aus dem „Aktenstudium“ lässt sich jedenfalls definitiv keine Psychose herauslesen. Paranoide Wahnvorstellungen können anhand der Akten durchaus konstruiert werden. Doch anhand der Schreiben und Verhaltensbeobachtungen wirkt es stets sehr bemüht, hier wahnhaftes Erleben zu unterstellen. Die Gutachter sind durch gerichtete Wahrnehmung, fixiert auf bestimmte „Trigger“, direkt von einem Wahn ausgegangen und haben, im Anschluss daran, alles so gedeutet, dass es in die einmal vorgefasste Meinung bzw. Stellungnahme passte. In der Annahme, dass es sich bei Mollath nicht um einen Psychopathen handelt, zumindest wurde das so nirgends behauptet, handelt es sich wohl am ehesten um einen narzisstischen Charakter mit radikalen bzw. fundamentalen Einstellungen, oder anders ausgedrückt, mit hohen Idealen, von denen er nicht abzurücken gedenkt. Das ist renitent, das ist anstrengend, möglicherweise auch pathologisch. Aber es ist nicht psychotisch und nicht gefährlich. Mich erinnert er am ehesten, durch seine ständigen Übertreibungen, an einen Pseudologen. Weniger pathologisch ausgedrückt kann man bei Mollath feststellen, dass Kriminalisierung und Psychiatrisierung selbstverständlich zu problematischem Denken, Empfinden und Verhalten führen kann. Es wäre durchaus möglich, dass ein Großteil der problematischen Verhaltensweisen Mollaths im Selbstwertschutz begründet sind. Ebenso wie die Verzerrungen der Realität auch durch self serving bias erklärt werden können. Das hingegen ist nicht pathologisch, sondern ebenso bei Leipziger und Kollegen zu beobachten.

Im Übrigen ist es lächerlich, sich als Psychiatrie auf den Standpunkt zurückzuziehen, es gebe ja keine vernünftige Diagnose, deswegen könne man Mollath auch nicht behandeln. Es ist ja kein Geheimwissen, dass Respekt, emotionale Wärme, Aufmerksamkeit und positive Spiegelung den Selbstwert stärken und Ängste reduzieren helfen. Das mag keine Therapie im psychiatrischen Sinne mit Zielvereinbarungen sein, aber es wäre in sieben Jahren Zwangspsychiatrisierung ja allein aus Gewissensgründen der Verantwortlichen, namentlich Leipziger, angebracht, mal zuzuhören. Aber vielleicht will man ja auch gar nicht hören, was Gustl Mollath zu sagen hat!

  1. Fakt ist, dass es, für eine vornehmlich im Internet geführte Diskussion und Erschließung der Hintergründe, hochgradig sachlich zugeht. Die vermeintlichen Bedrohungen gab es schon immer. Früher wurden sie am Stammtisch ausgesprochen und verhallten somit ungehört. Heute nutzen PR-Profis solche vereinzelten im Internet auftauchenden Äußerungen, um die „Mollathisten“ zu diskreditieren. []
  2. Ludwik Fleck. Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache. Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv. Schäfer, Lothar; Schnelle, Thomas (Hg.). Frankfurt a. M. 1980 S. 130. Hervorhebung im Original. []
  3. auch wenn hier von Rechtsstaat und nicht von unrechtsstaat die Rede ist. []
  4. Erscheint im Herbst []
  5. die offensichtlich frei von Fehlern sind in Bayreuth []

50 Kommentare

  1. rjb sagt

    Ach ja. Das BKH Bayreuth befindet sich, wie man auf einem Stadtplan erkennen kann, nicht sehr weit vom „Grünen Hügel“ mit dem Wagnerschen Festspielbau, der ja nun einen gewissen historischen Bezug zu Hitler zweifelsfrei hat. Mag sein, daß Mollaths Ausdruck „Hitlerhügel“ von diesen örtlichen Gegebenheiten inspiriert wurde.

    Das Schreiben an „Papa Heuss“ – offenbar hatte Mollath vorgedrucktes Briefpapier. Da der Briefkopf eine fünfstellige Postleitzahl enthält, kann es frühestens 1993 gedruckt worden sein; aber vielleicht auch nicht später, und die Einführung dieser Postleitzahlen war damals ein Aufregerthema (muß eine glückliche Zeit gewesen sein, in der solch relativer Kleinkram ein derartiges Maß an emotionaler Zuwendung fand). Es gab da auch allerhand Verwirrung um diese neuen Postleitzahlen, und vorher waren die O- bzw. W-Zusätze in Gebrauch. Kann sein, daß das „West Germany“ in Mollaths Adreßaufdruck sich diesen Umständen verdankte. Andersherum: Bevor man anfängt, aus so etwas Schlußfolgerungen über Mollaths Seelenzustand zu ziehen, müßte man erst einmal nachforschen, wie es eigentlich zustandegekommen ist.

    Der Inhalt des Briefs ist jedenfalls vollkommen schlüssig: Heuss gehörte (bevor er Bundespräsident wurde) der FDP an; geschildert wird eine Szene im Bundestag, Redner Westerwelle (FDP), Zwischenrufer Ströbele (Grüne) wirft etwas über das Völkerrecht ein (es ging wohl um einen Bundeswehreinsatz oder dergleichen), Westerwelle entgegnet, er, W., habe eine Ausbildung (W. ist Rechtsanwalt) aufgrund derer er das Völkerrecht besser kenne, Ströbele hingegen habe nur einen Führerschein. Tatsächlich ist aber Ströbele ebenfalls Rechtsanwalt, weshalb Mollath fragt, mit welchem Führerschein man dies werden könne. Der mit dem Führerschein (bzw. Taxischein) war hingegen der damalige Außenminister Fischer, ebenfalls Grüner, und Westerwelle habe wohl, so stellt Mollath es dar, Ströbele und Fischer verwechselt. Dann kommt ein bißchen Taximetaphorik (Fischer als Lenker des „Taxis Deutschland“), und dann die Schilderung der Begegnung mit dem älteren Herrn und Verweis auf den Abstieg, den die FDP von Heuss zu Westerwelle genommen habe. Mollaths Sichtweise teile ich persönlich in verschiedener Hinsicht nicht, aber seine Darstellung ist in der Gedankenführung absolut kohärent und hat mit einem psychotischen Schub oder dergleichen nun wirklich nichts zu tun; bzw. sollte es für einen Gutachter, der solcherartiges zusammenspintisiert, das letzte Gutachten gewesen sein.

    • Sascha Pommrenke sagt

      Meine Assoziationen waren eher in Richtung Feldherrenhügel –> GröFaz –> Hitlerhügel. Aber es wird ja schon sehr deutlich. Man kann viel reindeuten. Ohne die Erklärungen Mollaths, kann die Deutung von außen völlig daneben liegen.

      Der Brief an Heuss ist außerordentlich unkonventionell. Vor allem die verkürzten Einordnungen. „Normalerweise“ oder erwartungsgemäß werden die Einordnungen lokal, temporal, modal, kausal in Nebensätzen ergänzt. Dies fehlt hier häufig, was einen assoziativen Anschein erweckt.

      Allerdings, und das muss man eben auch ergänzen: die Bild (z.B.) pflegt diesen Stil ja nun auch.

  2. Themis sagt

    Vielen Dank für diese sorgfältige Analyse. Ich möchte nur auf eines hinweisen, das meines Erachtens in den verschiedenen Stellungnahmen zu Mallaths Wahn bisher völlig untergegangen ist, und das ist sein inzwischen gut dokumentierter köstlicher Galgenhumor. Wenn er vor dem Untersuchungsausschuß gesagt haben soll, die Unterbringungskosten im BKH Bayreuth stünden „in keinem Verhältnis zum Komfort“, oder wenn man sich das Video von der Buchvorstellung Schlötterers ansieht, wo er hinter dem plötzlich verschwundenen Arzt Dr. Zappe herruft: „Herr Zaaappe! Da schreibt er immer, dass ich so gemeingefährlich bin und jetzt läuft er davon!“, dann weiß man, dass das vor allem ein witziger Mensch ist, und das trotz seiner schier ausweglosen Lage . Witz, Humor und Ironie verlangen kognitive Selbstdistanz und die Fähigkeit zur Metareflexion, die bei einer paranoiden Wahnsymptomatik und insbesondere bei Schizophenie regelmäßig fehlensind. Der Wahnkranke wird typischerweise als humorlos beschrieben, Schizophrene verstehen keine Ironie. Es sind aber vielmehr die psychiatrischen Gutachter, insbesondere der Herr Leipziger, die nicht in der Lage sind, den Witz in Mollaths Äußerungen zu erkennen; vielmehr interpretieren sie diese stur und ihrerseits völlig humorlos als wörtlich zu nehmende Dokumente des Wahnsinns. Etwa wenn Mollath auf die Frage, ob er Stimmen höre, bissig antwortet, er höre eine Stimme, die ihm sagt dass er ein odentlicher Kerl sei, dann deutet das der Psychiater als ganz bedenkliches Symptom, das möglicherweise auf Schizophrenie weist. Man muss sich wirklich fragen, wer da schizophren ist. Wenn man den Witz aus der Äußerung mit dem Komfort des BKH wegstreicht, dann ist das ja auch ein ganz bedenklicher Gedankensprung. Wie kann man so etwas sagen? Weiß der Mann nicht, dass ein BKH kein Hotel ist? Wahnsinn! Was ein Herr Leipziger wohl aus Karl Valentin gemacht hätte?

    • Sascha Pommrenke sagt

      Dir Ursprungsversion des Textes war noch länger. Da dieser Text schon nicht besonders lesefreundlich ist, habe ich einige Stellen gekürzt. Leider war da auch die Stelle mit dem Gewissen bei, denn die ist tatsächlich perfide. Die Umdeutung von Aussagen wird hier besonders deutlich.
      Die Ausführungen zum Humor sind eine wichtige Ergänzung. Ich habe tatsächlich noch nie guten Humor von Schizophrenen gehört – also während einer schizophrenen Episode.

      • Themis sagt

        Nur ein Hinweis: dass Schizophrenie mit einem Defizit in der Wahrnehmung (und daher wohl auch in der Produktion) von Ironie und Humor einhergeht, ist gut untersucht. Vgl. z.B. Joseph Polimeni et al.: Diminished humour perception in schizophrenia: Relationship to social and cognitive functioning, Journal of Psychiatric Research Vol. 44, 2010, 434-440. Das sollte wohl auch die Crème de la Crème der gutachtenden Psychiater wissen. Mollaths Humor ist ein direkter Kontraindikator für ihre Diagnose.

  3. Steffi R. sagt

    Vielen Dank für die Mühe, die Sie sich hier gemacht haben.
    Vielleicht hätte man auch die einzelnen Schreiben separat „betrachten“ können, denn es gibt unzählige Varianten, die man da „interpretieren“ könnte und die hier leider etwas zu kurz kommen.

    Ich hoffe nicht, dass ich mir nun um meine geistige Gesundheit Sorgen machen muss – denn ich habe keine Probleme mit den Schreiben des Herrn Mollath, ich kann den Zusammenhängen folgen und halte die „Gedankensprünge“ nur für diejenigen für problematisch, die gar nicht wissen, worum die ganze Angelegenheit geht – obwohl es möglich ist, wenn man sich diese „Gedankensprünge“ mal einzeln anschaut und weiß, wovon diese „sprechen“, sich alles ineinanderfügt.

    Ich hoffe, es richtig „erfasst“ zu haben und möchte gerne mal darauf hinweisen, dass der angebliche Brief AN Th. Heuss gar nicht an ihn geschrieben ist sondern als

    „offener Brief…..zur Kenntnisnahme an alle liberalen & demokratischen Bürger, G.W & Kanzler Schröder“……..

    Man könnte es auch so beschreiben, dass sich ein Th. Heuss im Grabe umdrehen würde wenn er sehen könnte, was sich in D. entwickelt hat.

    Dass Mollath diese Geldverschiebungsvorwürfe als die „größte usw.“ bezeichnet hat, könnte auch daran liegen, dass er durch das handeln seiner Ex-Frau etwas „hautnah“ miterlebt hat wofür einem normalen Menschen, der so etwas immer nur in den Medien liest, einfach die Vorstellungskraft fehlt……..dass so etwas wirklich passiert…..

    Es gibt noch unendlich viel zu diesen Auszügen der angeblich worren Schreiben zu sagen…….momentan fehlt mir die Zeit aber es wäre eine sehr gute Diskussion.

    • Sascha Pommrenke sagt

      Mein Anliegen war ja lediglich aufzuzeigen, dass es mehrere Deutungsmöglichkeiten gibt. Und auch, um aufzuzeigen, dass Gustl Mollath für viele Menschen eben auch problematische Sichtweisen und Argumentationen aufweist.
      Nur ist eben nicht alles, was man selbst als krank (oder entgegengesetzt als normal) wahrnimmt, auch das, was alle anderen so sehen oder empfinden.

      Gerade der Aspekt des persönlichen Erlebens von Unrecht, den Sie angesprochen haben, ist m.E. tatsächlich zu wenig berücksichtigt. Kaum etwas motoviert Menschen mehr, als das direkte Erleben von Unrecht.

      • Steffi R. sagt

        @ Sascha Pommerenke

        Sie haben das hier sehr gut gemacht ;o) und ich bin auch sehr froh, dass endlich mal jemand genau das angesprochen hat.
        Die ständige Behauptung der „wirren Schreiben“ in allen möglichen Medien hat mir selber schon lange zu denken gegeben und ganz ehrlich, ich hatte Befürchtungen, dass auch ich für verrückt erklärt wären würde, hätte ich schon früher öffentlich bekannt, zu verstehen, was da zu verstehen ist……auch deshalb hatte ich bei dem Kröber-Interview von Herrn Dr. Dill (?) ein merkwürdiges Gefühl…“bin ich verrückt oder der Kröber“?…mangelnder Intellekt kann es doch bei Kröber nicht sein…bei Lakotte schien es möglich…..;o)
        Was die angeblichen „Nazi-Runen“ angeht, die Kröber so sehr befremdlich erschienen……gerade in D, wo schon das Wort „Autobahn“ in den Medien dazu führen kann, dass die Nazikeule rausgeholt wird, halte ich es nicht für abwegig, dass jemand wenn er 10 – 12 Polizisten überfallartig in seinem Haus wüten sieht und gar nicht versteht warum die da sind, dass es mit vergangenen Zeiten assoziiert wird.

        Und zu guterletzt noch zum Schriftbild, dass als Zeichen für Wahn angesehen wird:
        Wie @Themis schon schrieb, ein Mensch, der eher weniger mit Schreibmaschine oder (hier?) mit PC-Schreibprogrammen zu tun hat, kann da schon durcheinanderkommen….er „entdeckt“, dass Schriften größer gemacht werden können um etwas zu verdeutlichen….plötzlich sieht das ganze Schreiben anders aus……

        Nochmals vielen Dank für die interessante Darstellung .

    • Themis sagt

      Mir geht es genauso: ich kann nichts besonders Wirres in diesen Schreiben finden. Wenn z.B. in der beruflichen Weiterbildung Essays zu gesellschaftlichen Themen eingefordert werden, dann bekommt man häufig Texte dieser Art. Sie stammen von Menschen, deren Begabung eher auf der mathematischen, als auf der sprachlichen Seite liegt und die nicht in einem (im weiteren Sinne) geisteswissenschaftlichen Bereich ausgebildet sind oder arbeiten, etwa Techniker und Ingenieure. Sie sind es nicht gewöhnt, Gedankengänge so auszuformulieren, dass die logischen Verbindungen verständlich werden (wie jedermann an der leidvollen Erfahrung mit Gebrauchsanweisungen nachvollziehen kann), so dass ihre Satzfolgen oft sprunghaft und inkonsistent wirken. Es braucht jedoch nur geringe Rekonstruktionsversuche und sehr wenig guten Willen, um Mollaths Schreiben zu verstehen. Die sind doch nicht dadaistisch. Dass man immer dermaßen auf dem Schriftbild herumreitet, scheint mir ebenfalls albern: Großbuchstaben sind eine Möglichkeit, Dringlichkeit und Bedeutung unmittelbar auszudrücken; sie teilen mit, dass der Autor besonders in dieser Hinsicht richtig verstanden werden will und fürchtet, nicht verstanden zu werden. Was ist daran verrückt? Es entspricht nicht den Normen des Essayschreibens, dieses Mittel einzusetzen, na und? Mollath wollte keinen literarischen Essay schreiben, sondern etwas für ihn Wesentliches mitteilen. Ich vermute außerdem, dass auch seine Ausbildung in einer Waldorfschule diesen seinen Stil geprägt hat: dort wird eben mehr Wert auf Expressivität gelegt als auf literarische Raffinesse. Das man aus alledem diesem skurillen, aber sympathischen Kauz einen Strick dreht und die Mär von den „wirren Schreiben an den Papst“ immer weiter tradiert wird, das ist allmählich wirklich skandalös.

      • Euler Hartlieb sagt

        Genau. Ich glaube auch nicht, dass die Mehrzahl derjenigen, die die Maer von den wirren Schreiben pro-aktiv weiter tradieren, selbst daran glauben.
        Sie suchen aus anderen Gruenden und finden dieses, weil so beliebig behaupt- und inerpretierbar.

    • Norddeutsche sagt

      auch hier ein Danke…

      für mich sind die Briefe Mollaths einfach nur ein Hilferuf…Bitte um Gehör…

      wenn niemand zuhört, wird man lauter…Hör doch mal zu!!
      wenn man aber schreibend etwas erklären will und niemand „hört zu“, kann man schlecht schriftlich lauter werden…also werden die entsprechenden Passagen „lauter“ geschrieben…eben in einer größeren Schriftart…

      für mich völlig klar nachvollziehbar…

      wer daraus eine psych. Diagnose stricken will…naja….sollte vielleicht noch Fortbildungskurse besuchen…

      • Euler Hartlieb sagt

        Perfekt. Da schwingt auch immer diese voelilg gestoerte Grundeinstllung mit, wer Emotionen hat, fuehlt, zeigt und sie ernst nimmt, ist eigentlich schon gestoert. Ein unertraeglich, ehemals vorwiegend maskuliner, vom Militaer, Autoritaet, Macht, Disziplin etc. gerne genutzter Topos. Laesst sich, und ist es wert, endlos vertieft zu werden. Da tun sich Abgruende auf, laesst sich aber auch u.a. 3000 Jahre (Gender-)geschichte nachzeichnen.

    • Euler Hartlieb sagt

      „Dass Mollath diese Geldverschiebungen als die „groesste“ usw. bezeichnet hat“ … koennte zudem daran liegen, dass er die Fakten genau kannte, analysierte und frueh benannte: es wurde ja eben von ICIJ/EU/EcoFin/MinFinNRW/Boeckler/TaxJusticeNetwork etc. bestaetigt, dass das Ausmaß der Geldtransfers von weniger als einem Promill der Bevoelkerung und Firmen in Steueroasen noch nie so eine unvorstellbare und bis heute wachsende Groessenordnung hatte (1/3 des Reichtums/50% des Welthandels, und exponentiell wachsende Verteilungsungerechtigkeit und unkontrollierte Macht).
      Die SZ und NDR hat sich dazu 10 Jahre spaeter (!) an einer weltweit spektakulaere Aufdeckungsserie internationaler Journalisten beteiligt (ICIJ mit Le Monde, NJT, Guardian etc.).
      Die HVB/HRE Pleite und Rettung, zu großen Teilen auf schwarzen und großen Teilen unbilanzierten Risikogeschaeften basierend, die Mollath auch andeutete, war die bis dahin groesste in der EU und hat die wichtigsten Banken und Versicherungen Deutschland z.T. refinanziert, mit Bundeshilfe/Steuermitteln (leider unter SPD-Betiligung, was deren Beißhemmung erklaeren koennte).
      Dieses Schwarzgeld wird natuerlich zu relevanten Teilen zur Steuerhinterziehung, fuer dunkle Geschaefte, Kriege inkl. Irak und Afrika, Regimechange und Korruption (nicht nur Karsai bekam sein Schwarzgeld in Geldkoffern – s. SZ) verwendet, auch das ist zigfach nachgewiesen.
      Das in „Spinnerei“ umzudeuten, ist interessengebundene oder autoritaetshoerige hochgradig verfaelschende Selektivitaet, vorsichtig formuliert. Und wenn ein Herr Juepner, ehemals bei der HVB jetzt Chef des Steueramtes nie etwas von Schwarzgeldverschiebungen gehoert hat, und Aktenvermerke ueber Spinner umdeutet, oder Akten und Dokumente aus Mollaths Wohnung rechtswidrig und ohne jegliche Reaktion der „Administration“ mit HVB/HRE-Unterstuetzung entsorgt werden, muss man schon eine ganz besondere Vorsicht walten lassen, um all diese Zufaelle Zufaelle sein zu lassen. Wie sagte Herr Strate klar und deutlich: Es war Abscht. Daran besteht kein Zweifel.
      Die aktuellen psychiatrisch-juristischen „Spielereien“ duerften bei dieser Groeßenordnung das Beiwerk sein, das dazu beitraegt, den Blick von dem was „zaehlt“ und „sich rechnet“, „gezaehlt“ hat und sich „gerechnet“ hat moeglichst ganz weit abzuwenden. Bei Mollath ging es eben tatsaechlich und auch fuer die Banken nicht nur um „Peanuts“.
      Insofern ganz herzlichen Dank fuer den obigen sehr guten (er- und auf-)klaerenden Artikel und Ihren Kommentar.

      P.S.: Besonders den Humoraspekt finde ich auch sehr wertvoll und zutreffend. Er laesst schmunzeln. Andere konnten und koennen ueber Mollaths Aussagen und Erkenntnisse ueberhaupt nicht lachen. Bei Geld hoert der Humor naemlich meistens und bei Vielen ganz ploetzlich auf.

  4. Deali sagt

    Es ist schon komisch, wenn einer dem Papst einen Brief schreibt dann erklärt man ihn für verrückt. Wenn die ganzen CSUler andauernd einen imaginären lieben Gott anbeten dann finden das alle ganz ok.
    Wer hat den nun nicht alle Segel in der Takelage? Ich würde mit Sicherheit auch dem Papst schreiben, das scheint mir vernünftiger zu sein.
    Ich habe dem Hoschi Seehofer eine email geschickt (besitze kein Briefpapier mehr), gehöre ich jetzt auch in die Klapse?

      • Euler Hartlieb sagt

        Unsere Freiheit und Demokratie ist zum Teil schon zunehmend illusionaer und irreal; wir muessen uns darum heftig bemuehen.
        Irgendwie erinnert mich diese Illusion an den Konsumrausch.
        Der Begriff Rausch ist ganz treffend, weil eben nicht ganz klar bei Verstand.
        Das ist alles gar nicht mehr so witzig, was einige Herren (und Damen) sich mit und fuer uns erlauben (koennen).

  5. Theodor Kugler sagt

    Danke für die ganzheitliche Wahrnehmungsfähigkeit dieses Falles. Ihnen gelingt es trotz fehlender wissenschaftlicher Basis in der Psychiatrie, etwas Brauchbares aus dem Fall herauszuarbeiten. Wie gesagt ist die diagnostische Basis in der Psychiatrie leider nicht wissenschaftlich. Psychiatrische Diagnosen sind mehr oder weniger gute subjektive Sammelsurien von Symptomen, die niemals wissenschaftliche Objektivität erreichen. Nur schon die Tatsache, dass unterschiedliche Psychiater zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen, spricht gegen Wissenschaftlichkeit (ärztliche Sorgfalt vorausgesetzt). Es ist erstaunlich, wie Psychiater ein Berufsleben lang auf dieser fehlenden Basis arbeiten können, ohne daran zu zerbrechen. Eine Schlussfolgerung: Sofort aufhören, psychiatrische Gutachten als Entscheidungsgrundlage zu liefern. Im besten Fall sind solche Gutachten eine brauchbare Informationshilfe.

  6. Theodor Kugler sagt

    Ich habe obige Aussage als Psychiater gemacht, der vor der Pensionierung steht. Die Psychiatrie richtet unter dem Strich mehr Schaden an als dass sie nützt. Ich stelle damit nicht die gute Arbeit von vielen Psychiatern in Frage.

  7. Bert sagt

    Missbrauch und Diskriminierung.

    Es ist eindeutig und leicht den Missbrauch an der Integrität und Würde der Menschen aufzuzeigen. Da brauchen wir uns überhaupt nichts vormachen. Und mit Würde meine ich nicht einen leeren Begriff, sondern Kernanliegen jeder konkreten Lebensausgestaltung – es wurde hier auch recht schön angesprochen:

    Die konkrete höchst-persönlich-intime Selbstbestimmungs-Hoheit über Sinngebung Deutung und Antwort auf gegebene Lebensumstände äußerer und innere Art, worunter auch Krankheit fällt.
    Die Würde ist von außen/anderen nicht abwägbar!

    Wie bei den Aufdeckungen der Missbrauchsskandale – denen Jahre zuvor auch schon Einzelfälle verstrandend vorausgingen – herrscht auch hier ein ‚gute Ton‘ der ganz empört-bürgerlich-etabliert Haltung, die höchste Wirkmacht auf andere Gemüter hat, und alle Angreifer als aussätzig und krumm darstellen lässt, zur Rechtfertigung zwingt, und ihre Würde untergräbt, Entkernt – und seit Jahrtausenden, wie bei Juden, als aussätzig-krank verteufelt.

    Und plötzlich, wenn die Zeit reif genug ist, frägt sich jeder, wie Missbrauch in einer Institution so unbehelligt bleiben konnte – wo es doch so stark beleuchtet und beleuchtbar war: Aber nein, wir glauben immer noch, dass zwar Vergewaltigung oder der Griff in die Hose ganz klar ein Integritätsübergirff höchsten Grades ist (obwohl unsichtbar), aber hier, bei dem sogar ausgesprochenen Integritätsgriff in die Hose der Patienten – da gucken wir drüber hinweg, obwohl ganz klar vor allen Augen nachvollziehbar.

    Es werden immer wieder Menschen zu Aussätzigen, wie Schwarze oder Schwule, weil ihre Würde mit einem willkürliches Maß abgewogen und übergriffig vergewaltigt wird.

    Obwohl in einem Rechtstaat nur der Staat (und auch nur aus Anlass einer falschen Handlung – nicht Gesinnung oder Hautfarbe oder wissenschaftlich korrekt formulierte krumme Nase) die Rechtfertigung haben sollte Gewalt anzuwenden – so doch immer unter Wahrung der Würde!

    Hier aber erleben wir Leute, die ihre Aufgabe als Macht weckentfremden und wie an der Odenwaldschule oder anderen Internaten ihre ‚Pädagogik‘ oder ‚Fürsorge‘ über die Grenze der anderen anvertrauten Personen hinweg anwenden, und ein Klima herausbilden, wo sich alle Intim-Persönlichkeitsmerkmale plötzlich zu erklären und rechtzufertigen haben.
    Während also Scham an der Odenwaldschule nicht als höchst-unzubegründene sich selbst Rechenschafft setzende Tatsache geschützt wird, wird es aufgelöst pervertiert als Schwäche ausgelegt.

    All diese Momente finden sich auch in den abartig-widerlichen Aussagen dieser honorigen Professoren.

    Und obwohl absehbar ist, dass eines Tages solche Professoren und angebliche ‚Koryphäen‘, die wie Kinderschänder in den Intimbereich der Integrität reingreifen und sich dort austoben (vor aller Öffentlichkeit), verurteilt werden müssten – aber wir hören keine Forderungen, jetzt schon Verjährungsfristen hochzusetzen, noch den Missbrauch an der Würde der anvertrauten Patienten als Straftat mit zig Jahren Gefängnis festzusetzen, noch die durchaus objektivierbaren justiziablen Merkmale zu benennen. Letzteres wäre um einige Grader eindeutiger als der Missbrauch, der als wissenschaftlich fundiert, hier als seriös Tatsache und justiziabel geglaubt wird.

    Man kann beim ‚Richter‘ Freisler 2.0 alias Brixner Begründungen finden, die eindeutig als Diskriminierung von psychisch Kranken gewertet werden kann. (Ablehnung eines anderen Pflichtverteidigers)
    Man findet sie eindeutig im Vermerk bei der Steuerbehörde. (Initiiert durch Freisler 2.0)
    Man findet es eindeutig im Verhalten des Richters F2.0 im Gericht – dazu Tucholskys Anmerkung: hochaktuell.

    Man findet es im Schreiben des Personals vom Krankenhaus Bayreuth eindeutig – so deutlich explizit, und interessanter Weise genau dort, wo sie das Gegenteil behaupten wollen, und dazu ein Instrument völlig pervertiert-missbrauchen anwenden.

    Und ja, man findet es eindeutig genug in jeder erdenklichen Aussagen dieser Schänder-Professoren, bis hin zu ‚Unser Gustl‘. Kann man die übergriffige missbräuchliche Total-Vereinnahmung noch verdichteter zum Ausdruck bringen?
    Freilich kann man sagen, och, das war doch nicht so gemeint, diese leichte Berührung im Intimbereich war doch nur Kumpelhaft-nett gemeint… Kann man. Aber nicht Personen, die an so einer heiklen Stelle mit Verantwortung beauftragt sind.

    Man findet es eindeutig genug, wenn diese machttrunkenen Professoren vor aller Öffentlichkeit wirklich ernstgemeint Heilungskräfte allein und ausschließlich auf ihre Therapien, oder einem ihrer Zunftstellvertreter, verlagern, und die Deutung, wie mit Krankheit umzugehen ist, würdeübergriffig die Person vergewaltigen.
    Man sieht es ganz eindeutig an den behaupteten hohen Wahrscheinlichkeiten der Gefährlichkeit, an der unterstellten unveränderten Krankheitszustand:

    Vor aller Öffentlichkeit kann der Missbrauch das Denken deformieren und schwarz als weiß präsentieren – solange der Missbrauch noch Wirkmächtig ist – fällt es niemanden auf:
    Hohe Wahrscheinlichkeiten äußern sich mit einer hohen Wahrscheinlichkeit/Häufigkeit. Und Wenn eine Krankheit dieselbe ist, und mit hoher Wahrscheinlichkeit ähnliche Taten, wie die Anlasstaten, erwarten lässt (und das alles so gewiss formuliert, dass eine Person deswegen der Freiheit beraubt wird), dann bitte: mit jedem Tag mehr (und Herr Dr. Leipziger, Herr Dr. Wortmüller? wurden doch angeblich von dem Wahn vereinnahmt, der mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Gemeingefährlichkeit ausbrechen wird).

    Man sieht den Missbrauch, wenn Deutungen die affekt-beladene Schrift-Form der Briefe missbrauchen um den Inhalt und Zweck des Gesamtvorganges und die letztliche Absicht vernebeln wollen: Hier ist sehr wohl basale Grundgläubigkeit in Mitmenschen aufgezeigt (und hatte Herr Steuber damals nicht dieselbe Begnadigungsrechte wie ein Herr Seehofer, der sich einzumischen nicht einem Wahn beugt?), und vor allem ist hier ein vernünftig, ganz und gar nicht gemeingefährlicher Umgang und vernünftig-sinnhafte Antwort auf einen wahnhaften Affekt aufgezeigt.
    Vor aller Öffentlichkeit haben diese falschen Wirklichkeiten dieser missbrauchenden Ärzte noch so hohe Wirkmacht, dass ihnen niemand einen Realitätsabgleich ihres Denken und Tuns zumutet, und schon gar nicht den Gesundheitszustand, oder den kriminellen Charakter der durch Amt und Würde geschützten ‚Seelsorger‘ aufdeckt, anspricht, und zur Anklage bringt.

    Missbrauch und Diskriminierung von psychisch Kranken – bin gespannt, wieviele Jahre vergehen, bis die Öffentlichkeit durch die Wirkmacht hindurch den wahren Charakter dieser (Institutionen und) Personen durchschaut. Wahrscheinlich, wenn wieder alles verjährt ist, und solche Koryphäen im Sterbebett liegen.

    • Euler Hartlieb sagt

      Treffender Beitrag. Der Zusammenhang von Macht(missbrauch), Arroganz, Ueberheblichkeit, Normen, Mangel an Respekt und Verletzung der Wuerde anderer ist sehr schoen herausgearbeitet, danke. Fuer mich ist Christina v. Braun eine der tiefgruendigsten Autoren, die besonders die historische Entwicklung und wirkungsmaechtige Rolle von Norm und Normalitaet und deren Entwicklung und Zusammenhang mit Religion, Medien, Gender, Schrift und Geld ueber mehrere Jahrtausende in packender Form in mehreren Werken, angefangen mit der Hysterie, der aeltesten be“schriebenen“ Krankheit ueberhaupt erklaert. Ich hoffe sie wird sich eines Tages zu Mollath aeussern.

  8. sol1 sagt

    Ein ausgezeichneter Beitrag, der nebenbei gerade dadurch, daß er versuchsweise den Blick der „Anti-Mollath-Fraktion“ einnimmt, zeigt, daß man keine groß angelegte Verschwörung hinter dem Fall vermuten muß.

    Denkfaulheit, Arroganz und Abscheu vor dem Andersartigen sind die naheliegendere Erklärung, wenn es darum geht, die Geisteshaltung der Verantwortlichen für die Unterbringung aufzuhellen – oder diejenige, die in Foren wie diesem zum Ausdruck kommt:

    http://forum.psiram.com/index.php?topic=11591.0

    • Euler Hartlieb sagt

      Naja, manchmal ist es aber auch Denkfaulheit, die politisch-oekonomisch-institutionellen Motive, Gruende, Historie und Zusammenhaenge und dazu gehoerige Indizien nicht zu genau zur Kenntnis nehmen, gar ausblenden zu wollen und dann immer gleich in meist abwertend gemeinte „groß „angelegte“ „Verschwoerung“ umzudeuten. Vielleicht braucht man bei diesen „Anlagen“ nichts „anlegen“ und manche Selbstverstaendlichkeit braucht auch unbesprochen schon gar keinen „Schwur“.
      Neue Erkenntnis neigt schon energetisch dazu, von uns immer wieder in unser „Vorwissen“, Strukturen und auch „(Vor)Urteile mit moeglichst wenig Kollateralschaeden – Veraenderung eingebaut zu werden“ Wir alle haben den Hang zu finden, was und wo wir suchen; da muessen wir immer wieder an uns arbeiten, um moeglichst haeufig ueber den begrenzenden Schatten/Arroganz/Abscheu unserer eigenen „Grund-Einstellungen“ zu springen.

  9. Elke Meissner sagt

    Danke, das ist die bisher schärfste Analyse, die ich bisher zum Thema gelesen habe.
    Einiges, das hier als Beispiel für die Pathologisierung von Herrn Mollath angeführt wird, trifft auch auf mich zu – in abgeschwächter Form.
    Auch weiß ich aus eigener Erfahrung, dass ein Mensch in Ausnahmesituationen wie z. B. Scheidungskrieg, drohender Arbeitsplatz- oder Existenzverlust oder nach einem traumatischen Erlebnis vorübergehend durchaus nicht mehr ganz Herr (oder Frau) seiner (ihrer) selbst sein kann. Wer in bestimmten Situationen nicht verzweifelt oder – fast – wahnsinnig wird, ist nicht normal!
    Auch der Hinweis von „Themis“ auf Herrn Mollaths Ironie und (Galgen-)Humor darf nicht unbeachtet bleiben.

    Eine Bemerkung noch ganz am Rande:
    Unterschiedliche Schrifttypen und -größen, sowie uneinheitliche Zeilenabstände können auch unbeabsichtigt entstehen, indem man Begriffe oder Textpassagen aus anderen Medien mittels copy&paste übernimmt. Dies passiert sehr leicht, wenn man nicht gerade ein ausgewiesener Experte in Textbearbeitung ist.

    Elke Meissner, Neubiberg

  10. gelegentlich sagt

    Zu dieser Analyse muss man Ihnen gratulieren, was schon Andere vor mir getan haben! 😉
    Die Leute, denen jetzt als praxiserprobte Scharlatane das Wasser zum Hals steht, diskutieren Ihren Artikel hier:
    http://forum.psiram.com/index.php?PHPSESSID=21d5ktc802p033qek1ttie0he0&topic=11591.150
    Mit diesem Hinweis ist auch schon Alles gesagt. Aber man kann noch tiefer sinken:
    Mariam Lau von der „ZEiT“, eine Kollegin der Frau Rückert, die in dieser Sache ebenfalls mit tiefgelegtem Niveau auffällig wurde zugunsten des gefallenen Engels Kröber, schreibt:
    „Mehreren Personen, die ihm gegen den Strich gingen, hat der ehemalige Ferrari-Restaurateur die Autoreifen so fachmännisch zerstochen, dass die Luft erst bei voller Fahrt entwich.“
    Ich bewundere Herrn Mollath dafür, dass er nach Jahren einer beispielhaft breiten Publikation so vieler Details des Falles darüber nicht wahnhaft geworden ist.

  11. Sascha Pommrenke sagt

    Weil es jetzt hier des Öfteren erwähnt wurde:
    Die Kollegen von psiram machen in ihrem Bereich wertvolle Arbeit.
    Nur leider hat sich dort eine Gruppendynamik entwickelt, bei der man offensichtlich der Meinung ist, zu allem und jedem eine abschließende, wertende Meinung entwickeln zu müssen. Das ist nicht diskursiv, sondern konfrontativ, mit immer dem gleichen Ergebnis: wir sind besser.
    Ansonsten freue ich mich weiterhin, dort immer wieder kompetente Aufklärungen zu bestimmten Themen zu lesen.
    Und man muss dort ja auch nicht mitlesen. Ich kann dort eh keine relevanten Beiträge für den Fall Mollath erkennen.
    Ich halte die Feindbildproduktionen von „Mollathisten“ und „Anti-Mollath-Fraktion“ für – entschuldigung – infantil. Am Ende geht es nur um die Erhöhung des eigenen Selbstwerts und die Erniedrigung des „Feindes“.
    Das bringt niemanden wirklich weiter. Insofern kann man es auch ignorieren.

  12. gelegentlich sagt

    Ob die Leute von psiram gute Arbeit machen oder nicht kann ich nicht beurteilen. Ich las nur einen extrem schwachen, uniformiert schwafelnden Artikel über den Fall Mollath und nahm die, wie Sie sagen, infantilen Feindbildproduktionen im Begleitforum wahr. Zu Ihrem Essay heißt es da:
    „Der Rest des Textes ist ähnlicher Qualität, ich spare ihn mir.“

    „Nicht relevant“ – kann ich nicht beurteilen. Es geht hier ja auch um die Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Was mich erschrocken gemacht ist, dort (auch bei ZEIT und Spiegel) auf Leute zu stoßen, denen sowohl der Justizskandal als auch der Mensch offenbar egal ist, die offenkundig wesentlich davon angetrieben scheinen dass ihre Branche einen Imageschaden erlitten hat und dadurch perspektivisch ihr Brotkorb höher hängen wird. Ich bin Naturwissenschaftler und Anti-Esoteriker, aber auch Steuerzahler. Dass Leute wie Leipziger und Kröber nicht schlecht aus öffentlichen Mitteln bestallt werden, während hochqualifizierte Leute, die arbeiten wollen, aber über 50 sind, an Hartz IV geraten finde ich schwer erträglich.

    • sol1 sagt

      Ich habe keine Ahnung, ob die Leute von Psiram von der „Branche“ sind, aber wenn ja, ist es erschreckend, was sich da für Abgründe auftun.

      Da heißt es z.B.:

      Das Attest von Frau Krach geht vollkommen in Ordnung, wenn Frau M. mit einer Geschichte aufgetaucht ist, wie sie sie später Frau Lakotta erzählt hat. Der „Denkzwang“, dem Frau Krach hier unterliegt, hat noch ein Synonym: Fachkenntnis. Es ist dann einfach good clinical practice, ein solches Attest auszustellen.

      Aber gerade weil hier eine Verrohung zum Ausdruck kommt, die man sich in einer offenen Diskussion schlecht erlauben kann (die in ihrem Blog gestartete Diskussion wurde von den Psiram-Leuten abgewürgt), halte ich diese Äußerungen für relevant. Es kommt in ihnen ein Fanatismus und eine Empathielosigkeit zum Vorschein, denen ich sonst bislang eigentlich nur bei politischen Extremisten begegnet bin.

    • Sascha Pommrenke sagt

      „die offenkundig wesentlich davon angetrieben scheinen dass ihre Branche einen Imageschaden erlitten hat und dadurch perspektivisch ihr Brotkorb höher hängen wird.“

      Im angesprochenen psiram-Forum schreibt kein Psychiater.

      „Dass Leute wie Leipziger und Kröber nicht schlecht aus öffentlichen Mitteln bestallt werden, während hochqualifizierte Leute, die arbeiten wollen, aber über 50 sind, an Hartz IV geraten finde ich schwer erträglich.“

      Das kann ich verstehen. Allerdings muss man auch aufpassen, das eine nicht mit dem anderen zu vermengen.

      Und nun zuletzt und abschließend zu psiram: dass mein Artikel dort nicht auf viel Gegenliebe stößt, finde ich in Ordnung. Wissen ist diskursiv. Und wir können uns „Wahrheit“, „Wirklichkeit“, den Fakten (was auch immer) nur nähern, indem wir verschiedene Idee und Perspektiven austauschen.

      Aber es entsteht nicht selten der Eindruck, was Goethe so schön formulierte:

      Ein Quidam sagt: »Ich bin von keiner Schule;
      Kein Meister lebt, mit dem ich buhle;
      Auch bin ich weit davon entfernt,
      Daß ich von Toten was gelernt.«
      Das heißt, wenn ich ihn recht verstand:
      »Ich bin ein Narr auf eigne Hand.«

      • Gawlow sagt

        „Im angesprochenen psiram-Forum schreibt kein Psychiater. “

        Das ist nicht richtig. Mindestens 2 haben bestätigt, das sie Psychiater sind. Der Blogautor und ein anderer User.

        „Es kommt in ihnen ein Fanatismus und eine Empathielosigkeit zum Vorschein, denen ich sonst bislang eigentlich nur bei politischen Extremisten begegnet bin.“
        Dies ist auch mein Eindruck gewesen.

        • Sascha Pommrenke sagt

          Nachdem was ich dort gelesen habe, kann niemand Psychiater sein. Die Referenzen, die dort bemüht werden, wenn es um psychologische bzw. psychiatrische Expertise geht, sind – vorsichtig ausgedrückt – befremdlich.

          Die Ausführungen zu sozialwissenschaftlichen Erkennntissen bewegen sich auf wikipedia-Niveau mit dem immergleichen Motiv: Legitimierung von Herrschaft. Das hat mit Wissenschaft allerdings nichts zu tun. Wenn ich wissen will, was Justiz, Politik etc. zu sagen haben, dann höhre ich denen direkt zu und brauche keinen Lautsprecher.

          Ich habe es mal so genannt: Wissenschaft, die nicht kritisch ist, ist Ideologie.

          Und da bin ich dann auch dicht an Ihrer letzten Aussage bzw. Ihrem Eindruck.

            • Sascha Pommrenke sagt

              Bei psiram hat man sich von den eigenen Grundsätzen verabschiedet. Ich beobachte das nur noch aus einem „wissenschaftlichen Interesse“ wie sehr eine Eigendynamik dazu führen kann, dass selbst die eigenen ehernen Grundsätze über Bord geworfen werden können.

              Und ganz im Sinne der (Reduktionsstrategien der) kognitiven Dissonanz, zeigt sich, dass, wenn man die Realität nicht ändern kann, man eben die Einstellungen zur Realität ändern muss – ohne dies zu merken.

  13. GerdHellmood sagt

    Nicht per se sind Vergleiche mit dem Dritten Reich völlig aus der Luft gegriffen oder unpassend. Was hier nicht passt wäre ein Vergleich mit Auschwitz oder auch Dachau. Was aber passt und das ist das schwer zu Benennende, ist die Banalität spiessbürgerlicher, unreflektierter Bösart. Zwei Begriffe die in diesem Zusammenhang erwähnenswert sind, lauten Milgram-Experiment, bzw. Rosenhan-Experiment.
    Unter diesem Blickwinkel sagte ich an anderer Stelle, die NSDAP sei keine Arbeiterpartei gewesen (obwohl sie das im Namen führte) sondern eine „Kulturfolger-Partei“. Das ist erklärungsbedürftig. Sog. Kulturfolger sind in der Biologie Arten, die sich durch hohe Anpassungsfähigkeit an menschliche Zivilisation auszeichnen. Vollkommen gleichgültig für ihre Anpassungsfähigkeit ist dabei Ethik und Moral ihrer menschlichen „Gastgeber“. Um keine politisch inkorrekten Tiervergleich, mit Ratten beispielsweise anzuführen, sei darauf hingewiesen, dass die gemeinten „Kulturfolger“ durchaus in menschlicher Gestalt auftreten können – bisweilen sogar in Talar, Robe oder Kittel.

    • Euler Hartlieb sagt

      Mir scheint dass diese „Banalität und spiessbürgerlicher, unreflektierter Bösart“ doch irgendwie sehr haeufig mit dem Geldbeutel korreliert, auch meist korreliert hat. Auch schon im Nationalsozialismus war der oekonomische Aspekt sehr viel bedeutender als zumeist gesehen oder eingeraeumt. Cash in de Tesh neigt dazu, eine sehr ruecksichtslose, oft auch skrupellose Variante von Motivation zu sein. Natuerlich erklaert das bei weitem nicht alles.

  14. sol1 sagt

    Sehr aufschlußreich finde ich die Diskussion im Forum von Zettels Raum:

    http://83273.homepagemodules.de/t6376f14-Gustl-Mollath.html

    Dieses Forum ist in soziologischer wie auch ideologischer Hinsicht wohl die bestmögliche virtuelle Entsprechung zu Nürnbergs “gehobener Gesellschaft”. Stille-Post-Prozesse, wie sie in diesem Blogbeitrag beschrieben wurden, lassen sich dort in Echtzeit nachverfolgen.

  15. Balser sagt

    1.
    Alle möglichen Leute, die sich des Mollath-Falles bemächtigen, sollte man nicht als
    neurotische Trittbrettfahrer abtun.
    Sondern die zum Anlass nehmen mit der Fragestellung, dass Mollath kein
    Einzelfall ist, sondern nur ein extremerer Fall von vielen Einzelfällen, die durch
    Psychiatrierungs-Repressalien aus diversen Gründen mund- und hirntot gemacht
    werden.
    So wie das DDR-systemisch Masche war.

    Systeme sind nicht Rechtsstaat-statisch, sondern auch negativ dynamisch zur
    Unrechtsstaat-Entwicklung.
    Das sollte der deutsche Gutmensch und besonders der „furchtbare“ Juristenstand am besten wissen.

    2.
    Sprach-Diktatur vom Feinsten ist, wenn das explizite „aggressive“
    Selbstverteidigungs-Schriftgut als Ausdruck von wahnhaft exzentrischer Geistesbefindlichkeit umgedeutet wird.
    Und Schreiben an Polit-Größen – die Bürgernähe und angebliche
    Offenheit für Bürger-Kontakte heucheln – als Realitäts-Bezugsverlust
    bezüglich der hierzulande vorherrschen sollenden Kasten-Hierarchien
    verunglimpft werden.

    Für einen von gesundem Menschenverstand geleiteten Leser der
    Schrift-Auszüge liegt die Diktion im völlig normalen Rahmen einer
    individuellen Ausdrucksweise entsprechend der ständig proklamierten
    Vielfältigkeit menschlicher u.a. sprachkultureller Individualität, Emotionalität und Temperament.

    Wer da sprachliche Absonderlichkeiten und geistige Abartigkeiten wie
    Haare in der trüben Sprachsuppe herauslesen will, der ist nicht nur ein
    autoritärer Sprachbanause – eine Eigenschaft, die besonders für Juristen
    und Medizinern mit ihrem unverständlichen Kauderwelsch charateristisch
    ist – sondern auch noch ein Sprach-Zensur-Diktator.

    Sprachterroristische Typen, die meiner expliziten exzentrischen aggressiven Ausdrucks-Weise hier zum Entlarven der u.a. psychiatrischen Wort-im-Mund-und-
    Schriftgut-Verdreherei zur Selbstverteidigung sicherlich wahnsinnige
    Schriftzüge attestieren würden.

    Mithin sich die wegen u.a. Steuerhinterziehungs-Verfolgungs- und sonstiger Nachlässigkeiten ins Gerede gekommene Staatsgewalt ersatzweise
    für die Maulkorb-Verhängung im königlich-bayerischen Absolutisten-Staat des Psychiatrie-Berufstandes in Maulkorbverhängungs-Ersatz-Funktion bedient.

    Es ist erschreckend für jeden halbwegs durchblickenden Bürger, wie
    hierzulande mittlerweile zur Augenwischerei mit Wahn-Keulen von einem
    Psychiatrie-Stand herumjongliert wird.
    Der im Dritten Reich dem Wahnsinns-Führer untertänigst die Abspritz-Stange
    gehalten hat, dem die Volksmassen in wahnsinngleicher Hysterie mit
    hirnlosen Heil-Phrasenmonolog-Sprache zugejubelt haben.

    Vor gerade mal einer Furchtbaren-Juristen-Mediziner-Nachfolge-Generation.

    Das ist juristisch-medizinisch verrückt und pervers-deutsch.

    Mollath beileibe nicht !

    Ich bin übrigens der hessische (Ex)Anwaltnotar, der wegen
    Justiz-Dilettantismus-Ignoranz-Behäbigkeits-Whistleblowerei(Denunziantentum) als paranoider Querulant vom selben Falschgutachten-Staatspsychiater
    diffamiert und angeschmiert wurde wie die hessischen Steuerfahnder.

    Der sich als „Trittbrett-Fahrer“ auf den Mollath-Zug als weiterer „Einzelfall“ und
    Justiz-Opfer-Zeitzeuge für Justiz-Psychiatrie-Missbrauch-Repressalien aufgeschwungen hat .

    Der besser Bescheid weiß über die erfindungsreichen willkürlichen
    schlechtachterlichen Phantasie- und Lügen-Machenschaften des
    Psychiatrie-Gutachten-Standes, dem sich der Staat gegenüber
    lästigen „nervenden“ Zeitgenossen bedient.

    • Euler Hartlieb sagt

      „Sprachterroristische Typen, die meiner expliziten exzentrischen aggressiven Ausdrucks-Weise hier zum Entlarven der u.a. psychiatrischen Wort-im-Mund-und-Schriftgut-Verdreherei zur Selbstverteidigung sicherlich wahnsinnige
      Schriftzüge attestieren würden. “ Ich finde Sie haben viel zu sagen.
      Ich hoffe, Sie formulieren dies desoefteren auch so, dass diejenigen, die ihnen bei der aggressiven Ausdrucksweise ohne Boesartigkeit nicht folgen koennen (!), auch von ihrer Sichtweise profitieren koennen. Und das soll keine Entmutigung der expliziten Ausdrucksweise sein. Sie macht nur AUCH Angst (auch Mut) und fuegt sich (auch) in (die) Ordnungen.

      Dass auf geschriebene und ungeschriebene Sprach- und Schriftordnungen oft nicht verzichtet werden kann, diese aber (auch) implizit gewalttaetig, disziplinierend, repressiv sein koennen, und oft dazu dienen/genutzt werden, den Blick auf die Realitaeten zu vernebeln/zu verkehren, ist mir an ihrem Beitrag zur oft wirklich demagogischen Rezeption von Mollath nochmal bewußter und klarer geworden. Mir scheint, dies, trotz allem, ist auch bisher zu wenig kritisch/selbstkritisch in den Foren und von Unterstuetzern diskutiert.
      Wir alle tragen dies Ordnugnen unterschiedlich seit frueher Kindheit als ordnendes, hilfreiches Korsett; und als Zwangskorsett gegen uns und andere.
      Sascha Pomerenke hat hier genauer hingeschaut und die Diskussion angestoßen, das ist sehr wertvoll; und vielleicht sollte man in einem zweiten Durchgang auch dort moegliche implizit versteckte, unbewußte Normen und Wertungen, unbewußt tradierte Ordnungen noch einmal genauer betrachten.

  16. Balser sagt

    Eine auserlesene Psychiater-Creme kann im Staatsauftrag eiskalt
    willkürlich ohne effektive Kontrolle Bürger-Ruf-Mord betreiben.

    Regt sich aber hysterisiert auf, wenn ihnen Mord-Fatwa in den
    Briefkasten flattern.

    In einem Land, in dem sich wiederum kaum einer aufregt, wenn
    islamistische Mord-Fatwa(Aufrufe) über whistleblowerische Islamkritiker
    verhängt werden.

    Da schweigt die Political-Judical-Religionical Correctness.

    • Sascha Pommrenke sagt

      Ich verstehe, dass das Thema, zumal wenn man selbst betroffen ist, zu engagierten Äußerungen reizt.
      Nur halte ich es für wenig sinnvoll – und keiner Sache dienlich – wenn zuviel miteinander vermengt wird.
      Und Mordaufrufe sind, egal von wem, intolerabel.

    • sol1 sagt

      …wobei die Mentalität, die in diesem Blog vorherrscht, jier noch besser zum Ausdruck kommt:

      Die rotgrüne Regierung Schröder hat uns nur zum Kranken Mann Europas gemacht. Ein von Ideologen regiertes Deutschland wird in den Ruin gehen.

      Wer unter 40 Jahren ist, der sollte aus diesem Land, das sich seit 1870, seit 1914, seit 1936 im Kern nicht geändert hat, auswandern. Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.

      Sie kriecht, die deutsche Volksseele. Mal ist sie mehr braun gefärbt, mal mehr grün. Die Dummheit ist dieselbe; das Bauchgefühl, das heute triumphiert hat.

      http://zettelsraum.blogspot.de/2011/03/marginalie-es-ist-passiert-die-grune.html

    • Sascha Pommrenke sagt

      Ich hatte ehrlich gesagt zu spät gesehen, was das für ein Forum ist und was dort für eine Ideologie verbreitet wird. Hätte ich das rechtzeitig alles gelesen, hätte ich dort auch nichts geschrieben.

  17. GerdHellmood sagt

    Ermutigend festzutellen, dass immer mehr Bürgern klar wird: Wenn aus einer Argumentatsionskette – so doof wie trocken Brot mit Lambrusco – über daraus resultierende rechtskräftige Urteile, die Auferstehung des Rechtskörpers des Ungeistes in Erscheinung tritt, ist dies eine spezielle Eucharistie christdemokratischer, bzw. christlichsozialer Politik.

  18. Bert sagt

    http://www.merkur-online.de/aktuelles/welt/hallo-hier-papst-franziskus-anruf-teenager-zr-3071629.html :

    „Rom – Papst Franziskus hat einen jungen Norditaliener mit einem Anruf beglückt. Der 19-Jährige aus der Nähe von Padua hatte ihm einen Brief geschrieben, den der Papst überraschend per Telefon beantwortete.“
    „Hallo, hier ist Papst Franziskus“, habe sich das Kirchenoberhaupt bei ihm gemeldet, zitierte die Zeitung „Il Gazzettino“ am Donnerstag den 19-Jährigen. Acht Minuten lang hätten sie geredet, gelacht und Scherze gemacht. Der Papst habe Wert darauf gelegt, dass der Student und Fußballfan ihn duze. „Meinst du etwa, die Jünger hätten Jesus gesiezt?“, habe Franziskus gesagt. „Wir sind nun Freunde und ich duze meine Freunde.“

  19. Euler Hartlieb sagt

    Was wir von Mollath Lernen koennen
    Leserbrief GerdHellmood zu Mollath vor 18 Stunden in der SZ
    Es hat Methode. Es muss nicht immer in einer Zwangseinweisung enden. Zumeist genügt es durch Psychiatrisierung, Justitia etwas in die Waagschale zu werfen, das die „Aussage gegen Aussage – Feststellung aufhebt. Ein grundanständiger bayerischer Richter, inzwischen Vorsitzender einer Strafkammer warnte mich in einer Bagatell-Strafsache sinngemäss mit den Worten: „Sie können hier offen reden. Bevor ich das Richteramt übernommen habe, war ich Angehöriger der Staatsanwaltschaft. Der letzte Fall, an dem ich mitgewirkt hatte, war die Hypo-Bank Imobilienaffaire. “ Zum Saal gewandt sagte er: “ Die Hypobank hatte mutmasslich seinerzeit hunderte, wenn nicht tausende Anleger mit wertlosen Immobilien in den neuen Bundesländern über den Tisch gezogen. Viele erlitten einen Totalverlust und nicht wenige wählten gar den Freitod. Ich weiss, dass Banken über Leichen gehen. Doch ob Sie es glauben oder nicht – wieder zu mir gewandt – wir (die Staatsanwaltschaft), konnten nichts machen.“
    Inzwischen in Kenntnis der Causa Mollath, ahne ich, warum nichts zu machen war. Schliesslich, bevor er vertagte, warnte er mich noch davor, dass die Staatsanwaltschaft im Falle weiterer Beharrlichkeit meinerseits, ein psychiatrisches Gutachten beantragen würde.
    Heute ist mir klar, was er auf keinen Fall sagen durfte und doch zum Ausdruck bringen wollte. Die Justiz schreit: Hilfe!
    http://www.sueddeutsche.de/bayern/gutachten-ueber-massregelvollzug-in-bayern-aus-dem-fall-mollath-lernen-1.1752548?commentspage=all:2:#comments

    Ich kopiere mal Auszug aus einer heutigen SZ-Meldung (fachfremd daneben)
    29 Prozent der WM-Starter von 2011 gestehen Doping
    Eine brisante Studie deckt eine hohe Dunkelziffer gedopter Sportler auf. 29 Prozent der Leichtathleten, die bei der WM 2011 gestartet sind, geben zu, im Jahr davor gedopt zu haben. Doch nur knapp zwei Prozent der Dopingtests waren positiv.
    http://www.sueddeutsche.de/sport/studie-zur-leichtathletik-prozent-der-wm-starter-von-gestehen-doping-1.1753194
    Im Sport wiegen wir uns seit Jahrzehnten in Illusionen, Geruechten, Abwiegelungen.

    Dabei braucht ein anonymisierter Fragebogen mit gezielten Fragen nur eine ueberschaubare Stichprobe um signifikante Ergebnisse zu liefern.

    1. Ich bin ueberzeugt dass vier sinnnvolle Frageboegen, in der Justiz, bei den Banken, den Steuerbehoerden und Psychiatrien aehnlich erstaunliche Ergebnisse liefern wuerden. Sie waeren dann Grundlage fuer weniger spekulative Diskussion ueber das was sehr viele vermuten, aber bisher nur schlecht oder punktuell belegen koennen. Es gibt viele Menschen in diesen Institutionen, die gerne einmal ehrlich ihr Herz und Wissen ausschuetten wuerden, wenn Sie sich auf die Anonymitaet verlassen koennen.

    2. Wir sollten eine Anlaufstelle einrichten fuer aussagewillige Justiz-, Steuer-, Psychiatrie- und Bankmitarbeiter, jetzt wo das Eis bricht, die von sich aus anonym ueber einzelne Faelle berichten wollen. Aus meiner Sicht waere bspw. Frau Wolff einen hinreichend neutrale und respektierte Vertrauensperson als Anlaufstelle?

  20. newkid sagt

    Sehr geehrter Herr Pommerenke !

    Zunächst einmalherzliche Dank und Glückwunsch für Ihr Buch !

    Die obige Seite ist nachdem diese web Seite einige Zeit nicht aufgrufen wurde weil sie nicht auf der Gustel Mollath Hauptseite weiter genannt wurde mit obigen Beitrag doch eine Erinnering die dieser Staat und seine Journalisten schon im Geräusch der Wiederaufnahme und anderer Themen ganz vergessen hat.

    1.
    Zunächst interessierte es die BRD Gesellschaft in Ost und West hier überhaupt nicht das man in sog Isolationszellen in solchen strafrechtlichen Kliniken vergammeln kann und das bei Personen die offensichtlich keinen Dachschaden haben wie man das in Filmen kennt und die von ihrensog Taten im sog Urteil nicht gerade Menschen zerstückelt haben oder anderen ein Messer in den Bauch stechen und das ggf auch mehrmals.

    Man kommt in diese fiesen Isozellen wegen nichts und jeder der in einer solchen Klinik landet muss sich das gefallen lassen, die OLG und BGH Richter wissen davon offiziell nichts Komisch die Journalisten auch nicht.

    Die Gesamtzahl der Tage dort bei Herrn Mollath in 7 Jahren ist bis jetzt noch nicht bekannt.

    Das kann man Totalausfall der Journalisten und der Justiz und Aufsichtsinstitutionenen nennen.

    2.
    Die Art und Weise wie Herrr Mollath wie oben auf dieser web Seite gezeigt in den Dreck mit sog Gutachten gezogen wird vor und nach Inhaftierung hat ja neben den Punkten die zu den sog Taten im Urteil stehen nur ein Ziel. Die absichtliche Zerstörung der Persönlichkeit durch Zersetzung und dies durch systematisches Miesmachen aller Behauptungen aller Schriftstücke aller Handlungen und seien sie noch so zutreffend.

    Also um es einfach zu machen und es ist hier heute auch nicht so viel Zeit. Wenn in Bayreuth Wagner für den Führer gespelt hat und dort ein Hügel ist mit eine Wiese wo das stattfand und dieser Hügel neben der Klinik ist dann braucht man keine miesmachenden psychologischen Meinungen jeglicher Art zu dieser Anekdote.

    Es geht den Beteiligten um Zertsörung der Persönlichkeit und das wird in solchen Kliniken mit Wissen der OLGs und des BGH in ganz BRD systematisch praktiziert.

    Die gesamte dt Gesellschaft ausser dieser web seite und einigen wenigen die das wegen dieser Sache mal am Rande angesprochen haben machen dabei durch UNtätigkeit und Gleichgültigkeit mit.

    Ob noch mal was ergänzt wird ist nicht klar

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